Neuer James-Bond-Film "Spectre" Mexiko soll für Drehbuchänderungen gezahlt haben

Weil der neue Bond-Film zu teuer wurde, sollen Sony und MGM mit dem Drehort Mexiko-Stadt einen Deal eingegangen sein: Die Produzenten bekamen Fördergelder, dafür griff die Stadt ins Skript ein - behauptet eine amerikanische Website.

DPA

Rom, London, Sölden, Tanger - und nun Mexiko-Stadt. Der neue James-Bond-Film "Spectre" wird ab dem 19. März auch in der lateinamerikanischen Metropole gedreht. Szenen im historischen Zentrum, Bilder aus einem Hotelzimmer, eine Verfolgungsjagd sind geplant. Und auch eine Hubschrauber-Sequenz mit dem 007-Darsteller Daniel Craig, in der man das moderne Antlitz der Metropole bestaunen kann.

Aber offenbar standen nicht alle diese Sequenzen auch im Originaldrehbuch für den Action-Film, der Anfang November in die deutschen Kinos kommen soll, sondern wurden auf Wunsch mexikanischer Behörden hinzugefügt oder geändert.

Laut der auf Steuerthemen spezialisierten Website "Tax Analysts" hat die Bond-Produktion die Zugeständnisse an die Mexikaner aus Kostengründen gemacht. Es wurden Figuren ausgetauscht und Besetzungswünsche akzeptiert. Für vier Minuten Mexiko, hübsch verpackt, seien im Gegenzug 14 Millionen Dollar an mexikanischen Filmfördergeldern zugesagt worden, schreibt "Tax Analysts" in einem Artikel, der den Titel trägt: "From Mexico With Love: How Sony Got Millions in Incentives to Rewrite 007 Film" (etwa: "Liebesgrüße aus Mexiko: Wie Sony 007 umgeschrieben hat, um Steueranreize zu bekommen").

Hacker-Angriff

Zwar sei es nach Angaben der Steuerexperten von "Tax Analysts" durchaus üblich, dass Städte oder Länder an Drehgenehmigungen Bedingungen knüpfen oder bitten, dass er nicht negativ dargestellt wird. Aber bei "Spectre" hätten die Produzenten tiefe Eingriffe in das Drehbuch zugelassen. Für Luis Miguel Aguilar von der Filmkommission in Mexiko-Stadt ist dieser Vorwurf hanebüchen: "Die James-Bond-Produzenten wachen mit Argusaugen über ihr Skript und lassen da niemanden ran und akzeptieren keine Änderungen", sagt Aguilar im Gespräch. Er ist von der Stadtregierung mit den Bond-Drehabreiten betraut.

"Tax Analysts" wiederum behauptet, dass der Deal wegen der horrenden Kosten für "Spectre" zustande kam. Den Produktionsfirmen Sony Pictures Entertainment und Metro-Goldwyn-Mayer Studios (MGM) sei der Film zu teuer geworden, deshalb habe man sparen müssen. Die 24. Bond-Ausgabe kostet laut der Website über 300 Millionen Dollar - rund 50 Millionen Dollar mehr als ihr Vorgänger "Skyfall". Der Film wäre somit einer der teuersten überhaupt.

Die Informationen, auf die sich die Website beruft, sollen aus E-Mails stammen, die durch den Hacker-Angriff auf Sony Pictures im Dezember zugänglich geworden sind. Kurz vor dem Start der Nordkorea-Satire "The Interview" war der Konzern Opfer eines Angriffs auf ihr Rechenzentrum geworden. Viele Interna drangen in der Folge nach außen.

Die E-Mails, aus denen "Tax Analysts" zitiert, legen den Schluss nahe, dass die Produzenten so sehr unter Spardruck standen, dass sie bereit dazu waren, ein Stück Drehbuchhoheit an die mexikanischen Behörden abzutreten und deren Änderungswünsche am Skript zum Teil akzeptierten. Im Gegenzug erhielten die Bond-Macher Gelder in Millionenhöhe aus Filmfördertöpfen und auch Steuervergünstigungen (etwa bei der Mehrwertsteuer oder Arbeitslöhnen), mit denen sie die Produktionskosten erheblich drücken konnten.

Sony-Pictures in Mexiko wollte sich dazu auf Nachfrage nicht äußern: "Wir haben nichts zu sagen", betonte der Pressechef Alaine Sefchovich. Und die mexikanischen Filmförderanstalten gaben an, von dem angeblichen Deal nichts zu wissen. Dabei sieht die Nationale Filmkommission des Landes, COMEFILM, insgesamt vier Förderprogramme für Filmprojekte vor. Sie enthalten im Wesentlichen Zuschüsse zu den Produktionskosten oder Steuererleichterungen - etwa bei der Mehrwertsteuer.

Neue Frauenrolle

Das Originaldrehbuch sah laut "Tax Analysts" vor, dass James Bond in Mexiko City mit der Jagd auf einen Bösewicht namens Sciarra beginnt, der den Bürgermeister der Stadt ermorden will. Aber die Mexikaner hätten durchgesetzt, dass nicht der Bürgermeister, sondern eine internationale Führungsfigur, vermutlich ein Botschafter, das Opfer gibt. Zudem forderten sie, dass der Täter auf keinen Fall Mexikaner sein dürfe.

Außerdem habe die mexikanische Seite verlangt, dass die Frau, die in Bonds Hotelzimmer auftaucht, bevor er seine Jagd beginnt, von einer einheimischen Schauspielerin dargestellt wird. Passend dazu wurde Anfang März bekannt, dass Stephanie Sigman, bekannt aus dem Drogenthriller "Miss Bala", die Rolle der Estrella in "Spectre" übernehmen wird.

Die Behörden störten sich anscheinend auch daran, dass die mexikanische Polizei zu Beginn des Filmes zu sehen ist. Sie wurde jetzt durch eine undefinierte "Spezialeinheit" ersetzt. Außerdem bestanden die mexikanischen Vertreter darauf, eine Verfolgungsjagd am traditionsreichen "Tag der Toten" zu inszenieren.

Am Ende der Mexiko-Sequenz entschwindet Bond mit einem Helikopter über den Wolkenkratzern von Mexico City. Allein diese Szene soll laut "Tax Analysts" noch mal sechs Millionen Dollar an Fördergeldern gebracht haben: Macht insgesamt 20 Millionen Dollar, die MGM und Sony für die Drehbuchänderungen eingestrichen haben sollen.

Gegenwärtig ist Mexiko in einem bizarren Drogenkrieg versunken, die Realität hat hier längst jede denkbare Fiktion überholt. Man könnte Eingriffe der Behörden deshalb sogar verstehen: Sie möchten angesichts des negativen Images, das ihr Land spätestens seit der Verschleppung und Ermordung der 43 Studenten in Iguala weltweit hat, wenigstens in globalen Filmprojekten einigermaßen gut wegkommen.

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