Italienischer Filmemacher Ettore Scola ist tot

Er drehte den Klassiker "Die Schmutzigen, die Häßlichen und die Gemeinen": Ettore Scola ist im Alter von 84 Jahren verstorben. Der Filmemacher gilt als Meister des italienischen Nachkriegskinos.

Ettore Scola 1987 mit der Regisseurin Margarethe von Trotta: Der "politischste" Filmemacher in der italienischen Filmbranche
AP/dpa

Ettore Scola 1987 mit der Regisseurin Margarethe von Trotta: Der "politischste" Filmemacher in der italienischen Filmbranche


Der italienische Filmemacher Ettore Scola ist tot. Der Regisseur sei am Dienstag im Alter von 84 Jahren in einer Klinik in Rom gestorben, berichteten italienische Medien. Demnach war Scola in eine Abteilung für Herzchirurgie eingeliefert worden und dort am Sonntag ins Koma gefallen.

Scola begann seine Karriere 1953 als Drehbuchautor. Seinen ersten Film "Frivole Spiele" drehte er 1964. In dem Film spielt Vittorio Gassman in mehreren Rollen den Verführer.

Zu Scolas Werken gehörte auch "Ein besonderer Tag" mit den Stars Marcello Mastroianni und Sophia Loren, der 1977 für einen Oscar nominiert wurde. Er spielt im Italien der 1930er Jahre und handelt von der Begegnung einer naiven Hausfrau mit einem von den Faschisten verfolgten Radiojournalisten. Außerdem schrieb und inszenierte Scola den Film "Wir waren so verliebt" von 1974 über drei ehemalige italienische Partisanen in der Nachkriegszeit.

Scola drehte 1976 auch den Klassiker "Die Schmutzigen, die Häßlichen und die Gemeinen" sowie 1983 "Le Bal - Der Tanzpalast".

"Ein großer Meister"

In rund 40 Jahren machte Scola insgesamt 41 Filme. 2013 widmete er sich mit einer Dokumentation einem anderen großen Meister des italienischen Films: Federico Fellini. Scolas Töchter Paola und Silvia beschäftigten sich ihrerseits im vergangenen Jahr in einer Dokumentation mit ihrem Vater.

Italiens Regierungschef Matteo Renzi bekundete seine Trauer über den Tod des Altmeisters. Scola sei ein "Meister in der Kunst des Beobachtens" der italienischen Gesellschaft gewesen, erklärte der Ministerpräsident. Kulturminister Dario Franceschini würdigte Scola auf Twitter mit den Worten: "Ein großer Meister, ein außergewöhnlicher Mann, junggeblieben bis zum letzten Tag seines Lebens."

Der Filmkritiker der Zeitung "Corriere della Sera", Paolo Mereghetti, sagte im Fernsehsender Sky TF24, Scola sei der "politischste" Filmemacher in der italienischen Filmbranche gewesen und habe außergewöhnliche Hellsichtigkeit bewiesen. Scola war lange Jahre Mitglied der Kommunistischen Partei Italiens und brachte es 1989 sogar zum Kulturminister in einem Schattenkabinett.

mka/AFP/AP

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