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"John Carter"-Regisseur Stanton: "Das ist ein gigantisches Projekt"

Vorbei sind die Zeiten der süßen Fische: Mit seinem Science-Fiction-Spektakel "John Carter" traut sich "Nemo"-Schöpfer Andrew Stanton an einen Film mit realen Darstellern. Im Interview spricht er über den menschlichen Faktor, Idioten am Filmset und ein Rekord-Budget von 250 Millionen Dollar.

Disney

SPIEGEL ONLINE: Herr Stanton, Ihr Film "John Carter" hat 250 Millionen Dollar gekostet - und Sie verzichten völlig auf Stars. Was sagte Ihr Studio Disney dazu?

Stanton: Ich hoffe, mit meinem Hauptdarsteller Taylor Kitsch einen jungen Star zu entdecken, bevor er so allgegenwärtig geworden ist, dass man ihn nicht mehr als jemand anderen als ihn selbst wahrnehmen kann - so wie es mit Harrison Ford in "Star Wars" gelungen ist, da kannte ihn ja auch noch niemand. Außerdem haben die Verantwortlichen bei Disney die Probeaufnahmen gesehen, sie hätten jederzeit einschreiten können.

SPIEGEL ONLINE: Hatten Sie Lust, mal wieder mit Menschen aus Fleisch und Blut zu arbeiten? Nach "Findet Nemo" und "Wall-E" ist dies Ihr erster Realfilm. Was war das für eine Erfahrung für einen Pixar-Veteranen?

Stanton: Ich habe ja auch bisher meine Tage nicht damit verbracht, mich mit Computern zu unterhalten. Meine gesamte Filmkarriere hindurch habe ich mit Menschen zusammengearbeitet, die ihr Metier - Kostüme, Beleuchtung, Kamera - hervorragend beherrschen. Sie benutzen bloß ein virtuelles Werkzeug.

SPIEGEL ONLINE: Was ist mit dem menschlichen Faktor? Zeichentrickfiguren lassen sich leicht lenken, lebendige Schauspieler können dagegen ziemlich schwierig werden.

Stanton: Wenn jemand eine komplexe Persönlichkeit hat, ist das für mich grundsätzlich eine positive Eigenschaft. Allerdings habe ich bei Pixar erfahren, dass man gute Filme mit ausschließlich angenehmen Leuten machen kann. Daher gilt bei mir die "No Asshole"-Regel: Arschlöcher haben bei mir keine Chance. Wenn ich das Gefühl habe, jemand ist schwierig, sage ich: "Danke, wir schauen uns lieber nach jemand anderem um."

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Disney-Spektakel "John Carter": Bürgerkrieg auf dem Mars
SPIEGEL ONLINE: Sie haben mit "John Carter" den teuersten Film des Jahres inszeniert. Das bedeutet ungeheuren Erfolgsdruck. Haben Sie sich mal an die Stirn gefasst und gefragt, welcher Teufel Sie dabei geritten hat?

Stanton: Natürlich! Dies ist ein gigantisches Projekt! Und ich weiß zu viel über die Filmindustrie. Mir war das Risiko bewusst: Ich habe mich bisher in diesem hermetisch abgeriegelten Nirvana namens Pixar bewegt - einem warmen Nest mit Unterstützung von allen Seiten. Nun sollte ich diese heile kleine Welt verlassen und im großen, dysfunktionalen Hollywood-Zirkus, wo die Dinge seit langem kaputt sind, etwas tun, was ich noch nie gemacht habe.

SPIEGEL ONLINE: Klingt irre. Warum haben Sie sich dafür entschieden?

Stanton: Bevor ich "Nemo" schrieb, hatte ich noch nie einen Film geschrieben. Bevor ich "Wall-E" inszenierte, hatte ich noch nie Regie geführt. Aber ich liebte diese Stoffe so sehr, dass ich mich mit Haut und Haar einsetzen wollte. So ging es mir auch mit "John Carter". Mit einem fünf Millionen teuren Indie-Film über zwei Leute beim Abendessen könnte ich außerdem grandioser scheitern als mit diesem.

SPIEGEL ONLINE: Ihr Pixar-Kollege Brad Bird hat mit "Mission Impossible IV" ebenfalls einen großen Realfilm gemacht - mit riesigem Erfolg. Sie selbst haben mit "Nemo" und "Wall-E" zwei Oscars gewonnen. Was macht Pixar zur Talenteschmiede?

Stanton: Als John Lasseter mich zu Pixar holte, war das ein winziger Laden, und wir improvisierten mehr oder weniger. So als stünde die Frage im Raum: Was wollt ihr mal machen, wenn ihr groß seid? Ich wollte immer schreiben, also fing ich an, das mit "Findet Nemo" zu tun - und ich merkte, dass ich gut darin war. Dann fiel mir ein Regiejob zu, weil ich eine Filmidee hatte und sie unbedingt verwirklichen wollte - das war "Wall-E". All das war nie eine Karriereentscheidung, es geschah einfach, weil sich die Chance bot und ich sie ergriff. So wie jetzt bei "John Carter".

SPIEGEL ONLINE: Sie haben diesen Film Steve Jobs gewidmet. Warum?

Stanton: Steve war der Hauptgrund dafür, dass Pixar funktionierte, und das ermöglichte mir ein ganzes Leben: Ich konnte eine Familie gründen und ein Haus kaufen, so wie alle anderen bei Pixar, dank Steve Jobs. Indirekt ist all dies seinem Einfluss entsprungen, es war also das Mindeste, das ich tun konnte - ihm zu danken.

Das Interview führte Nina Rehfeld

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insgesamt 14 Beiträge
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1. Toller Film
filmforist 10.03.2012
Sobald man über den Unsinn weggekommen ist, dass es ausgerechnet auf dem Mars Aliens geben soll und man einfach von einem anderen unbekannten Planeten ausgeht, ist der Film Klasse. Www.kritkertipp.de liegt mal wieder richtig. Man fragt sich, weshalb nicht noch mehr Werbung für den Film gemacht wurde. Auch die 3D Effekte funktionieren und man kann hoffen, dass irgendwann auch in Deutschland Fantasy-Filme unterstützt werden.
2. Meine Tochter
elwu 10.03.2012
und ich, wir fanden den Film sehr unterhaltsam. Einige wenige Längen hätte man vermeiden können, lieber 10 Minuten kürzer, aber dafür knackige. Dennoch: sehr empfehlenswert für Freunde leichter Unterhaltung in Sachen Fantasy-Action.
3.
etiennen 10.03.2012
Zitat von filmforistSobald man über den Unsinn weggekommen ist, dass es ausgerechnet auf dem Mars Aliens geben soll und man einfach von einem anderen unbekannten Planeten ausgeht, ist der Film Klasse. Www.kritkertipp.de liegt mal wieder richtig. Man fragt sich, weshalb nicht noch mehr Werbung für den Film gemacht wurde. Auch die 3D Effekte funktionieren und man kann hoffen, dass irgendwann auch in Deutschland Fantasy-Filme unterstützt werden.
Das Buch ist ja auch zu einer Zeit geschrieben worden, als man noch überhaupt nichts über den Mars wusste.
4. Heuschrecken
Apologet 10.03.2012
Als ich die seltsamen Heuschreckengestalten sah, musste ich zuerst an das Buch der Offenbarung Kapitel 9 denken. Heuschreckenartige Wesen mit Menschengesicht, Brustpanzern etc. Selber lesen. Zufall?
5.
May 10.03.2012
Ich habe den Film gesehen und muss sagen, ich bin enttäuscht. Ich wollte den Film mögen und er hatte eigentlich auch Potential, dennoch wollte der Funke nicht so recht überspringen. Die Story war sicherlich nicht außergewöhnlich. Die typische "Held wider Willen" Geschichte. Mann wird durch unglückliche Umstände auf den Mars verschlagen, gerät dort in einen Konflikt zwischen zwei Mächten bei denen "Gut und Böse" eindeutig verteilt sind, rettet gute Prinzessin, beendet den Konflikt, tötet bösen König und heiratet die hübsche Prinzessin als Belohnung. So weit, so durchschnittlich, aber deswegen nicht schlecht. Diese Art von Story ist für einen solchen Film eigentlich ideal. Zumal es hier noch etwas darüber hinaus geht, aber darauf möchte ich hier nicht zu sehr eingehen um nicht zu viel zu verraten. Es gibt jedenfalls noch eine weiter, mysteriöse Macht in dem Film, welche ihm deutlich mehr Tiefgang verleiht, wobei auch hier leichte Schwächen im Drehbuch zu finden sind, denn sie scheinen ihre Macht nicht immer perfekt einzusetzen. Trotzdem, an der Story lag es sicherlich nicht, dass der Film nicht in Erinnerung bleiben wird. Woran lag es dann? Zunächst einmal ist da der etwas dröge Anfang. Die ersten 30-45 Minuten auf dem Mars hätte man gut und gerne auf 10 Minuten eindampfen können. Dann war da das Design. Die Steampunk Elemente haben mir sehr gut gefallen und waren auch in sich Stimmig. Das passt gut zu einer Geschichte die vor 100 Jahren geschrieben wurde. Allerdings wurde das mit einer Art idealisierter griechischer Antike gemischt, was wiederum gar nicht so recht passen wollte. Lieber hätte man sich hier bei 1001 Nacht inspirieren lassen sollen, das passt besser in die Wüstenlandschaft des Mars, oder aber man geht konsequent den Steampunkweg zu Ende und nimmt die Viktorianische Ära als stilistisches Vorbild. Das Hauptproblem war aber wohl, dass die Action-Elemente irgendwie nicht recht überzeugten. Die Ursache hierfür war wohl, dass man sich trotz der tollen Technik nicht wirklich involviert gefühlt hat, weil im Grunde nichts auf dem Spiel stand. Zu keiner Zeit musste man sich Sorgen um den Helden machen. John Carter ist eine Art Superman, seine Vorteile aufgrund der niedrigeren Gravitation auf dem Mars wurden eindeutig übertrieben. Kilometerweite Sprünge sind schlicht zu viel und wenn er im Alleingang eine ganze Alien-Armee niedermetzelt, dann ist jegliches Mitfiebern verflogen. Auch einem Fantasyfilm würde etwas mehr Realismus hier guttun, ansonsten kommt keine Beziehung zwischen Publikum und Held zustande. Zu guter Letzt würde ich dann auch noch sagen, dass der Regisseur keine Glanztaten vollbracht hat. Seine Arbeit war nicht schlecht, aber eben auch nicht besonders, nicht gut genug um einen in die Bilder hineinzuziehen, nicht gut genug um den Mars perfekt in Szene zu setzen. Einen Animationsfilm verantwortet zu haben ist dann vielleicht doch nicht genug um einen Blockbuster drehen zu können. Was hätten wohl ein David Fincher oder Quentin Tarantino aus diesem Stoff gemacht? Oder aber Andrew Stanton hätte sich eine Scheibe bei Jon Favreau abschneiden können, der in Cowboys & Aliens eine entfernt verwandte Geschichte erzählt hat und dabei stilistisch eindeutig bessere Arbeit abgeliefert hat. Trotz all der Kritik war der Film aber sicherlich keine Katastrophe. Wer auf Sci-Fi und Fantasy steht wird hier sicher nicht seine Lebenszeit vergeuden. Ich hatte mir eben nur mehr erhofft als 08/15 Popcorn Kino...
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Zur Person
  • AP
    Andrew Stanton, geboren 1965 in Boston, kam 1995 als Drehbuchautor für "Toy Story" zur Animationsfilmschmiede Pixar. Bei "Das große Krabbeln" führte er 1998 noch gemeinsam mit John Lasseter Regie. 2003 inszenierte er "Findet Nemo" allein - der Film erhielt einen Oscar - ebenso wie 2009 "Wall-E", seine zweite eigenständige Regiearbeit für Pixar. Mit "John Carter" wagte sich Stanton nun an seinen erste Realfilm-Inszenierung.
John Carter - Zwischen zwei Welten

USA, Großbritannien 2012

Regie: Andrew Stanton

Drehbuch: Andrew Stanton, Mark Andrews, Michael Chabon

Darsteller: Taylor Kitsch, Bryan Cranston, Mark Strong, Willem Dafoe, Dominic West, Lynn Collins

Produktion: Lindsey Collins, Jim Morris, Colin Wilson

Verleih: Walt Disney Studios

Länge: 139 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Start: 08. März 2012



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