Kameramann für Kubrick, Hitchcock, Polanski Gilbert Taylor gestorben

Beim ersten "Star Wars"-Film führte er die Kamera, er fand legendäre Bilder für die Beatles und setzte mit "Das Omen" auch im Horrorgenre Maßstäbe: Der große britische Kameramann Gilbert Taylor ist tot. Er wurde 99 Jahre alt.

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Die Arbeit eines Kameramanns ist oft beschwerlich, doch den Ruhm heimst der Regisseur ein, dabei ist der Einfluss des Kameramanns häufig immens. Gilbert Taylor sagte einmal in einem Interview, Regisseur George Lucas habe ihn bei der Arbeit an "Star Wars" nach Möglichkeit gemieden. "Also las ich das extralange Drehbuch wieder und wieder", sagte der Kameramann Taylor, "und traf meine eigene Entscheidungen, wie ich die Szenen filmen würde."

Zwar war Gilbert Taylor an den folgenden Filme der "Star Wars"-Saga nicht mehr beteiligt, aber mit seinen klaren, hellen Bildern hatte er im ersten Film von 1977 den Grundstein für sie gelegt. "Ich wollte dem Film einen einzigartigen visuellen Stil geben, der ihn unterschied von anderen Filmen aus dem Science-Fiction-Genre", sagte Taylor: "Ich wollte Klarheit in 'Star Wars', denn ich glaube nicht daran, dass der Weltraum unscharf ist."

Gilbert Taylor, der 1914 in Bushey Heath in der englischen Grafschaft Hertfordshire zur Welt kam, tat seine ersten Schritte im Filmgeschäft ab 1929 als Kameraassistent in Londoner Studios. 1939 trat er der britischen Luftwaffe bei, wo es eine seiner Aufgaben war, auf Churchills ausdrücklichen Wunsch Filmaufnahmen von den nächtlichen Bombenangriffen auf Deutschland zu machen.

Die Kriegserfahrungen waren Taylor in friedlicheren Zeiten nützlich. Eine seiner eindrucksvollsten Arbeiten gelang ihm für Regisseur Stanley Kubrick und dessen Film "Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben" von 1963, in welchem er die von Ken Adam entworfene Kommandozentrale ebenso filmte wie die Kampfszenen, für die er und Kubrick Tarnanzüge anzogen und mit Arriflex-Kameras "wie Front-Kameraleute" drehten.

Polanski statt Bond

Die Zwillingsbrüder John und Roy Boulting waren die ersten, die Taylor nach dem Krieg Verantwortung als Kameramann übertrugen. Mit dem amerikanischen Regisseur Richard Lester arbeitete er in den Sechzigern an zwei Musikfilmen, zunächst über die Dixieland-Szene ("It's Trad, Dad") und dann mit den Beatles, deren "A Hard Day's Night" er eine Dokumentarfilmoptik verlieh.

Um mit Roman Polanski zu arbeiten, den er seiner Frau zufolge für "einen sehr interessanten Kerl" hielt, lehnte Taylor den Auftrag für einen James-Bond-Film ab. Er filmte für Polanski in den Sechzigern "Repulsion" ("Ekel", mit Catherine Deneuve) und "Cul-de-Sac" ("Wenn Katelbach kommt..."); in Alfred Hitchcocks "Frenzy" (1972) erzeugte er besondere Effekte mit den Seidenstrümpfen seiner Frau als Kamerafilter.

Neben "Star Wars" fand Gil Taylor noch Bilder für weitere Genreklassiker wie "Flash Gordon" (1980), "Dracula" (1979) und "Das Omen" (1976). 1994 zog sich Taylor aus dem Filmgeschäft zurück, filmte aber noch lange weiter für Werbespots.

Am Freitag ist Gilbert Taylor in seinem Haus auf der Isle of Wight gestorben, wie seine Frau Dee der BBC bestätigte. Der mit zwei Bafta-Awards ausgezeichnete Kameramann wurde 99 Jahre alt.

feb/AP

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Pat-Riot 28.08.2013
1. Polanski, Shakespeare und in Farbe
Bei Polanskis "Macbeth" stand Taylor ebenfalls hinter der Kamera.
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