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James-Dean-Film "Life": Der Unerreichbare

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Schon bevor James Dean ein Star war, machten ihn die Fotos von Dennis Stock zur Ikone. Die Geschichte hinter den legendären Bildern erzählt der Kinofilm "Life". Sehenswert bis Minute 110, dann kommt die Enttäuschung.

Ganz zum Schluss schießt sich Anton Corbijn in den Fuß. 110 Minuten lang ist das Experiment "Life" leidlich gut aufgegangen. Man hat Dane DeHaan sehr gern dabei zugeschaut, wie er den jungen James Dean kurz vor seinem Durchbruch spielt. Mit Neugier hat man auch verfolgt, wie Robert Pattinson als aufstrebender Fotograf Dennis Stock versucht, Dean zu einer Fotoserie für das "Life"-Magazin zu überreden.

Und dann zeigt Corbijn die Originalaufnahmen.

James Dean mit hochgeschlagenem Mantelkragen auf dem regnerischen Time Square, James Dean mit Schiebermütze in seiner ländlichen Heimat Indiana.

Unwiderstehlich. Und leider auch unnachahmlich.

In allen seinen bisherigen Filmen hat sich Anton Corbijn ikonischen Männerfiguren genähert, sei es historischen wie Joy-Division-Sänger Ian Curtis ("Control") oder mit charismatischen Darstellern wie George Clooney ("The American") und Philip Seymour Hoffman ("A Most Wanted Man"). In "Life" bringt er nun beides zusammen - mit Dane DeHaan den Star-Darsteller und mit Robert Pattinson den Darsteller-Star. Trotz des vermeintlichen Promi-Faktors nimmt sich "Life" aber sehr persönlich aus. Als angestammter Fotograf weiß Corbijn, wie spannungsreich das Verhältnis von Porträtisten und Porträtiertem sein kann, und diese Erfahrung macht die Prämisse von "Life" so reizvoll.

Fotostrecke

8  Bilder
"Life": Die Legende hinter den Bildern
Als sich Stock und Dean 1955 auf einer Filmparty in Los Angeles begegnen, ist letzterer noch kein Star. Doch er wird es bald sein, denn er hat schon mit Elia Kazan gedreht und ist die erste Wahl für Nicholas Rays neuen Film "Rebel Without A Cause". Stock dagegen fiebert seinem Durchbruch noch entgegen, er will es endlich mit einer Fotostrecke in eines der großen nationalen Magazine schaffen. Als er auf der Party James Dean erblickt, erfasst ihn die Gewissheit: Mit diesem jungen Mann, der so verloren und selbstsicher zugleich ist, könnte es gelingen. Nun muss er nur noch Dean von dem Projekt überzeugen.

Doch der erweist sich als schwer fassbar. Er ahnt, welche Welle der Aufmerksamkeit bald über ihm zusammenbrechen wird, und probt schon mal die Flucht: Er lässt sich auf der eigenen Premiere nicht blicken und trinkt und tanzt die Nächte in Jazzbars durch. Das Letzte, was er braucht, ist ein Fotograf, der ihn in seinen Wochen des Freidrehens begleitet.

Er wäre von Hollywood aufgerieben worden

Ein Mann, der den Ruhm sucht und ein anderer, dem der Ruhm schon gewiss ist, der ihn aber gar nicht will: Die Psychodynamik, die in dieser Konstellation steckt, fängt "Life" nur ansatzweise ein. Zum Teil liegt es an Luke Davies' Drehbuch, das für keine interessanten Dialoge zwischen Stock und Dean sorgt; zum Teil liegt es an Corbijn, der glaubt, die Lücken des Drehbuchs mit bewegten Hochglanzbildern füllen zu können.

Ausgerechnet an den Darstellern, dem neuralgischen Punkt so vieler Biopics, liegt es aber nicht. Robert Pattinson ist in seiner noch immer nicht abgelegten Verunsicherung zwar gewohnt hölzern. Dafür macht Dane DeHaan ("The Place Beyond the Pines") seine Sache richtig gut. Er verschmilzt nicht mit Dean, sondern deutet ihn als wissbegierigen Hipster, der ebenso gern liest und Theaterworkshops besucht wie er mit Eartha Kitt um die Häuser zieht.

In dieser Deutung wird auch klar, was für eine Ausnahmeerscheinung Dean im Hollywood der mittleren Fünfzigerjahre gewesen sein muss: Das Studiosystem mit seinen Knebelverträgen war damals schon zusammengebrochen. Doch Agenten und Produzenten waren immer noch so mächtig, dass sie ihren Stars nicht nur ihre Filmprojekte, sondern auch ihre Liebschaften diktieren konnten. Wäre er nicht am 30. September 1955 bei einem Autounfall ums Leben gekommen, so legt es "Life" nahe, wäre Dean über kurz oder lang von Hollywood aufgerieben worden.

Man kommt im Verlauf von "Life" einem Star und seinen Lebensumständen ganz schön nah. Oder glaubt es zumindest - bis eben am Ende des Films die Originalaufnahmen von Stock kommen. Fast zwei Stunden lang hat man sich zuvor mit Dean beschäftigt, und trotzdem ist man überrumpelt von diesen Bildern. So charismatisch, so rätselhaft, so unglaublich gutaussehend: Zwei, drei Fotos reichen, und James Dean ist wieder der große, unerreichbare Star, der er am Anfang des Films war.

Im Video: Der Trailer von "Life"

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insgesamt 7 Beiträge
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1. Nicht wirklich..
feyvel 24.09.2015
James Dean wurde schon immer überbewertet und war nicht mehr als ein weinerlicher kleiner Junge.
2. ach wirklich? Woher wissen Sie das?
mankannnurstaunen 24.09.2015
Zitat von feyvelJames Dean wurde schon immer überbewertet und war nicht mehr als ein weinerlicher kleiner Junge.
Haben Sie seinerzeit mit ihm im Sandkasten gespielt? Oder anders gefragt: Haben sie je einen einzigen seiner Filme gesehen? Er war in diesen jungen Jahren ein Meister der Improvisation. Er hat seine Rollen gelebt. Und das spürt man bei Zusehen. Das schaffen die meisten Schauspieler nicht. Eine Tragik, dass er nur drei Filme hinterlassen hat. Ein Glück, dass er drei große Filme hinterlassen hat.
3. Dass James Dean
Madagon 24.09.2015
schwul war wurde von zig Zeitzeugen und Kollegen bestätigt und, dass dies sein Leben in den extrem homophoben 50ern mitbestimmt hat ist auch unstrittig. Leider wird dieser wesentliche Aspekt seines Lebens natürlich 'mal wieder weg gelassen. Man will ja niemanden "abschrecken". Schade!
4.
christian simons 24.09.2015
Zitat von Madagonschwul war wurde von zig Zeitzeugen und Kollegen bestätigt und, dass dies sein Leben in den extrem homophoben 50ern mitbestimmt hat ist auch unstrittig. Leider wird dieser wesentliche Aspekt seines Lebens natürlich 'mal wieder weg gelassen. Man will ja niemanden "abschrecken". Schade!
Es gibt mindestens ebenso viele Zeitzeugen und Kollegen, die eine leidenschaftliche Beziehung mit Pier Angeli und eine unglückliche Liebe zu Liz Taylor bestätigt haben. Vielleicht sollte man sich da ja doch besser auf die Lesart "Nix Genaues weiß man" einigen, bevor man ihn für irgendeine Fakultät vereinnahmt.....
5. Was für ein Mann
UweKraus 24.09.2015
Es gibt die Geschichte über Dean, der vor Angst erstarrt war, das er bei den Dreharbeiten zu GIANTS gleich Liz Taylor zum ersten Mal begegnen würde. So stellte er sich an der Zaun, der die Zaungäste fern hielt und pinkelte vor deren Augen. Dean war überzeugt, wenn er dies fertig bringen würde, dann könnte er auch Liz Taylor gegenüber treten. Rock Hudson erzählte diese Episode mit einem fröhlichen Lächeln auf den Lippen. Ich hingegen, fand es eher verstörend, und machte den Charakter James Dean nur noch mysteriöser.
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