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"Zur Sache, Schätzchen" im kostenfreien Stream: Erst kommt das Wurstbrot, dann die Weltrevolution!

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Anarchischer als so mancher 68er: Die federleichte Komödie "Zur Sache, Schätzchen" stellte in den späten Sechzigern mit lässigem Humor die Regeln der Gesellschaft ganz spielerisch in Frage. Bis Montag sehen Sie den Filmklassiker kostenlos auf SPIEGEL.TV.

Von derart beiläufiger Eleganz war Verweigerung selten: "Ich habe es doch eben schon gesagt: Ich mag es nicht gern, wenn sich die Dinge morgens schon so dynamisch entwickeln", so Martin, Hauptfigur von May Spils "Zur Sache, Schätzchen". Sprach es - und legte sich wieder ins Bett. Martin (gespielt von Werner Enke) ist ein Nichtstuer. Mit viel Tiefstapelei bemüht er sich um die Liebe einer jungen Bürgerstochter namens Barbara (gespielt von der damals kaum bekannten Uschi Glas). Schließlich bekommt er es mit der Polizei zu tun - und legt sie mit seinen ganz eigenen Mitteln herein. Mit Lässigkeit und Humor.

Gefilmt im Sommer 1967 in München-Schwabing, war "Zur Sache, Schätzchen" einer der Erfolgsfilme des Jahres 1968 - dem Geist der Zeit entspricht der Film dabei auf so unorthodoxe, spielerische Weise, dass er ihm eigentlich schon wieder zuwider läuft: "Zur Sache, Schätzchen", das ist der federleichte Traum, die Regeln der Gesellschaft mit nichts außer Kraft zu setzen, als mit ein paar Scherzen und sinnfreien Bemerkungen (von denen es einige, so "Es wird böse enden" zum geflügelten Wort gebracht haben). Hier kommt zuerst das Wurstbrot (bei dem "die Wurst so richtig überlappt"), dann die Weltrevolution.

"Der kurze Sommer der Anarchie" heißt ein Buch von Hans Magnus Enzensberger aus dieser Zeit. In "Zur Sache, Schätzchen" findet dieser schöne, viel versprechende Buchtitel seine wohl einzige Entsprechung in einer deutschsprachigen Komödie. Während der sogenannte Junge Deutsche Film jener Jahre - der von Regisseuren wie Fassbinder und Schlöndorf - seine Ästhetik bei der französischen Nouvelle Vague abgeschaut hatte, und trotz allen Understatements doch prätentiös wirkte, ließ sich die Welt, die May Spils zeigte, eigentlich nur auf ein anderes französisches Vorbild zurückführen: Die "Gaston"-Comics von André Franquin. Auch darin wird Arbeitsverweigerung mit kleiner Geste vorgeführt - und ist gleichzeitig radikale Antwort auf die Zwänge der Leistungsgesellschaft.

Fast konsequent, dass auch der Hauptdarsteller Werner Enke und die Regisseurin May Spils danach keine nennenswerten Erfolge mehr feierten: Nach einer kleinen Handvoll missratener Anschlusswerke (so "Nicht fummeln, Liebling") zogen sich beide mehr oder weniger aus der Öffentlichkeit zurück. Uschi Glas dagegen, Darstellerin der konventionellsten Figur des Films, wurde berühmt - und ließ sich schließlich von Edmund Stoiber als "Uschi Nazionale" feiern. Auch eine deutsche Karriere.


"Zur Sache, Schätzchen" können Sie bis Montag, 10 Uhr, im Stream auf SPIEGEL.TV sehen. Dort finden Sie auch Dokumentationen passend zum Thema des Films.

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"Zur Sache, Schätzchen" auf SPIEGEL.TV: Es wird böse enden
Unter dem Namen Kino@SPIEGEL.TV bietet SPIEGEL.TV jedes Wochenende gemeinsam mit alleskino einen deutschen Kinofilm im kostenlosen Stream an. Abrufbar ist der jeweilige Film von Freitag, 16 Uhr, bis Montag, 10 Uhr. Ergänzt wird das Angebot mit Dokumentationen und Reportagen von SPIEGEL TV und den Kooperationspartnern BBC, Vice und NDR, die sich mit den Themen des Films auseinandersetzen. Zu finden sind Kinofilm und Dokumentationen bei SPIEGEL.TV unter der Rubrik "Thema".

An den kommenden Wochenenden laufen bei Kino@SPIEGEL.TV Lars-Gunnar Lotz' gefeiertes Spielfilmdebüt "Schuld sind immer die anderen" über einen jugendlichen Gewalttäter und dann Margarethe von Trottas Filmporträt "Rosa Luxemburg".

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insgesamt 18 Beiträge
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1. Wahrscheinlich muss man 68er sein...
freund-der-worte 04.01.2014
...um dem Film etwas abzugewinnen. Hab' den vor ca. 20 Jahren mit meinem Vater gesehen, der sich an ihn noch als "bahnbrechend" und "Kult" erinnerte. Ich fand ihn damals schon einfach todlangweilig und nichtswagend, konnte die Begeisterung der älteren Generation nicht wirklich nachvollziehen... Glaube kaum, dass das heute noch andere als eben die 68er ansprechen wird...
2.
irobot 04.01.2014
Zitat von freund-der-worte...um dem Film etwas abzugewinnen. Hab' den vor ca. 20 Jahren mit meinem Vater gesehen, der sich an ihn noch als "bahnbrechend" und "Kult" erinnerte. Ich fand ihn damals schon einfach todlangweilig und nichtswagend, konnte die Begeisterung der älteren Generation nicht wirklich nachvollziehen... Glaube kaum, dass das heute noch andere als eben die 68er ansprechen wird...
Ging mir genau so. Nur wurde ich von meiner Mutter darauf aufmerksam gemacht. Nach etwa 40 Minuten vor dem Fernseher bin ich dann seelig eingeschlafen.
3. Zu 100% anti 68-er
hh4 04.01.2014
Der Film ist auf reiner anti-68-er-Linie. Die "68-er" hatten nichts mit Schicki-Micki zu tun, während im Film ausschließlich die Münchner Schickeria von damals vorkommt. Diese Münchener Schickeria gibt es auch heute noch: Sie besteht z.T. aus Fußballern des FC-Bayern, die mit ihren Ferraris die Leopoldstraßen rauf-und runterbrettern.
4. Uschi Glas?
panameño 04.01.2014
Reaktionärer geht es kaum. Lustig, aus heutiger Sicht.
5. Hipster vs. 68er ,-)
autonomos 04.01.2014
Zitat von irobotGing mir genau so. Nur wurde ich von meiner Mutter darauf aufmerksam gemacht. Nach etwa 40 Minuten vor dem Fernseher bin ich dann seelig eingeschlafen.
Ich habe 20 Minuten durchgehalten meine Freundin war eigentlich von Anfang an nicht so richtig dabei. 20 Minuten sind okay um den Streifen als Zeitdokument zu sichten aber das reicht dann auch… Bei Berlin Calling haben wir letzte Woche durchgehalten, obwohl es inhaltlich auch eher bescheiden war aber die Musik hat es irgendwie gerettet ,-)
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