Trickfilm "Komm, wir finden einen Schatz" Mit Janosch in der Chillout-Zone

Oh, wie schön ist Pop-Art! In knalligen Farben erzählt der Animationsfilm "Komm, wir finden einen Schatz" von den Abenteuern des kleinen Bären und des kleinen Tigers. Kinder dürften sich an der versöhnlichen Janosch-Geschichte erfreuen, Eltern bleibt das Schwelgen im Retro-Look.

Von Andreas Banaski


Sie gehören fast wie Tiger und Bär zusammen: Der Kinderbuchautor und Illustrator Janosch, bürgerlich Horst Eckert, wurde mit Tiergeschichten zum Auflagenmillionär. Mit ihrer Papa Löwe Filmproduktion widmet sich die Regisseurin und Produzentin Irina Probost seit über einem Jahrzehnt im öffentlich-rechtlichen Fernsehen und im Kino seinem Werk.

Als erste TV-Serie aus ihrer Herstellung erschien im Jahr 2000 "Papa Löwe und seine glücklichen Kinder", das dem NDR-Maskottchen nachempfundene Walrossmädchen "Antje" folgte 2003, "Die Tigerentenbande" 2010. Die Janosch-Stars Tiger und Bär, die mit einer kleinen Tigerente aus Holz im Schlepptau nach dem Land ihrer Träume suchen, brachte Probost dann 2006 mit "Oh, wie schön ist Panama" ins Kino, sozusagen der Vorläufer zum neuen Film der Regisseurin, "Komm, wir finden einen Schatz", der lose auf dem gleichnamigen Janosch-Buch basiert.

Wieder sind Tiger und Bär auf Reisen, wenn auch mit deutlich mehr Pep als vor sechs Jahren. Zielgruppe bleiben aber Kinder hauptsächlich im Vorschulalter. Da die wohl kaum alleine ins Lichtspieltheater losziehen dürfen, müssen eben als Begleitung auch ältere Jahrgänge mit. Die brauchen sich trotz der schlichten Erzählung dennoch nicht zu langweilen, sondern können sich an der fast schon psychedelischen Umsetzung vergangener Unschuld erfreuen.

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"Komm, wir finden einen Schatz": Kunterbunte Kinderbuch-Verfilmung
Den Original-Janosch der systemkritischen Vorlage, die 1979 erschien, sollten sie allerdings nicht erwarten. Schon die Besetzung wurde ziemlich aufgerüstet. Hauptcharaktere sind immer noch der kleine Bär und der kleine Tiger. Während sie im Buch in schnöder Sehnsucht nach Reichtum aufs Geratewohl anfangen zu buddeln, bringt sie im Film erst eine Karte auf die Spur eines Schatzes.

Tiere zu Brüdern!

Auf der Suche nach ihrem großen Glück werden sie nun vom schüchternen Hasen Jochen Gummibär begleitet, der nicht nach materiellen, sondern ideellen Werten strebt: Der Einzelgänger möchte Freunde finden. Und stellt sich dabei so unbefangen und putzig an, dass er für Kleinkinder eigentlich die bessere Identifikationsfigur ist.

Damit die Expedition des Trios nicht gar zu dröge und spannungslos wird, konkurrieren als Gegenspieler der selbsternannte Meisterdetektiv Gokatz und der Hund Kurt der knurrt um den großen Fund. Das Wettrennen geht über Stock und Stein, durch Sumpf und Eiswüste bis zu einem Piratenschiff, und am Wegesrand warten neue Bekanntschaften auf die kleinen Abenteurer. Vom niedlichen Nashorn-Mädchen Rosa hätte man zum Beispiel gerne mehr gesehen, denn das Personal ist schon sehr jungenslastig.

Die ereignisreiche Hatz strapaziert dabei nicht mal das labilste Nervenkostüm. Vorsichtige Erziehungsberechtigte sehr schreckhafter Kinder können sich ja sicherheitshalber im Trailer angucken, ob sie ihren Schutzbefohlenen Harmlosigkeiten wie schnappende Krokodile in einem Tümpel oder fliegende Säbel und Kanonenkugeln auf dem Freibeuterkahn zumuten möchten. Auch vor den Schurken muss keiner Angst haben. Der verschlagene, arglistige Gokatz übervorteilt zwar den treuherzigen Freundesucher Jochen bei der Kontaktvermittlung, wird aber am Ende geläutert und resozialisiert.

Aus pädagogischer Sicht ist also an der inspirierenden Moral - alle Tiere, beziehungsweise Menschen sollten Brüder werden - nichts auszusetzen. Erzählt wird die Geschichte konsequent und kompetent auf kindlichem, nicht kindischem Niveau - mit popkulturellen Anspielungen und visuellen Kabinettstückchen, durch die sich vor allem amerikanische Animationsfilme bei Erwachsenen einschmeicheln, wird hier nicht geprotzt.

Ästhetisch ist das Ergebnis dennoch ein surreales Vergnügen, mit Orchestermusik stimmungsvoll untermalt. Auch wenn einigen Erwachsenen die Figurenzeichung schon zu goldig vorkommen mag: Tiger und Bär sehen stromlinienförmiger, weniger zerzaust und "hingekritzelt" als bei Janosch aus. Und statt zurückhaltenden Pastelltönen dominieren knallbunte Pop-Art-Farben. Moderne Kinder wird's freuen, die Älteren schwelgen im Retro-Chillout-Feeling.

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insgesamt 4 Beiträge
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Seite 1
Allegorius 24.05.2012
1. Akku sah tief
Richtig, einEN Schatz!!!
gangimirz 25.05.2012
2. Billig-Animationstechnik
"Moderne Kinder wird's freuen, die Älteren schwelgen im Retro-Chillout-Feeling." So ganz will sich das "Retro-Chillout-Feeling" angesichts der amorphen Formen nicht einstellen, die der verwendeten Billig-Animationstechnik geschuldet sind. ("… noch so einer dieser `blasig´ gezeichneten Filme, die sehen so billig aus …", so die 8-jährige Zuschauerin neben mir. "Das sind sie auch, mein Schatz, das sind sie auch …")
Charlie Whiting 25.05.2012
3. Aua
So ein superklebriges Geschwurbel mit primitivsten Kindchenschemata der Figuren hab ich mir auch als 6jähriger nicht angetan. Dagegen sind ja die Schlümpfe hochpolitische Satire.
spon-facebook-10000146732 08.11.2012
4.
Ich finde eine beide Versionen, alt und neu super. hier hab ich alle mal zusammengefunden: http://www.kinderkino.de/janosch
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