Neuer "Spectre"-Trailer Bond hat Burn-out

Zweieinhalb Minuten Schattenspiele und düsteres Geraune: Der erste lange Trailer zum neuen 007-Film "Spectre" zeigt zwar endlich Christoph Waltz in einem Bond-Film, aber auch jede Menge Ödnis.

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"I am the author of all your pain": Ich bin der Autor deines ganzen Schmerzes, raunt Christoph Waltz am Ende des ersten Lang-Teasers zum neuen Bond-Film "Spectre", der am 6. November anläuft. Dass der in Quentin Tarantinos letzten Filmen zum Superstar avancierte Österreicher Waltz im 24. 007-Abenteuer den Bösewicht Franz Oberhauser spielen würde, so viel war bekannt. Im neuen Werbefilmchen zeigt er nun erstmals sein markantes Gesicht - und deutet mit seinen beschwörenden Worten darauf hin, dass es erneut persönlich wird für den britischen Agenten mit der Lizenz zum Töten.

Es reicht nämlich seit Daniel Craigs Dienstantritt in "Casino Royale" (2006) nicht mehr aus, dass ein wahlweise größenwahnsinniger oder übergeschnappter Superschurke die Welt vernichten will, um James Bond in Aktion zu versetzen, es muss nun immer auch eine private Facette in den Plot, eine tragische Liebschaft oder ein dunkler Schatten der Vergangenheit, um den Spion verletzlicher darzustellen. Drei sehr gute Bond-Filme sind mit diesem Kniff entstanden, der letzte, "Skyfall", ließ an Dramatik, Action und Spannung kaum etwas zu wünschen übrig.

Genau das scheint nun das Problem von "Skyfall"-Regisseur Sam Mendes zu sein, der auch "Spectre" verantwortet und bereits angekündigt hat, keinen weiteren Bond drehen zu wollen. Anscheinend wird mittels der 007-Nemesis Oberhauser, dessen Familiengeschichte offenbar ungut mit Bonds verknüpft ist, noch mal richtig in privaten Wunden gebohrt, aber da das der einzige Trumpf zu sein scheint, werden drumherum 007-Generika gruppiert.

So jedenfalls wirkt es im Trailer: Ein neuer, noch trickreicherer Aston Martin, eine neue unbekannte Schöne in Bedrängnis (Monica Bellucci), eine neue, zeitgeistgerecht toughe Gespielin (Léa Seydoux), die Bond ins Gewissen redet, ob das Agentenleben nicht doch an die Substanz geht: "Is this really what you want? Living in the shadows, hunting, being hunted?" Natürlich gibt es nach Judi Denchs Abgang in "Skyfall" auch einen neuen Vorgesetzten M (Ralph Fiennes), der die übliche Mühe hat, seinen Agenten unter Kontrolle zu halten. Und dann ist da noch die mysteriöse Terroristenvereinigung Spectre, die in Ian Flemings Romanvorlagen und früheren Filmen eigentlich von Erzgegner Ernst Stavro Blofeld geleitet wird. Von ihm fehlt bisher in den Teasern und Trailern jede Spur.

All das wirkt schön düster und noir, aber auch bekannt. Niemand wünscht sich die hirnlos-bunten Bonds der Siebziger und Achtziger zurück, aber bisher fehlt "Spectre" der Wow-Effekt, den ein neuer Bond-Film braucht, wenn er gegen die aktuellen Attraktionen des Blockbuster-Kinos bestehen will. Aber keine Panik: Ein Trailer macht noch keinen Film. Und vielleicht, hoffentlich, hält Sony ja den wirklich aufregenden "Spectre"-Stoff noch zurück.



insgesamt 77 Beiträge
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spon-1315653837968 22.07.2015
1. ROM wird es rausreissen...
Der wohl spektakulaerste City-Standort der Bond Geschichte wird es dann wohl rausreissen muessen!
colinchapman 22.07.2015
2. bitte nur für sich sprechen
"Niemand wünscht sich die hirnlos-bunten Bonds der Siebziger und Achtziger zurück" - der Autor sollte bitte nur für sich sprechen.
zacpirelli 22.07.2015
3. Ach...
Da sind sie wieder, die brillianten Einlässe von SPON zu filmen, die sie für doof halten. Und wieder erinnere ich mich an den damaligen Verriss von Inglourious Basterds und dem Anfangsdialog des Films, der langatmig und öde gewesen sein soll...
humpalumpa 22.07.2015
4.
Ziemlich eingebildet, der Autor. "Niemand wünscht sich die hirnlos bunten Bondfilme der 70er und 80er zurück. Er vielleicht nicht, aber ich mag die Bondfilme mit Roger Moore und Sean Connery (ok, der war früher). Grüße vom Niemand ;)
hman2 22.07.2015
5.
"Drei sehr gute Bond-Filme sind mit diesem Kniff entstanden, der letzte, "Skyfall" ließ an Dramatik, Action und Spannung kaum etwas zu wünschen übrig." Doch, die lassen an Tiefe zu wünschen übrig. Actiongeladene Gewaltorgien, in denen Gewalt immer mehr zum Selbstzweck wird, und nicht mehr nicht letztes Mittel eines Gentleman-Agenten ist. Einfach abstoßend.
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