Kino-Experiment Künstler dreht Pflanzen-Porno

Ein US-amerikanischer Künstler hat ein neues Filmgenre entwickelt: Pornografie für Pflanzen. Er wolle mit seinem ersten Werk "das Kino ins Reich der Pflanzen bringen", erklärte Jonathon Keats seine Pläne. In einer Galerie in Kalifornien ist der erotische Pflanzenfilm nun zu sehen.


San Francisco - Keats macht sich über den Unterhaltungswert seines Schwarzweißfilmes für menschliche Zuschauer keine Illusionen. "Er ist sehr langweilig, aber das gehört zur Essenz der Pornografie, dass sie sehr repetitiv ist", sagte der Künstler der Nachrichtenagentur Reuters.

Topfpflanze Zimmer-Azalee: "Begründete Vermutung, was sie angenehm erregen könnte"
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Keats ist an der "Unterhaltung für nichtmenschliches Publikum" interessiert. Die Idee zu dem Pflanzen-Porno sei ihm im vergangenen Jahr gekommen, als er eine Choreographie für Honigbienen entwickelt habe. Das Bienen-Ballett wurde durch gezielt plazierte Pflanzen gesteuert, die die Flugbahnen der Bienen von Stock zu Stock beeinflussen sollten.

Nun also will Keats Pflanzen unterhalten. Die seien ja sehr lichtempfindlich, erklärte der Künstler, also ein ideales Kinopublikum. Die Pflanzen können natürlich nicht sehen - also projiziert Keats seinen stimulierenden Film direkt aufs photosensitive Blattwerk. Es geht ihm aber nicht in erster Linie darum, Pflanzen zur Fortpflanzung zu animieren. Sex habe er einfach als Thema gewählt, weil man davon ausgehen könne, dass dieses Sujet immer gut ankomme.

"Ich wusste genug über den Fortpflanzungsprozess, um eine begründete Vermutung darüber zu formulieren, was sie angenehm erregen würde, und das war Bestäubung", so Keats zu Reuters. Also drehte er ein sechsminütiges Video von Pflanzen bei der Befruchtung und schnitt aus dem schonungslos offenherzigen Material anschließend einen expliziten Schwarzweißfilm zusammen. Entstanden sei so der erste Pflanzen-Porno der Welt, behauptet Keats. Er selbst nennt sein Werk "Cinema Botanica".

Gott in einer Petrischale nachgebaut

Den September über wird Keats Pflanzensexstreifen in einer Galerie im kalifornischen Chico gezeigt - Dauerpublikum sind 60 Topfpflanzen. Auch Menschen werden zusehen dürfen, für die allerdings dürfte der Kinobesuch - siehe oben - eher eintönig werden. "Das Projekt ist ein erster Versuch, Kino ins Pflanzenreich zu tragen, es gibt aber auch Menschen die Möglichkeit, über sich selbst nachzudenken, indem sie einen Schritt zurücktreten und einen Blick auf sich selbst werfen", glaubt der Künstler. Das eigentliche Kunstwerk entstehe durch "Interaktionen und Gespräche, die drumherum stattfinden".

Der 35-Jährige hat Philosophie am Amherst College in Massachusetts studiert und schon verschiedene großangelegte Gedankenexperimente durchgeführt, mit denen er die eingefahrenen Sichtweisen der Menschen in Frage stellen will. Im Jahr 2003 beispielsweise bewarb er sich um Urheberrechte an seinem eigenen Geist. Sein bislang bekanntestes Werk aber ist der Versuch, in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern der University of California in einer Petrischale gentechnisch Gott herzustellen.

cis/rtr



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