Jahrhundert-Regisseur Trauer um Kinolegende Bergman

Ingmar Bergmans Tod kam für seine Familie nicht unerwartet: Sein Schwiegersohn Henning Mankell sagte: "Er war ein alter Mann, der ganz ruhig in seinem Bett einschlief." Schweden trauert um die Kinolegende, einen der wichtigsten Regisseure des 20. Jahrhunderts.


Stockholm - Schwedens Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt würdigte Bergman als "einen der großen Dramatiker der Welt". In einer von der Nachrichtenagentur TT verbreiteten Erklärung sagte Reinfeldt: "Sein Werk ist unsterblich. Ich hoffe, dass sein Erbe auf ganz lange Sicht bewahrt und weiter ausgebaut werden wird." Die enorme Bedeutung von Bergmans Beiträgen zu Film und Theater in Schweden und anderen Ländern lasse sich nur schwer begreifen.

Der Tod Ingmar Bergmans kam für seine Familie offenbar nicht unerwartet. Der Bestsellerautor Henning Mankell, der mit Bergmans Tochter Eva verheiratet ist, wird in der Internet-Ausgabe der Zeitung "Expressen" mit den Worten zitiert: "Wir waren uns klar darüber, dass es zu Ende ging. Er war ein alter Mann, der ganz ruhig in seinem Bett einschlief. Ein altes Herz, dass einfach aufgehört hat zu schlagen." Ingmar Bergman starb im Alter von 89 Jahren auf der Ostseeinsel Farö.

Bergman wurde am 14. Juli 1918 als Pastorensohn in Uppsala geboren. Seine Kindheit und Jugend waren durch eine strenge und religiöse Erziehung geprägt. Nach seinem Studium in Stockholm und ersten Kontakten zur Bühne arbeitete Bergman ab 1944 als Film- und Theaterregisseur. In seiner langen Karriere drehte er etwa 40 Filme, darunter das mit vier Oscars gekrönte autobiografisch geprägte Werk "Fanny und Alexander" (1982) und inszenierte über hundert Theaterstücke.

Sein Schöpfungsdrang schien unendlich, über seine Arbeiten sagte er einmal: "Ich stelle mir gern vor, dass sie in einem besonderen Raum der Seele ruhen, dort liegen sie bequem und reifen wie prächtige Käselaibe heran." Erklärungen zu seinen Werken gab er kaum, doch über den innersten Kern seiner Filmarbeit meinte er selbst: "Ich weiß nämlich, dass wir mit Hilfe des Films in bisher nie gesehene Welten eindringen können. In Wirklichkeiten außerhalb der Wirklichkeit."

Den internationalen Durchbruch als Leinwandregisseur schaffte Bergman mit "Das siebente Siegel", der ihm 1957 in Cannes den Spezialpreis der Jury einbrachte. Nach neun Oscar-Nominierungen erhielt er 1970 die Auszeichnung für sein Lebenswerk. 1984 wurde er erneut mit einem Oscar für seinen letzten großen Spielfilm "Fanny und Alexander" als beste Auslandsproduktion geehrt. 1997, beim 50. Filmfestival in Cannes wurde Bergman außerdem zum "größten Filmregisseur aller Zeiten" gewählt: Der Schwede wurde von so illustren Kollegen wie Martin Scorsese, Woody Allen, Robert Altman, Francis Ford Coppola, Akura Kurosawa und Wim Wenders auf den Schild gehoben und erhielt die "Palme der Palmen".

Bergmans Filme wurden vor allem in den sechziger Jahren zum Inbegriff von - vergeblicher - Suche nach Sinn im Leben, Vergebung und göttlicher Gnade. Zu dieser Zeit machte er auch in Deutschland Schlagzeilen mit damals als gewagt eingestuften Darstellungen von Sexualität. So wurde sein Film "Das Schweigen" aus dem Jahr 1962 mit zahlreichen Aufführungsverboten belegt. Als weiterer Meilenstein galten die als TV-Serie sowie als Kinofilm veröffentlichten "Szenen einer Ehe" 1973 mit Bergmans zeitweiliger norwegischer Lebensgefährtin Liv Ullmann und seinem Landsmann Erland Josephson in den Hauptrollen.

1976 verließ Bergman sein Land unter lautem Protest, weil ihn Polizisten wegen Verdachts auf Steuerhinterziehung aus einer Theaterprobe heraus zeitweise festnahmen. Daraufhin lebte er einige Jahre in München. Großen künstlerischen Erfolg hatte er dann aber erst wieder nach seiner Rückkehr in die Heimat mit dem großen Familienepos "Fanny und Alexander" 1983, der ihm noch einmal einen Oscar einbrachte.

Bergman beendete danach seine Filmarbeit, inszenierte aber weiter am schwedischen Nationaltheater Dramaten in Stockholm. Auf Farö vor der Nordspitze von Gotland lebte Bergman die letzten Jahrzehnte zurückgezogen. Hier zelebrierte er auch seinen Abschied von der Filmarbeit und drehte 2003 mit alten Weggefährten seinen endgültig letzten Spielfilm "Sarabande", eine Fortsetzung von "Szenen einer Ehe" von 1973. Liv Ullmann spielte wie auch dreißig Jahre zuvor die Hauptrolle und meinte danach: "Die Art, wie Bergman am letzten Tag war und sich verabschiedet hat, das war nicht nur ein Abschied, weil der Film abgedreht war. Er verabschiedete sich in einer Weise, dass ich wusste, er wollte sagen, nun habe ich das letzte Mal einen Filmset als Regisseur verlassen."

hoc/dpa/AFP



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.