Karoline Herfurth Ein Glückskind stiehlt der Ferres die Schau

Die Kritiker sind hingerissen von ihr. Heute Abend spielt Karoline Herfurth im "Wunder von Berlin". Anschließend muss sie den deutschen Film retten, schreibt Peer Schader in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".


Manche Rollen kann man sich nicht aussuchen. Manche Rollen spielt man einfach, weil alle sagen, dass es so ist. Karoline Herfurth spielt gerade den Nachwuchsstar des deutschen Films, die nächste große Leinwandhoffnung, von der alle glauben, dass sie es mal nach ganz oben schaffen wird. Mit fünfzehn Jahren stand sie mit Robert Stadlober im Teenager-Drama "Crazy" vor der Kamera, quasi vom Schulhof weggecastet, vor zwei Jahren sagte sie als Mirabellenmädchen in Tom Tykwers "Parfum" kein Wort, wurde damit aber schlagartig berühmt und darf nun fürs ZDF im DDR-Familiendrama "Das Wunder von Berlin" Veronica Ferres die Show stehlen.

Ständig wollen sich Journalisten mit ihr treffen, um in die Zeitung zu schreiben, wie unschuldig und zerbrechlich sie wirke, so schön blass und sommersprossig, aber auch hochdiszipliniert und fleißig. Sie kichert, wenn man das alles auflistet, und dann sagt sie: Ein Teil davon werde schon stimmen. Aber: "Ich bin Schauspielerin und nicht Star." Na, ob sie sich da mal nicht irrt?

Die Aufmerksamkeit, die der 23-Jährigen gerade entgegenflutet, ist jedenfalls beachtlich. Die "Welt" gerät ins Schwärmen, "Park Avenue" ist ganz hingerissen, und in der "Bunten" ist Herfurth auch schon angekommen, als "zierliche Schönheit", die "alles richtig" mache. Noch nerve das nicht, sagt Herfurth und zuckt mit den Schultern. "Ich werde nur gerade dauernd von Journalisten gefragt, ob ich nach Hollywood will. Das ist komisch. Ich hab’ noch gar nicht richtig drüber nachgedacht." Vielleicht muss jetzt mal einer aufschreiben, dass Herfurth bitte schön nicht nach Hollywood gehen soll, sondern erst mal noch ein Weilchen hierbleiben. Man kann ja nicht einfach jemanden gehen lassen, der uns den deutschen Film retten soll, mindestens.

Im vergangenen Jahr war Karoline Herfurth in Marc Rothemunds Komödie "Pornorama" zu sehen, die kein so ganz großer Erfolg gewesen sein kann, sonst würde einen die weibliche Aushilfskraft in der Videothek nicht so abschätzig ansehen, wenn man nach dem Titel fragt. Dieses Jahr spielt sie in Caroline Links "Im Winter ein Jahr" eine junge Frau, deren Bruder Selbstmord begeht, woran die Familie zerbricht. Am Set hat sie ständig weinen müssen, aber natürlich, weil das so im Drehbuch stand. "Wenn man sich jeden Tag in so eine Stimmung hineinversetzt, nimmt einen das aber auch persönlich mit", sagt sie.

Gerade dreht Herfurth die letzten Szenen für die Verfilmung des Bernhard-Schlink-Romans "Der Vorleser" an der Seite von Ralph Fiennes, das ist ja schon Hollywood. Und heute Abend ist sie eben im "Wunder von Berlin" zu sehen, als Freundin eines rebellierenden DDR-Teenagers, der in der Armee zum staatstreuen Soldaten wird, und dabei spielt sie das Waisenmädchen mit der geheimnisvollen Vergangenheit so glaubwürdig und sympathisch, dass man am liebsten mit ihr über die Mauer springen würde, als die am Ende des Films zum Einsturz gebracht wird.

Der erste Dreh war wie bezahlte Ferien

Karoline Herfurth ist im Berliner Bezirk Pankow geboren, aber 1989 war sie erst fünf und hat von den Umwälzungen in ihrer Stadt nicht viel mitbekommen. Sie ist in Prenzlauer Berg aufgewachsen, als es dort noch keine teuer zurechtsanierten Appartements für Agenturyuppies gab, hat sechs Geschwister, von denen sie den jüngeren bei den Hausaufgaben hilft, wenn Zeit ist. Die Eltern sind geschieden, und Herfurth ist ziemlich oft umgezogen, lebt aber immer noch in Berlin – es ist nur besser, man schreibt nicht auf, wo gerade, demnächst will sie sich ja sowieso schon wieder eine neue Wohnung suchen.



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.