Italienische Drehbuch-Legende Fellini-Freund Tonino Guerra gestorben

Von "Amacord" bis "Zabriskie Point" - Tonino Guerras Drehbücher prägten das Arthouse-Kino der sechziger und siebziger Jahre. Seine Freunde Federico Fellini und Michelangelo Antonioni trieb er zu Höchstleistungen an. Jetzt verstarb der Italiener im Alter von 92 Jahren.

Tonino Guerra: Impulsgeber des internationalen Arthouse-Kinos
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Tonino Guerra: Impulsgeber des internationalen Arthouse-Kinos


Rimini/Hamburg - Ohne ihn hätte die italienische Filmavantgarde in den sechziger Jahren nicht ganz so hell gestrahlt: Tonino Guerra lieferte die Drehbuchvorlagen für Meisterwerke wie "L'eclisse" (1962) von Michelangelo Antonioni oder für "Amarcord" (1973) von Federico Fellini. Poesie, politisches Bewusstsein und absoluter Formwille prägten sein Schaffen.

In einem deutschen Arbeitslager hatte der als Lehrer ausgebildete Guerra im Zweiten Weltkrieg damit begonnen, Gedichte zu schreiben. Später in Rom wandte er sich dem Film zu und setzte mit seinen oft ins Surreale und Groteske ragenden Arbeiten Akzente gegen die vorherrschende neorealistische Kinokultur der fünfziger Jahre.

Auf diese Weise wurde er zum Zulieferer und Impulsgeber fast aller namhaften italienischen Regisseure - von Vittorio De Sica ("Amanti", 1968) über Francesco Rosi ("Lucky Luciano", 1973) bis zu den Regie-Brüdern Taviani ("Kaos", 1984) und Giuseppe Tornatore ("Allen geht's gut", 1990). Aber auch Größen des internationalen Arthouse-Kinos griffen auf seine Vorlage zurück, etwa Andrey Tarkovskiy für "Nostalghia" (1973) oder Wim Wenders für "Jenseits der Wolken" (1995).

Immer wieder aber kehrte Guerra zu seinen alten Freunden und Wahlverwandten Federico Fellini und Michelangelo Antonioni zurück - für letzteren entwickelte er auch die Großwerke "Blowup" (1966) und "Zabriskie Point" (1970) mit - zwei Arbeiten, die aus dem Geiste der Popkultur entstanden sind und Guerras absoluten Innovationswillen belegen.

2002 wurde der Künstler mit dem Europäischen Filmpreis für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Für die "Reise nach Kythera" von Theo Angelopoulos erhielt er 1984 auf den Internationalen Filmfestspielen in Cannes den Preis für das beste Drehbuch. Guerra schrieb oder arbeitete an insgesamt mehr als 120 Filmen mit.

Am Mittwoch verstarb der Drehbuchautor, der neben seiner Arbeit beim Film auch einige Gedichtbände verfasst hat, nach langer Krankheit in seinem Geburtsort Santarcangelo di Romagna bei Rimini. Fünf Tage zuvor hatte er seinen 92. Geburtstag gefeiert.

cbu/dpa



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