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19. Dezember 2012, 12:59 Uhr

Filmprojekt in Katar

Eine Milliarde Dollar für Mohammed

Da kann selbst der "Hobbit" kaum mithalten. Das Emirat Katar plant ein gewaltiges Filmprojekt über das Leben des islamischen Propheten Mohammed. Das Budget für das siebenteilige Epos soll bei einer Milliarde Dollar liegen. Das Problem: Die Hauptfigur darf in dem Monumentalwerk nicht gezeigt werden.

Doha/Hamburg - Für den islamischen Propheten Mohammed ist dem Golfstaat Katar kein Preis zu hoch: Die Mediengruppe Alnoor plant ein gigantisches Filmprojekt über das Leben des Religionsgründers. Das Budget für die siebenteilige Serie soll bei einer Milliarde Dollar liegen, teilte Alnoor-Chef Ahmed al-Hashemi in Doha mit.

Das Monumentalwerk soll in englischer Sprache gedreht und in mehrere westliche Sprachen übersetzt werden. Ziel des Projekts: "Der Film soll das falsche Bild korrigieren, das westliche Gesellschaften vom Islam haben." Ein "Team von Experten" habe die Arbeiten am Drehbuch bereits abgeschlossen, teilte die Produktionsfirma mit.

Bereits 2009 hatte Alnoor Pläne für eine Filmserie über Mohammed bekanntgegeben. Damals hieß es, dass Hollywood-Produzent Barrie Osborne die Reihe produzieren soll. Osborne hat unter anderem die Produktion der "Herr-der-Ringe"-Trilogie geleitet. Seither ist das geplante Budget für das Mohammed-Epos immer weiter gewachsen. Zunächst war von 1,5 Millionen Dollar für drei Teile die Rede, später stockte Alnoor auf 200 Millionen Dollar auf.

Der "Hobbit" war auch nicht günstiger

Nun also eine Milliarde Dollar für ein Filmprojekt, in dem die Hauptperson überhaupt nicht zu sehen sein wird. Denn die islamische Tradition verbietet die bildliche Darstellung des Propheten. Dafür, dass auch sonst alle religiösen Vorschriften beachtet werden, soll Jussuf al-Karadawi sorgen. Der 86-Jährige, der eine eigene Sendung bei Katars Nachrichtensender al-Dschasira hat und zu den prominentesten islamischen Gelehrten gehört, soll dem Filmteam als Berater zur Seite stehen. Er habe sich mit 30 weiteren Theologen beraten und sei zu dem Schluss gelangt, dass der Islam dem Projekt nicht entgegenstehe, teilte Karadawi mit.

Die Prophetenbiografie solle sich mit Hollywood-Produktionen messen lassen, erklärte Alnoor. Und zumindest das Budget muss sich hinter Blockbustern aus den USA nicht verstecken. Auch der Etat für alle drei Teile der gerade angelaufenen "Hobbit"-Trilogie wird auf insgesamt knapp eine Milliarde Dollar geschätzt.

Dabei sind die Katarer nicht die ersten, die das Leben Mohammeds verfilmen. 1976 drehte der syrische Regisseur Mustafa Akkad den Film "Mohammed - Der Gesandte Gottes" über den Propheten. Auch darin wurden die Hauptfigur sowie die ersten Kalifen nicht bildlich dargestellt. Anthony Quinn spielte als Hauptdarsteller den Onkel und Ziehvater Mohammeds. Der SPIEGEL bezeichnete den Film damals abschätzig als "Kreuzung aus arabischen Absichten und Hollywoods Religionsschinken-Routine". Immerhin wurde er für den Oscar für die beste Filmmusik nominiert.

Künstlerisch noch weitaus weniger wertvoll ist der Film "Die Unschuld der Muslime", von dem Ausschnitte seit August im Internet kursierten. Das Video, in dem Mohammed als ebenso einfältiger wie blutrünstiger Lüstling dargestellt wurde, sorgte in der islamischen Welt für Aufruhr. Bei Ausschreitungen und Protesten gegen den Film wurden weltweit Dutzende Menschen getötet.

syd

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