Kino 2011: Diese Filme müssen Sie gesehen haben!

3. Teil: Vorerst oder für immer? Egal!

"Weekend" von Andrew Haigh

Von Daniel Sander

Szene aus "Weekend" mit Tom Cullen, Chris New: Ist da etwas? Zur Großansicht
Glendale Picture Company

Szene aus "Weekend" mit Tom Cullen, Chris New: Ist da etwas?

Nichts gegen eine große Tragödie. Ein paar der besten Filme des Jahres 2011 waren jene, die einen so richtig deprimieren konnten: "Blue Valentine" über das Ende einer großen Liebe, "Nader und Simin" über das Ende einer Ehe, "Melancholia" über das Ende der Welt. Doch wie schön ist es, wenn Kino es versteht, sein Publikum glücklich zu machen - und kein Film hat das in diesem Jahr so verstanden wie "Weekend" von Andrew Haigh.

Dabei kommt auch der zunächst nicht sehr gut gelaunt daher: Zwei junge Männer aus Nottingham lernen sich am Freitagabend in einem Club kennen und verbringen eine Nacht miteinander. Sie finden sich attraktiv, aber nicht sympathisch. Ein netter, schüchterner Bademeister (Tom Cullen), der nach dem Prinizip "Leben und leben lassen" durch die Welt geht, und ein forscher Künstlertyp (Chris New), der seine Ansichten gern so öffentlich wie möglich macht. Passt nicht. Außerdem will einer von beiden zwei Tage später für einige Jahre in die USA gehen. Es kann also gar nichts werden mit den beiden.

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Liebesfilm "Weekend": Versuchen wir's doch!
Oder doch? Haigh lässt seine beiden Helden am Morgen danach für einen Moment innehalten und einander taxieren. Ist da etwas? Sie beschließen, sich später am Tag wiederzutreffen. Am Abend werden sie gemeinsam in einer Bar auf den baldigen Abschied anstoßen. Und sie werden wieder gemeinsam nach Hause gehen. Und je mehr Zeit sie miteinander verbringen, redend, streitend, lachend, desto klarer wird: Ja, da ist was.

"Weekend" erzählt von der unspektakulären Annäherung zweier normaler Menschen, ruhig und ohne Schnörkel. Es gibt keine vor Leidenschaft bebenden Liebesschwüre, von großer Liebe ist nie die Rede. Trotzdem, und das ist die große Leistung dieses Films, hat man das Gefühl, vielleicht gerade das Entstehen einer großen Liebe mitzuerleben. Die beiden haben zweieinhalb Tage, dann muss ihre Geschichte vorbei sein. Vorerst oder für immer, es spielt eigentlich keine Rolle. Wichtig ist, es zu versuchen. Ein Film über die kleine Tür zum Glück, die sich immer nur ganz kurz öffnet, und vielleicht für immer verschlossen bleibt, wenn man nicht hindurchgeht. Wer es doch tut, kann nur gewinnen.

Keira Knightley in "Eine dunkle Begierde Zur Großansicht
Universal Studios

Keira Knightley in "Eine dunkle Begierde

Enttäuschung des Jahres: Einer der besten Regisseure der Welt präsentiert einen der langweiligsten Filme des Jahres: Das Interessanteste an David Cronenbergs Psychoanalyse-Geschwafel "Eine dunkle Begierde" ist es noch, Keira Knightley dabei zu beobachten, wie weit sie als psychotische Russin ihren Unterkiefer nach vorne schieben kann.

Entdeckung des Jahres: Die Amerikaner bringt Kristen Wiig in der TV-Show "Saturday Night Live" schon seit Jahren zum Lachen, in "Bridesmaids" durfte die Schauspielerin und Autorin nun der ganzen Welt zeigen, dass sie der witzigste Mensch auf dem Planeten ist. Der maßlos bescheuerte deutsche Titel des Films ("Brautalarm") ist indes ein Kandidat für die Frechheit des Jahres.

Augenweide des Jahres: Lars von Trier erfindet sich neu als Arthouse-Emmerich und die Apokalypse wird zum Happy End - niemals ging die Welt schöner unter als in "Melancholia".

Frechheit des Jahres: Ein Vollidiot wacht in einem Kerker auf, pöbelt eine Weile die Eisentür an und verbringt dann den Rest des lächerlichen "Cube"-Abklatsches "Iron Doors" von Stephen Manuel damit, seinen Urin zu trinken und Maden zu essen. In 3D.

Szenenapplaus: Ein Mann und eine Frau sitzen stumm im Flur eines Teheraner Gerichts und warten. Das Ende einer Ehe - alles ist gesagt, und nichts wird wieder gut. Fast jede Szene in Ashgar Farhadis Berlinale-Gewinner "Nader und Simin" ist es wert, bejubelt zu werden, aber keine so sehr wie die überwältigende, unendlich traurige Schlusssequenz.

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insgesamt 17 Beiträge
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1.
berlinspandau 30.12.2011
Tree of Life war für mich einer der stinklangweiligsten Filme des Jahres 2011. Ich frag mich, was die Rezensenten wohl geraucht haben als sie sich den Film angesehen haben.
2. tree of life - nein, aber BULLHEAD
eifelzweifel 30.12.2011
Zitat von berlinspandauTree of Life war für mich einer der stinklangweiligsten Filme des Jahres 2011. Ich frag mich, was die Rezensenten wohl geraucht haben als sie sich den Film angesehen haben.
war der Film wirklich so langweilig, ich kann es leider :-) nicht beurteilen, bin nach ca. 30 Minuten aus dem Kino gegangen. Nach dieser Szene mit dem Babydino habe ich geglaubt, ich bin in einer Neuverfilmung von Bamby. Für mich war BULLHEAD, der erste Film des belgischen Regisseurs Michaël R. Roskam einer der wichtigen Filme in diesem Jahr. Toller Thriller mit klasse Schauspielern. Lief bei uns leider nur ein paar Tage.
3. wer schreibt diese Rezension?
serchingNews 30.12.2011
ganz einfach aus purem Hass, möchte ich den Verfasser dieses Artikels in eine Kinovorführung von Transformers 1, 2 und 3 schicken. Einfach nur, um diesem Verfasser Schmerzen zuzufügen. Wer sich scheinbar bei Melancholia einen runterholt und daher ihn gleich zweimal in die Liste setzt, gehört für mich geohrfeigt. Ich bin kein Fan von Listen oder "must seen", aber was mir hier geboten wird, grenzt geradezu an ein Pflichtprogramm für alle selbstverliebten Filmkritiker, die sich selbst zur selbsternannten Upperclass zählen. Ich möchte kotzen, wenn ich diese "Kritiken" lese. Das man bei Filmen wie der Harry Potter-Reihe, die Twilight-Reihe oder auch nur mal Kings-Speach die Nase rümpft, gut. Geschmäcker sind Gott sei Dank verschieden. Aber dieser Artikel macht mich wütend. Sehr geehrter Autor: Schauen Sie bitte die Filme, die Sie sehen möchten. Aber lassen Sie uns mit Ihren Meinungen bitte in Ruhe. Danke
4. Einigkeit und Kunstverstand
kroetilein 30.12.2011
Zitat von sysopPolizisten am Rande des Nervenzusammenbruchs, Überlebenskämpfe im Knast und im US-Niemandsland, Klone auf der Suche nach*ihrem wahren Ich*- solche Geschichten erzählt nur das Kino? Stimmt. Die Lieblingsfilme der SPIEGEL-ONLINE-Kritiker, Teil zwei! Kino*2011: Diese Filme müssen Sie gesehen haben! - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Kultur (http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,806076,00.html)
Geschmäcker sind verschieden? Die der Herren Kritiker (weibliche Rezensenten scheint's beim SPON nicht zu geben, oder sie werden nicht befragt) sind so verschieden nicht. Eigentlich herrscht, im Gegenteil, eine wonnige Einigkeit der Filmkunstsachverständigen. Vielleicht sollten sie sich einfach in einem angenehmen Gespräch ihre Meinungen gegenseitig bestätigen. Wir gucken uns inzwischen den Popcorn-Schund an.
5.
Grestorn 30.12.2011
Zitat von serchingNewsganz einfach aus purem Hass, möchte ich den Verfasser dieses Artikels in eine Kinovorführung von Transformers 1, 2 und 3 schicken. Einfach nur, um diesem Verfasser Schmerzen zuzufügen. Wer sich scheinbar bei Melancholia einen runterholt und daher ihn gleich zweimal in die Liste setzt, gehört für mich geohrfeigt.
Es handelt sich um verschiedene Autoren, jede Seite ist von einem eigenen Autor geschrieben. Daher auch die doppelte Nennung eines Films. Eigentlich recht offensichtlich. Grundsätzlich - und das gilt für alle Arten der Rezension - nervt es mich auch, dass auf erfolgreiche Mainstreamfilme generell herabgeblickt wird. Je abgedrehter und anstrengender die Filme sind, desto größer ist die Chance, dass sich ein "seriöser" Rezensent daran aufgeilt, um zu beweisen wie toll alternativ und nicht-mainstream er doch ist.
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