"Alles Geld der Welt" Ridley Scott schneidet Kevin Spacey aus seinem neuen Film 

Der amerikanische Kinostart ist am 22. Dezember, also in sechs Wochen. Aber das hält Ridley Scott nicht davon ab, Kevin Spacey aus seinem neuen Film zu entfernen. Christopher Plummer ersetzt ihn.

Kevin Spacey
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Dies ist ein wohl einmaliger Vorgang in der Kinogeschichte: Nur sechs Wochen vor dem geplanten US-Kinostart am 22. Dezember gibt der Regisseur Ridley Scott bekannt, dass er Kevin Spacey aus seinem neuen Film "Alles Geld der Welt" entfernen wird. Alle Szenen mit ihm werden neu gedreht, der Film anschließend neu geschnitten.

Spacey wird durch Christopher Plummer ersetzt, berichten übereinstimmend die Branchenblätter Variety und Hollywood Reporter. Das produzierende Sony-Studio soll die Entscheidung unterstützen, wie auch die gesamte Crew. Die Nachdrehs sollen sofort beginnen, auch die anderen Hauptdarsteller Mark Wahlberg und Michelle Williams müssen dafür erneut antreten.

Spacey spielte in dem Film den Ölmilliardär J. Paul Getty. "Alles Geld der Welt" dreht sich um die Entführung von John Paul Getty III., einem seiner 14 Enkel. Getty hatte sich fünf Monate lang geweigert, das geforderte Lösegeld zu bezahlen.

Im offiziellen Trailer zum Film ist Kevin Spacey noch in der Rolle zu sehen. Es wäre eine weitere Paraderolle für den Schauspieler geworden, der bekannt ist für seine Porträts von Killern, Bösewichtern und Misanthropen ("Glengarry Glen Ross", "Sieben", "American Beauty"):

Neben "Alles Geld der Welt" hat Spacey noch zwei weitere Filme abgedreht. Im Biopic "Gore" spielt er die Hauptrolle des Gore Vidal, in "Billionaire Boys Club" eine Nebenrolle. Noch ist nicht bekannt, was mit diesen Projekten geschieht.

Spacey wird von immer mehr Männern vorgeworfen, sie sexuell belästigt zu haben. Zuletzt berichtete die ehemalige TV-Moderatorin Heather Unruh, er habe ihrem Sohn in die Hose gegriffen. Der Streaming-Dienst Netflix hatte kürzlich bekannt gegeben, sich von ihm zu trennen und ihn von weiteren Produktionen der Serie "House of Cards" auszuschließen.

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insgesamt 51 Beiträge
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melusine79 09.11.2017
1.
Von dieser für mich etwas zweifelhaften Neigung zum Hypermoralisieren einmal abgesehen - Christopher Plummer wird bald 88, während der mir als Schauspieler nicht bekannte Herr Spacey laut Wikipedia Jahrgang 1959 ist. Wie können beide Schauspieler eine geeignete Besetzung für die gleiche Rolle sein? Das wäre doch sogar noch schlimmer als bei den Harry-Potter-Filmen, in denen der im letzten Film ca. 60-jährige Alan Rickman den laut Buch im 7. Band 38-jährigen Severus Snape gespielt hat. Naja, was soll's, wenn Plummer mitspielt, gucke ich mir den Film vielleicht sogar an.
haresu 09.11.2017
2. Spacey ist jetzt Kassengift
Scott und das Studio wollen ihren Film retten, das ist ihr gutes Recht aber Moral spielt dabei keine Rolle. Es ist auch nicht so, dass Spaceys Übergriffe jahrelang unbemerkt geblieben wären, die jetzige Aufregung ist ziemlich fragwürdig.
max-mustermann 09.11.2017
3.
Ich will wirklich kein mögliches Vergehen Spaceys entschuldigen aber langsam wird es wirklich lächerlich. Was kommt als nächstes ? Dürfen in Zukunft Filme oder Musik an denen in irgend einer weise Menschen, die sich etwas zu schulden haben kommen lassen, mitgewirkt haben nicht mehr gezeigt/gespielt werden ?
stevens-82 09.11.2017
4. Hin und Her gerissen
Ich muss sagen, ich bin Hin und Her gerissen bei dem Thema, gerade auch im Fall Kevin Spacey, vielleicht auch weil ich ihn als Schauspieler wirklich toll finde. Wie ich es sehe gibt es jede Menge Anschuldigungen gegen ihn, manche Jahrzehnte alt, mehr aber auch nicht. Gerade was den Vorwurf der sex. Belästigung angeht, ist der reine Vorwurf praktisch schon das Urteil um so mehr wenn der Betroffene in der Öffentlichkeit steht. Was an den Vorwürfen gegen Spacey dran ist, wissen wohl nur er und diejenigen, die diese Vorwürfe erheben. Selbst wenn sich herausstellen sollte das Spacey unschuldig ist, seine Karriere als Schauspieler dürfte beendet sein. Mit Rechtsstaat und Unschuldsvermutung hat das jedenfalls nichts zu tun.
kabukiman 09.11.2017
5. Unnglaublich...
Wann ist eigentlich aus dem Grundsatz "Unschuldig bis zum Beweis der Schuld" ein "Steinigt sie beim ersten, unbewiesenen Vorwurf" geworden? Man muß sich mal vor Augen halten - bis jetzt geht es nur um Vorwürfe (was nicht bedeuten soll, daß diese haltlos sein müssen), aber vielleicht sollte man hier mit etwas mehr Sensibilität vorgehen - gerade im Zuge der Weinstein-Affäre versucht natürlich jetzt jeder, aus der aktuellen Stimmung Kapital zu schlagen, sehr oft, so denke ich, auch mit erfundenen Vorwürfen. Einen begangenen Mißbrauch kann nichts ungeschehen machen, das Gleiche gilt allerdings auch für die Zerstörung von Karriere und Ruf von zu Unrecht Beschuldigten. Ich denke, z.B. Jörg Kachelmann und Andreas Türck können davon ein Liedchen singen...
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