Karl-Ernst Sasse DDR-Filmkomponist gestorben

Millionen kennen seine Musik - nicht nur in Ostdeutschland: Karl-Ernst Sasse komponierte die Filmmusik für zahlreiche DDR-Filme. Jetzt ist er im Alter von 83 Jahren gestorben.


Berlin/Babelsberg – Nicht weniger als 500 Stücke hat der Komponist Karl-Ernst Sasse Zeit seines Lebens für Defa-Filme geschrieben – unter anderem für die erfolgreichen DDR-Indianerfilme mit Goijko Mitic. Am Sonntag ist er im Alter von 83 Jahren in Potsdam-Babelsberg an Krebs gestorben, teilte eine Freundin der Familie mit.

Auch die musikalische Begleitung zu dem sechsteiligen Fernsehfilm "Sachsens Glanz und Preußens Gloria" stammt aus seiner Feder. Der Historienfilm vom sächsischen Hof des 17. und 18. Jahrhunderts lief im DDR-Fernsehen.

Sasses Leben stand ganz im Zeichen der Musik: Als Sohn einer Musikerfamilie kam er am 5. Dezember 1923 in Bremen zur Welt. Schon als Zehnjähriger komponierte er und studierte später am Konservatorium im thüringischen Sondershausen.

1959 wurde er Chefdirigent des Defa-Synfonieorchesters, fünf Jahre später folgte er einem Ruf an die Philharmonie in Halle. Dort hielt er es aber nur drei Jahre lang aus: "Schuld war der Rat des Bezirkes, der ständig versuchte, mir künstlerisch und politisch hineinzureden" erklärte Sasse. Nach dieser Erfahrung arbeitete er lieber freiberuflich, komponierte Kammermusiken, Chorstücke und Chansons.

Die erste Filmmusik schrieb er für den Fernsehfilm "Der Taxifahrer" – dieser Film wurde aber von der DDR-Regierung verboten und gar nicht erst aufgeführt. Sein Debüt als Filmkomponist folgte drei Jahre später mit seiner Musik für "Alaskafüchse".

Dennoch hat Sasse gute Erinnerungen an die Zeit in den DDR-Filmstudios: "Die spannendste Zeit habe ich bei der Defa erlebt, vor allem vor 1961, als auch noch die Kollegen aus dem Westen bei uns arbeiteten." Dort schätzte er besonders die finanziellen Freiräume: "Wenn ich sagte, ich brauche großes Orchester und großen Chor, bekam ich sie."

Nach der Wende komponierte er für den rekonstruierten Stummfilm "Der letzte Mann" von Friedrich Wilhelm Murnau und für Rosa von Praunheims Film "Der Einstein des Sex" über den Sexualwissenschaftler Magnus Hirschfeld.

amg/dpa



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