Actionfilm "King Arthur" Ein König zum Ponysleihen

Erst ist "King Arthur" von Guy Ritchie nur dämliche Kumpel- und Klopp-Saga mit jeder Menge Neunziger-Nostalgie. Dann kippt der Actionfilm auch noch in eine chauvinistische Brexit-Fantasy um. So uncool war Britannia lang nicht mehr.


Die Artus-Sage ist eine chronisch diffuse und darum sehr dankbare Vorlage: Die Geschichte um den heldenhaften König, sein Schwert Excalibur und das mythische Camelot wurde durch die Jahrhunderte umgeformt, ausgeschmückt und immer wieder neu erzählt. In jüngerer Vergangenheit inspirierte sie so Romane, Comics, Musicals und etliche Kinofilme. Ob Walt Disney, Robert Bresson oder Monty Python, die Liste der Leinwandadaptionen ist mittlerweile ebenso umfangreich wie heterogen.

Hier reiht sich nun Guy Ritchies "King Arthur: Legend of the Sword" ein. Erwartungsgemäß behandelt Ritchie den Artus-Stoff mit exakt der gleichen Formel, die er schon bei seinen Sherlock-Holmes-Verfilmungen zur Anwendung brachte. Das Ergebnis ist ein lauter und langer Remix vertrauter Versatzstücke, angereichert um ästhetisch in den Neunzigerjahren verhaftete Zeitraffer-Action-Mätzchen samt Big-Beats-Musikuntermalung sowie einem ebenso schlecht gealterten Sauf- und Raufhumor. Von allem gibt es bei Ritchie zu viel, und das auch noch in 3D. Nur Magie, die findet sich leider nicht in diesem berechenbaren Spektakel.

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"King Arthur: Legend Of The Sword": Von der Kiezgröße zum König

Dafür gibt es viel Körpereinsatz von Charlie Hunnam ("Sons of Anarchy"), der nach einem konfusen Prolog mit Monsterelefanten und Meuchelmord als erwachsener und extrem durchtrainierter Arthur auftritt. Arthur wuchs nach dem Tod seines Vaters Uther (Eric Bana), der von Arthurs Onkel Vortigern (Jude Law) um Leben und Thron gebracht wurde, als ahnungsloses Waisenkind in einem Londoner Bordell auf. Nunmehr selbst erfolgreich im Milieu tätig, verdrischt er als frühmittelalterlicher Pimp mit Herz zahlungssäumige Puffbesucher und vertreibt sich ansonsten die Zeit mit seinen Kampfsport- und Kneipenkumpeln.

Ein Kumpel, ein König

Doch wie es der Zufall und ein schablonenhaftes Drehbuch wollen, wird Arthur vom Widerstand gegen Vortigern vereinnahmt. Vortigern wiederum zwingt aus Furcht vor der prophezeiten Rückkehr des rechtmäßigen Königs alle jungen Männer des Landes zum allseits bekannten Heldentest mit dem Schwert im Stein: Wer Excalibur aus dem Fels ziehen kann, ist Uthers legitimer Erbe. Und damit nach Vortigens Willen natürlich des Todes.


"King Arthur: Legend Of The Sword"
USA 2017
Regie: Guy Ritchie
Drehbuch: Joby Harold, Lionel Wigram, Guy Ritchie
Darsteller: Charlie Hunnam, Astrid Bergès-Frisbey, Jude Law, Djimon Hounsou, Eric Bana, Aidan Gillen, Katie McGrath, Freddie Fox
Produktion: Safehouse Pictures, Village Roadshow Pictures, Warner Bros.
Verleih: Wa
rner Bros.
Länge: 126 Minuten
FSK: frei ab 12 Jahren
Filmstart: 11. Mai 2017


Nach einigen Umwegen muss sich schließlich auch Arthur dem Test unterziehen, und begleitet von allerhand Spezialeffektgetöse befreit er die schicksalsschwere Klinge. Das überrascht ihn und seinen tyrannischen Onkel, aber keineswegs das Kinopublikum. Als Uthers Sohn und potenzieller Heilsbringer geoutet, ist es in Folge an Arthur, England von der Schreckensherrschaft Vortigens zu erlösen.

Unterstützung bekommt er dabei von noblen Widerstandskämpfern wie Bedivere (Djimon Hounsou) und Bill (Aidan Gillen), seinen ruppigen Londoner Kumpanen sowie einer einsilbigen Magierin (Astrid Bergès-Frisbey), übrigens die einzige weibliche Figur mit so etwas wie einer echten Handlungsoption in diesem Film. Denn alle anderen Frauen in Ritchies Variante einer extramännlichen Rittermär sind entweder entrückte Fabelwesen, hilflose Prostituierte oder alsbald dahingeraffte Edeldamen.

Arthur schmeißt eine Tafelrunde

Selbst das wäre noch zu verzeihen, wäre das Männerbild in "King Arthur" nicht gar so bräsig und reaktionär. Der böse Vortigen ist selbstverständlich ein effeminierter Sadist mit Hang zu pechschwarzen Fetischuniformen, während Arthur und seine Gefährten durchweg kernig und für jeden abgeschmackten Spaß zu haben sind. Echte Typen halt, mit denen man Ponys leihen kann, und die wacker durch einen unentschlossenen Film stapfen, der sich am abgeschauten Pathos im Stil von John Boormans exaltiertem "Excalibur" (1981) ebenso verhebt wie an den leidlichen Versuchen, witzig zu sein.

Fast schon verzweifelt beschwört Guy Ritchie in "King Arthur" jene prollige lad culture, die er zu Beginn seiner Karriere in den Gangsterkomödien "Lock, Stock, Two Smoking Barrels" (1998) und "Snatch" (2000) zelebrierte. Zu so viel stupender Rückwärtsgewandtheit passt denn auch ein sekundenlanger Wegwerfauftritt von David Beckham, neben Tony Blairs "Cool Britannia" und Ritchies Kino noch so ein Relikt aus den Neunzigern.

Dagegen ist die Artus-Sage wahrhaft zeitlos, und sicher wird sie auch diese Neuinterpretation überdauern, die auf den allerletzten Metern noch eine unangenehme Volte hin zur chauvinistischen Brexit-Fantasy nimmt. Aber das ist dann eigentlich auch schon egal: Arthur kann die größte Tafelrunde schmeißen, Ritchies Film ist in seiner vollkommenen Überflüssigkeit nur ernüchternd.

Im Video: Der Trailer zu "King Arthur: Legend Of The Sword"

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insgesamt 29 Beiträge
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Seite 1
az26 11.05.2017
1. Mein Gedanke als ich den Trailer sah:
"Artus auf Speed"
bru.zag 11.05.2017
2. Na dann
Wenn der Film jemanden so auf die Palme bringen kann wie diesen Spon-Autor, kann er zumindest nichtlangweilig sein. Das mit dem Brexitbezug hab ich nicht verstanden. Auf youtube würde man dazu wohl clickbaiting sagen.
forenuser 11.05.2017
3.
"Dafür gibt es viel Körpereinsatz von Charlie Hunnan ("Sons of Anarchy"), der nach einem konfusen Prolog mit Monsterelefanten und Meuchelmord als erwachsener und extrem durchtrainierter Arthur auftritt" Ein Fillkritiker der nicht mal den Namen des Hauptdarstellers richtig schreiben kann, uiuiui. Da die Kritik soll was wert sein?
Cugel 11.05.2017
4. Floskelkasse
Filme sind nicht überflüssig, sie sollen Gewinn generieren, also sind sie wie jedes Produkt am Markt entweder erfolgreich oder nicht (engagierte Autorenfilme mal ausgenommen). Niemand käme auf die Idee, ein Gemälde als "überflüssig" zu bezeichnen. Es ist höchstens häßlich oder einfach nur schlecht.
forenuser 11.05.2017
5.
Zitat von forenuser"Dafür gibt es viel Körpereinsatz von Charlie Hunnan ("Sons of Anarchy"), der nach einem konfusen Prolog mit Monsterelefanten und Meuchelmord als erwachsener und extrem durchtrainierter Arthur auftritt" Ein Fillkritiker der nicht mal den Namen des Hauptdarstellers richtig schreiben kann, uiuiui. Da die Kritik soll was wert sein?
Mein letzter Satz sollte heisen: Und da soll die Kritik was etwas wert sein?
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