"King Arthur" Ritter Sport und Bürger-King

Eigentlich waren Artus und seine Truppe die coolste Clique in Fantasyland. Ritterlich, unglücklich verknallt und immer auf der Suche nach Glück, Gral, Glaube. Produzent Jerry Bruckheimer und Regisseur Antoine Fuqua wollen die wahre Geschichte hinter der Legende erzählen - und verrohen die Sage zum plebejischen Waffengang.

Von Daniel Haas


Clive Owen als Arthur: Ehrbarer Prinzipien-Reiter
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So, ihr Avalon-umnebelten, Märchenfee-verkitschten, Prinz-Charming-verwöhnten Fantasygucker, jetzt ist Schluss mit lustig. Die Ritter der Schwafelrunde, in langen Reden Großes verhandelnd, edelmütig unterwegs zwischen Gralssuche und Liebesschmerz, sind Vergangenheit. Hier kommt "King Arthur", die wahre Geschichte hinter der Legende, wie der Trailer zu Antoine Fuquas Kino-Schlachtfest nicht müde wird zu betonen.

Die Wahrheit hinter der Legende? War die Legende nicht jenseits von authentisch und erfunden längst von der kulturellen Imagination beglaubigt? Hatten die Fans nicht schon vor über 800 Jahren, als Geoffrey of Monmouth Artus als Nachkommen der edlen Trojaner entwarf, ihren Helden mit der Glaubwürdigkeit des Mythos geadelt? War das Artus-Märchen nicht wahrer als wahr, ein Kult, immun gegen historische Faktenhuberei und seit Chrétien de Troyes den Heiligen Gral ins Spiel brachte, der Prototyp der endlosen Geschichte? Abenteuer satt - seien Sie dabei, wenn Artus in der nächsten Folge mit Superschwert "Excalibur" ein paar richtig scharfe Sachen macht.

 Keira Knightley in der Rolle der Guinevere: Hollywood-Amazone im Ethno-Look
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Die Wahrheit, wen interessiert die eigentlich angesichts der herrlichen "Sword and Sorcery"-Schinken, in denen Artus und seine coole Gang (Lancelot, Parzival, im Bedarfsfall auch der Mittelalter-Beatle Prinz Eisenherz) zwischen Christen-Gral und Schlemmermahl ihr wappenbuntes Dasein entfalten? Wer so fragt, hat keinen Mumm in den Knochen und kein Kalkül im Kopf. Die Wahrheit, das ist im Falle von Bruckheimers "King Arthur" die dramaturgische Kurzformel, die laut Don Simpson, Bruckheimers ehemaligem Mentor, auf eine Streichholzschachtel passen muss. Sie lautet: Arthur ist ein Demokrat.

Special Forces in Britannien

Demokratie? Mittelalter? Da gibt's ein kleines Zeitproblem, Jerry, haben vielleicht irgendwelche beflissenen Assistenten gesagt, aber Bruckheimer/Fuqua wissen, wie man so was in den Griff kriegt. Sie haben Artus und seine Mannen zu einem Orden sarmatischer Ritter gemacht, die in Diensten der römischen Armee die englische Kolonie gegen einfallende Sachsen verteidigen sollen.

Eigentlich warten die Recken nur auf ihre Entlassung aus dem Kriegsdienst, aber der Papst hat noch ein letztes Himmelfahrtskommando für die Jungs in petto: Sie sollen in Schottland, letzte Ausfahrt Hadrianswall, einen römischen Schnösel vor Til Schweiger retten, der den Sachsenprinzen Cynric verkörpert. Unterwegs befreien sie die schöne Amazone Guinevere (Keira Knightley), die buchstäblich den Bogen raus hat - eine Art weiblicher Legolas, deren Pfeile stets das Ziel und deren Worte tief ins Herz des Britenkönigs treffen.

Til Schweiger als Sachsenprinz: Action Schlag auf Schlag
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Und der muss lernen, dass sein historisches Mandat die Befreiung seines Landes ist. Dafür verbündet er sich mit den einheimischen Pikten, einem Urvolk, angeführt von Merlin, der hier nicht als schummriger Zauberdruide, sondern als Guerillakämpfer mit Dschungelerfahrung in Erscheinung tritt. Die Connection wird übrigens von Guinevere vermittelt, selbst eine Piktin und wie ihr Volk jenem gewagten Kleidungsstil verpflichtet, der als Sado-Maso-Folklore in die Filmgeschichte eingehen wird.

Demokratie haut rein

Und warum ist Arthur jetzt Demokrat? Weil er Gleichheit und Brüderlichkeit predigt und einer Gruppe Bauern ins verdutzte Gesicht blafft: "Ihr alle wart vom ersten Atemzug an frei!" Na bitte. Statt mit aristokratischen Allüren geharnischtes Herrenmenschentum verbreitet er die basisdemokratische Gesinnung, mit der sich Nationen vom keltischen Britannien bis zum mittleren Osten befrieden lassen.

Doch vor den Frieden hat Bruckheimer den Waffengang gesetzt. Kaum Zeit fürs Schlemmen und Schnacken am Tafelrund; Demokratie haut rein, ideologisch und auch konkret auf den Schlachtfeldern, wo Arthur, Lancelot und Co. den Sachsen in langen Metzelszenen das eindrucksvoll verzottelte Fell gerben. Diese Ritterrunde ist eine Special-Forces-Einheit, die ihren Job verrichtet. Ähnlich wie Brad Pitt in "Troja" leihen sie einer übergeordneten Staatsräson ihren eisenharten Arm.

 Arthur und Guinevere: Wenig Zeit für Liebelei
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Deshalb entfällt auch die erotische Dreiecksgeschichte zwischen Arthur, Guinevere und Lancelot; für das Drama um Treue, Verrat und Ritterethos, dass die Sage ursprünglich umtrieb, bleibt keine Zeit. "King Arthur" bebildert schlicht den Waffengang von Missionaren, unterbrochen von markigen Wortwechseln und einer Liebesszene, in der - wie originell - wissende Frauenhände die Landkarte vernarbter Männerkörper erkunden.

Wer jedoch glaubt, die moderne Rundumverwurstung historischer Heldenstoffe ritterlich hinter sich gebracht zu haben, irrt: "Gladiator", "Troja" und "King Arthur" waren erst der Anfang. Oliver Stones "Alexander" schnürt bereits die Sandalen für den nächsten Marsch aufs Box Office.


King Arthur

USA/Irland 2003. Regie: Antoine Fuqua. Drehbuch: David H. Franzoni . Darsteller: Clive Owen, Keira Knightley, Ioan Gruffudd, Stephen Dillane, Stellan Skarsgard, Til Schweiger. Produktion: Jerry Bruckheimer Films. Verleih: Buena Vista. Länge: 125 Minuten. Start: 19. August 2004





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