Kieran, Macaulay & Co. Kit Culkins Clan der Kinokinder

Als jugendlicher Querulant in "Igby Goes Down" beweist der 20-jährige Kieran Culkin, dass er zu Hollywoods talentiertesten Jungstars gehört. Kein Wunder, schon von Kindesbeinen wurde er von seinem despotischen Vater gnadenlos auf Erfolg getrimmt - genau wie sein Bruder Macaulay alias "Kevin - allein zu Haus".

Von Rüdiger Sturm


Jungstar Kieran Culkin: "Keine Hollywood-Spektakel"
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Jungstar Kieran Culkin: "Keine Hollywood-Spektakel"

Als Kieran Culkin sieben Jahre alt war, entdeckte er die Hölle auf Erden. Oder zumindest das, was er dafür hielt. Nicht genug damit, dass er für die Schule büffeln musste, er war auch gezwungen, parallel dazu Filme zu drehen, zu denen er keine Lust hatte: "Es war die reinste Folter", sagt der erfolgreiche Nachwuchsschauspieler heute.

Doch der Junge hatte keine andere Wahl. Denn sein Vater Kit hatte eine Vision: Der frühere Kinderschauspieler träumte davon, einen Clan von Stars zu gründen. Und dafür war er bereit, vieles zu opfern. Vor allem die Interessen seiner sieben Kinder. Der älteste Sohn, Shane, musste als erster dran glauben. Doch trotz des väterlichen Drucks schaffte er nur ein paar Bühnenauftritte. Mit Sohn Nummer 2 hingegen holte sich Kit Culkin den Jackpot: Sechs Jahre lang hetzte er den kleinen Macaulay durch kleine Filmrollen in Filmen wie Adrian Lynes "Jacob's Ladder", bis aus dem blonden Burschen "Kevin - allein zu Haus" wurde. Der Blockbuster machte Macaulay mit Gagen von bis zu acht Millionen Dollar pro Film zum höchstbezahlten Knirps von Hollywood, und seinen Vater endgültig zu "einem rasenden Arschloch" (Kieran Culkin).

Kieran Culkin mit Filmpartnerin Sharon Stone (1998 in Cannes): "Zum ersten Mal wie ein Schauspieler behandelt"
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Kieran Culkin mit Filmpartnerin Sharon Stone (1998 in Cannes): "Zum ersten Mal wie ein Schauspieler behandelt"

Das kleine Geldkalb, hatte allerdings nichts zu entscheiden: "Häufig lehnte ich Filme ab, aber ehe ich mich versah, fingen schon die Dreharbeiten an", erinnert sich Macaulay heute mit Schaudern. Kit Culkin schreckte bei der Disziplinierung seines erfolgreichen Sohnes weder vor Schlägen, noch vor Psychoterror zurück. "Er konnte dich richtig klein machen", meint Kieran. Mit diesen Mitteln trieb er auch andere seiner Kinder in die Karrierelaufbahn. Kieran Culkin musste einen von Kevins Brüder spielen und war mit seinem Bruder Christian in der Familienkomödie "It Runs In The Family" (1994) zu sehen. Für Macaulays Thrillerdebüt in "Das zweite Gesicht" ("The Good Son", 1993) wurde auch seine Schwester Quinn mit gebucht. Die Produktionsfirmen hatten keine andere Wahl, wenn sie eine Chance auf das Superkid haben wollten. Und der Vater war geschmeichelt, wenn ihn Karikaturen in den Medien als großen Puppenspieler zeigten.

Jetzt scheint sich Kit Culkins Traum endgültig erfüllt zu haben. Der 20-jährige Kieran erntete für seine Titelrolle in der Tragikomödie "Igby Goes Down" viel Kritikerlob. Sein jüngster Sohn, Rory, der ebenfalls kurz in "Igby" zu sehen ist, gilt ebenfalls als einer der gefragtesten Kinderdarsteller der Industrie und spielte in Blockbustern wie "Signs" mit. Sogar Macaulay, mittlerweile 22, kehrte nach einer Selbstfindungspause ins Kino zurück. Das schrille Sittenbild "Party Monster" lief beim diesjährigen Sundance Festival und auf der Berlinale.

Emanzipierter Kevin: Macaulay Culkin will fortan Kunst machen
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Emanzipierter Kevin: Macaulay Culkin will fortan Kunst machen

Trotzdem ist Kit Culkin der große Verlierer. Moralisch und finanziell. Der Anfang vom Ende kam 1995. Der ausgebrannte Macaulay war der Filmerei müde geworden, seine Mutter Patricia hatte genug vom harten Regime ihres Mannes. Einen schlagzeilenträchtigen Scheidungskrieg nutzte sie für die große Abrechnung: In ihrer Darstellung war Kit Culkin war ein notorischer Schläger und Säufer. Zwangsläufig beanspruchte sie auch das Sorgerecht. Ihr Mann leistete erst Widerstand, dann zog er plötzlich seine eigene Klage zurück und verschwand aus dem Leben seiner Kinder.

Die Söhne, die er in die Maschinerie von Hollywood zwang, haben kaum noch Kontakt zu ihm. Kieran Culkin sah seinen Vater zuletzt vor fünf Jahren. Auch die neuesten Karriereentscheidungen seiner Sprösslinge dürften ihn wenig begeistern: "Ich will nicht dem Ruhm hinterherjagen, sondern Kunst machen", beteuert Macaulay. Auch Kierans Präferenzen liegen eher im Unkonventionellen: "Ich kann mir nicht vorstellen, in einem dieser Hollywood-Spektakel mitzuspielen", sagt er mit Nachdruck.

Die letztgültige Entscheidung für ein Leben vor der Kamera traf er denn auch ohne Zutun des Vaters. 14-jährig drehte er mit Sharon Stone das Drama "The Mighty", in dem er ein Kindergenie mit einer seltenen Erbkrankheit spielte: "Hier wurde ich zum ersten Mal wie ein richtiger Schauspieler behandelt." Spätestens zu diesem Zeitpunkt sprach sich in der Branche herum, dass Kieran womöglich der Begabteste aus dem Culkin-Clan sei. Ausschlag gebend für diesen Durchbruch war wohl auch die durch die Trennung vom Vater-Despoten neu gefundene Freiheit: "Endlich konnte ich mir meine Filme selbst aussuchen. Aber ich konnte auch mit der Schauspielerei aufhören, wenn ich wollte." Das Karrieredikat sieht er heute zwiespältig: "Vielleicht habe ich dadurch etwas von meiner Kindheit verpasst. Aber wäre das, was ich verpasst habe, wirklich so toll gewesen?" Ähnlich hält sich Macaulay mit Schuldzuweisungen zurück: "Ich musste zwar viel opfern, aber das hatte auch angenehme Konsequenzen." Sehr angenehme sogar. Mit 18 Jahren erlangte der Ex-Kevin Kontrolle über ein Vermögen von 17 Millionen Dollar.

Kieran Culkin in "Igby" (mit Claire Danes): Moderner Fänger im Roggen
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Kieran Culkin in "Igby" (mit Claire Danes): Moderner Fänger im Roggen

Das Problem-Stigma werden die Culkin-Kids dennoch nicht so leicht los. Nachdem die Öffentlichkeit alles über die psychischen und angeblich auch physischen Brutalitäten des Vaters erfahren hatte, geriet Macaulay in die Schlagzeilen, als er mit 19 heiratete und sich zwei Jahre später wieder scheiden ließ. Derzeit steckt Mutter Patricia in Kalamitäten. Bei einem Brand in ihrem New Yorker Apartments kamen vier Menschen ums Leben. In einem unlängst begonnenen Gerichtsverfahren wegen fahrlässigen Verhaltens drohen ihr Schadensersatzforderungen in Höhe von 100 Millionen Dollar. So ist es nur logisch, wenn sie sich halb scherzhaft bei Kieran beklagt: "Immer bietet man dir an, irgendwelche Söhne aus Problemfamilien zu spielen."

Aber ein Leben in Stress und Chaos hat auch seine Vorteile: Kieran Culkin jedenfalls macht sich angesichts seiner Hollywood-Karriere keine falschen Illusionen. In "Igby" spielt er eine Figur, die an Holden Caulfield, den Held aus J.D. Salingers "Der Fänger im Roggen" erinnert. In einem Punkt teilt er Caulfields Einstellung auch privat: "Alles ist verdammter Schwindel."



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