Kino-Blockbuster: China bekommt eigenen "Iron Man 3"-Zuschnitt

Mehr Peking und ein exklusiver Auftritt einer lokalen Filmgröße: Mit einer für chinesisches Publikum zugeschnittenen Version des Actionfilms "Iron Man 3" bedient Hollywood in bisher unerhörter Form den boomenden, aber streng zensierten Kinomarkt Chinas. Ein Beispiel, das Schule machen könnte.

"Iron-Man": Den dritten Teil der Comic-Verfilmung gibt's auch in einer China-Version Zur Großansicht
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"Iron-Man": Den dritten Teil der Comic-Verfilmung gibt's auch in einer China-Version

Los Angeles/Berlin - Ein Kunstwerk ist ein Kunstwerk ist ein Kunstwerk? Nicht in Hollywoods Filmindustrie und schon gar nicht, wenn es darum geht, einen lukrativen Markt zu erobern. Chinesen gehen gerne ins Kino, der chinesische Filmmarkt ist im vergangenen Jahr zum zweitgrößten der Welt gewachsen, nach den USA und vor Japan. 2,75 Milliarden Dollar wurden in chinesischen Kinos umgesetzt, vieles mit internationalen Blockbustern aus amerikanischer Produktion.

Die Anzahl der in China erlaubten US-Filme ist jedoch streng limitiert, kaum mehr als 20 Filme aus Hollywood-Produktion werden von den Zensurbehörden für den chinesischen Markt freigegeben. Kein Wunder also, dass Marvel Studios, verantwortlich für einige der erfolgreichsten Action-Blockbuster der vergangenen Jahre, darunter "The Avengers" und "The Amazing Spider-Man", jetzt radikal neue Wege beschreitet, um chinesischem Publikum und Zensoren gleichermaßen gerecht zu werden.

Vom Kino-Spektakel "Iron-Man 3", das Anfang Mai weltweit anläuft, wird es eine extra für China produzierte Version geben, wie das US-Magazin "Wired" berichtet. Zwar wurden Teile des Superhelden-Films mit Robert Downey Jr. ohnehin in Peking gedreht, für den chinesischen Markt werde es jedoch "speziell angefertigtes Bonusmaterial für das chinesische Publikum geben", so eine Marvel-Pressemeldung, außerdem werde es einen exklusiven Auftritt der in China populären Schauspielerin Fan Bingbing geben.

"Iron Man 3" ist damit der wohl erste große Hollywood-Film, von dem es eine echte Variant-Edition geben wird. Die Berücksichtigung chinesischer Sensibilitäten ist jedoch kein neues Thema. Im vergangenen Jahr wurde der erfolgreiche Bond-Film "Skyfall" für Chinas Kinos einer Szene beraubt, in der ein chinesischer Wachmann erschossen wird. Die deutsch-amerikanische Co-Produktion "Cloud Atlas" wurde gar um 40 Minuten gekürzt, vor allem Nacktszenen und Erotisches fielen der Zensur zum Opfer. Aus "Men in Black III" verschwand eine Szene, die in New Yorks Chinatown spielt. Teilweise werden auch Filmdialoge angepasst oder verändert, um Bedenkliches oder Aufrührerisches vom chinesischen Publikum fernzuhalten.

Das bislang krasseste Beispiel für China-Zensur ist bisher die stark veränderte Version des Kriegs-Thrillers "Red Dawn": In dem 2012 gestarteten Remake des arg reaktionären Achtziger-Jahre-Klassikers "Die rote Flut" muss sich eine Handvoll Amerikaner auf eigener Scholle gegen die Invasion der chinesischen Armee behaupten. Aus Rücksicht auf China wurden die Aggressoren allerdings in nordkoreanische Truppen umgewidmet. Wenn es ums Geldverdienen geht, wirft Hollywood Ideologie und Systemkritik gerne über Bord, so scheint es. Marvels "Iron-Man"-Beispiel könnte der Einstieg in einen moralisch fatalen, aber sehr pragmatischen Umgang mit dem Dilemma sein: Lieber zwei unterschiedliche Filme produzieren als einen bis zur Unkenntlichkeit zu verstümmeln.

Dass die kulturell motivierte Film-Beschneidung aber auch andersherum funktioniert, zeigte unlängst der aus Hongkong stammende Regisseur Wong Kar-wai mit seinem Martial-Arts-Epos "The Grandmaster", das im Februar auf der Berlinale gezeigt wurde: China-spezifische Dialoge und Motive, die den westlichen Zuschauer seiner Meinung nach verwirren würden, schnitt der berühmte Arthouse-Filmemacher ("In The Mood For Love") einfach heraus. Ob der erzählerisch verunglückte Film dadurch besser wurde, bleibt offen. Mit interkulturellem Austausch über das Medium Kino hat all das jedoch nur noch wenig zu tun.

bor

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insgesamt 27 Beiträge
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1.
gbk666 31.03.2013
Naja..ist ja auch nur rein kommerzielles Popkorn-Kino dieser Film.
2. German variant version...?
frank_w._abagnale 31.03.2013
Vielleicht gibt es ja auch eine deutsche Version, in welcher statt Chinas Star Fan Bingbing unsere Jenny Elvers auftritt (etwa beim Bierkaufen an der Tanke).
3. Nur in China?
kloppononstoppo 31.03.2013
Dialoge und Szenen verfälschenß Hat das demokratische und befreite Deutschland der 50er und 60er doch auch gemacht. Eine ganze Menge Hollywood-Filme wurden in dieser Zeit ihrer Nazis "beraubt" und wahlweise durch Schmuggler, Kommunisten etc. ersetzt...
4. Keiner möchte über seinen Tellerrand schauen.
mtop 31.03.2013
Das läuft in den USA genauso. Die erfolgreichen europäische Filme werden für Hollywood neu verfilmt. Aktuelles Beispiel: Keinohrhase. Die großen Nationen möchten sich gerne als Mittelpunkt der Welt fühlen. Wer eine Komödie über eine europäische Kleinfamilie schaut ist doch schon fast ein Hippie.
5. Ethik vs. Proftgier
marvinmay96 31.03.2013
Die westliche Welt hat schon oft gezeigt, dass sie die das chinesische Verhalten gegenüber Meinungsfreiheit nicht gut findet. Wie kann man dann einen Film daran anpassen? Meiner Meinung nach sollte man den Film genau so lassen um damit ein Signal zu senden. Aber mir ist selbst klar das es hier nur um Profit geht. Ein hoch auf die freie Marktwirtschaft in Amerika: wo Geld wichter ist als Ethik
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