"Kinder von Hiroshima" Regisseur Kaneto Shindo ist tot

Er war einer der Ersten, die den Atombombenabwurf über Japan für die Leinwand aufgearbeitet haben: Mit "Kinder von Hiroshima" schrieb Kaneto Shindo Filmgeschichte. Jetzt ist der berühmte Regisseur und Drehbuchautor, der bis zuletzt noch immer schrieb und drehte, mit 100 Jahren verstorben.

Regisseur Kaneto Shindo (Archivbild): Altmeister des japanischen Kinos
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Regisseur Kaneto Shindo (Archivbild): Altmeister des japanischen Kinos


Tokio/Hamburg - Vom Antikriegs-Drama bis zum Horrorfilm: Der Regisseur Kaneto Shindo hat die ganze Bandbreite des japanischen Kinos geprägt. Am Dienstag ist der Filmemacher im Alter von 100 Jahren in seinem Haus in Tokio gestorben. Das gab sein Büro am Mittwoch bekannt. Der Altmeister des Tonfilms erlangte frühe Bekanntschaft mit dem Film "Kinder von Hiroshima".

Shindo zählte neben dem 103-jährigen Portugiesen Manoel de Oliveira zu den ältesten noch aktiven Filmregisseuren der Welt. Sein letzter Film, das Antikriegs-Drama "Ichimai no hagaki" ("Postcard"), war als diesjähriger japanischer Oscar-Kandidat für den besten Auslandsfilm nominiert.

Der Regisseur und Autor hat für rund 250 Filme Drehbücher verfasst, darunter das für Lasse Hallströms Drama "Hachiko - Eine wunderbare Freundschaft" mit Richard Gere in der Hauptrolle. 49 Filme hat Shindo selber inszeniert. Seine Karriere umfasst praktisch die gesamte Geschichte des japanischen Tonfilms.

Nach seinem Regiedebüt 1951 mit dem Film "Aisai Monogatari" sorgte er schon ein Jahr später für Aufsehen mit seinem Film "Kinder von Hiroshima" (Originaltitel: "Gembaku no ko"). Dabei handelt es sich um eine der ersten filmischen Aufarbeitungen des Abwurfs der Atombombe über Hiroshima. Dieses Thema sollte der am 22. April 1912 in Hiroshima geborene Regisseur später noch mehrmals aufgreifen.

Shindos berühmteste Filme entstanden in den sechziger Jahren. Dazu zählen das Drama "Die nackte Insel" ("Hadaka no shima"), mit dem er 1961 den Großen Preis beim Internationalen Filmfestival in Moskau gewann, sowie der Horrorfilm "Onibaba" ("Die Töterinnen"), eines seiner im Westen bekanntesten Werke. In diesen und anderen Leinwandgeschichten stehen oft starke Frauenfiguren im Zentrum der Handlung.

Mit "Ichimai no hagaki" ("Postcard") gewann der Altmeister des japanischen Films 2010 den Sonderpreis der Jury beim Internationalen Filmfestival in Tokio. Der Film eröffnete in diesem Jahr auch das japanische Filmfestival "Nippon Connection" in Frankfurt am Main.

bos/dpa



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