"Keine halben Sachen" Waffen und Wurzelbehandlung

Das organisierte Verbrechen hat auf der Leinwand zurzeit wieder Hochkonjunktur. In der Killerkomödie "Keine halben Sachen" darf nun auch Amerikas liebster Prügelknabe Bruce Willis Martinis schlürfen und Waffen putzen.

Von Rainer Fellmann


Schicke Mütze: Bruce Willis als Jimmy "Die Tulpe" Tudesky
TWENTIETH CENTURY FOX

Schicke Mütze: Bruce Willis als Jimmy "Die Tulpe" Tudesky

In der alle gängigen Klischees verbratenden Killerkomödie rückt der Actionheld erneut seinen spartanischen Machismo gekonnt ins Bild - nur noch reduzierter und noch gelangweilter als sonst. Die eigentliche Arbeit lässt er Sitcom-Star Matthew Perry ("Friends") machen. Mit überhöhtem Nervositätsfaktor hetzt dieser die meiste Zeit des Films atemlos durchs Bild, und zwar als trotteliger Zahnarzt Oz Oseransky, dessen Ehefrau Sophie (toll als feiste Sexschlampe: Rosanna Arquette) ihm die Hölle auf Erden bereitet.

Noch schlimmer wird es, als Auftragskiller Willis alias Jimmy "Die Tulpe" Tudesky ins Nachbarhaus einzieht. Denn die Mafia will ihren ehemaligen Mitarbeiter umbringen, Jimmy wiederum will seine Frau Cynthia abmurksen und Sophie hat einen Killer auf ihren schusseligen Gatten angesetzt. Damit nicht genug, verliebt der sich mitten im Kugelhagel auch noch in Jimmys attraktive Todeskandidatin (Natasha "Species" Henstridge).

Attraktive Todeskandidatin: Natasha Henstridge als Cynthia
TWENTIETH CENTURY FOX

Attraktive Todeskandidatin: Natasha Henstridge als Cynthia

Das alles klingt ziemlich konfus. Ist es auch. Doch Komödienfachmann Jonathan Lynn ("Ein ehrenwerter Gentleman") behält im allgemeinen Chaos den Überblick. Und so nimmt der Handlungsverlauf immer wieder neue, absurde Wendungen, bis man dem Charme des überdrehten Killer-Klamauks entweder völlig erliegt oder - das als Warnung an alle Slapstick-Hasser - vorzeitig entnervt das Kino verlässt.

Der Schießwütigkeit, die "Keine halben Sachen" provozierend beiläufig zelebriert, setzt Regisseur Lynn skurrile, bisweilen kitschig-romantische Verwicklungen entgegen. Am Ende heißt es nicht: wer tötet wen, sondern: wer kriegt wen. Doch bis es so weit ist, schlürft Willis genüsslich Martinis, reinigt Waffen und verwirrt Frauen. Sollen doch die Anderen die Arbeit machen.

"Keine halben Sachen" (The Whole Nine Yards), Regie: Jonathan Lynn, Darsteller: Bruce Willis, Matthew Perry, 103 Minuten, USA 2000, 20th Century Fox.



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