Hollywood-Star Bradley Cooper: "Wow. Das ist wirklich cool, Mann!"

Die Kumpel-Komödie "Hangover" hat ihn groß gemacht, mittlerweile gilt er als Sexsymbol. Doch jetzt wird's ernst: Bradley Cooper könnte einen Golden Globe holen. Im Interview verrät der Star, wie er für "Silver Linings" in eine kranke Seele abtauchte - und wie wahnsinnig man als Schauspieler wirken darf.

Bradley Cooper: Verkatert zum Weltruhm Fotos
AP

SPIEGEL ONLINE: Mr. Cooper, vor einem Jahr kürte Sie die Zeitschrift "People" zum "Sexiest Man Alive", jetzt sind Sie für einen Golden Globe als bester Schauspieler nominiert. Was gefällt Ihnen besser?

Cooper: Haha, ich glaube, Sie kennen die Antwort!

SPIEGEL ONLINE: Ah. Also "Sexiest Man Alive"?

Cooper: Sehr witzig. Seit dieser Wahl dreht sich ein Viertel jedes Interviews, das ich gebe, allein darum. Dabei betrachte ich die Sache eigentlich als Witz, weil ich mich nie als der gutaussehende, sexy Typ gesehen habe, und auch nie solche Rollen gespielt habe. Daher war ich zuerst buchstäblich schockiert. Inzwischen finde ich es ja ganz unterhaltsam, es war ein lustiges Jahr - aber ich bin auch froh darüber, dass jetzt Channing Tatum gewählt wurde.

SPIEGEL ONLINE: Was passiert eigentlich, wenn sich zwei "Sexiest Men Alive" auf Partys treffen? Hänselt man sich gegenseitig?

Cooper: Ich habe Channing leider noch nicht getroffen, seit er gekürt wurde, aber ich bin sicher, das Thema kommt dann zur Sprache, und wir machen Witze darüber.

SPIEGEL ONLINE: Gut, lassen wir das. Die Golden-Globe-Nominierung für Ihre Rolle in der Psycho-Romanze "Silver Linings" ist ja auch weitaus interessanter und wichtiger.

Cooper: Ja, aber Moment: Dass der Film überhaupt gewürdigt wird, ist das Wichtige! Für mich persönlich ist die Nominierung für einen SAG-Award (SAG = Schauspielergewerkschaft von Hollywood - d. Red.) fast bedeutsamer: Von den eigenen Kollegen bedacht zu werden… wow. Das ist wirklich cool, Mann!

SPIEGEL ONLINE: In dem Film spielen Sie einen Mann, der unter einer bipolaren Störung leidet, einer komplizierten psychischen Erkrankung. Wie haben Sie sich den Charakter des Pat Solitano erarbeitet?

Cooper: Zunächst so wie immer: Man ackert das Skript durch und sucht nach den Grundzügen der Figur. Danach wird es persönlich, denn es geht darum, private Anknüpfungspunkte zu finden, so dass du nicht schauspielern musst, sondern in gewisser Weise der Filmcharakter bist.

SPIEGEL ONLINE: In einem Interview haben Sie gesagt, dass Sie beim Drehstart in einer vergleichsweise "düstereren, wütenderen und ängstlicheren" Lebensphase waren. Stimmt das? Und war das in diesem Fall sogar hilfreich?

Cooper: Ja, das stimmt. Ich hatte kurz zuvor die Arbeit an "The Place Beyond The Pines" beendet, ein sehr düsteres Krimi-Drama mit Ryan Gosling, das mich emotional so extrem beansprucht hat wie noch keine Rolle zuvor. Und das hat sicher sehr viel dazu beigetragen, dass ich bereit war für "Silver Linings". Manchmal ist es gut, eine Pause zu haben. Aber manchmal auch besser, wenn die Maschine noch läuft. Dadurch hatte ich das nötige Selbstvertrauen.

SPIEGEL ONLINE: Es hängt also vom Zufall ab, ob Sie bereit sind für eine Rolle? Hätte Regisseur David O. Russell Sie zu einem anderen Zeitpunkt für "Silver Linings" engagiert, hätte er einen weniger guten Bradley Cooper bekommen?

Cooper: Vielleicht. Oder ich hätte gar keine Zeit gehabt. Timing ist ja immer wichtig, und hier war es sozusagen der Schlüssel. Es gab aber noch andere günstige Umstände: Da ich mit Robert De Niro in "Limitless" gearbeitet hatte und inzwischen mit ihm befreundet bin, war es leicht für mich, ihn mit "Dad" anzusprechen. Außerdem komme ich aus Philadelphia. Ich kannte viele Drehorte schon vorher, und weiß also, wie die Menschen dort ticken. Ich bin selbst ein riesiger Fan der Football-Mannschaft Eagles, die im Film eine Rolle spielt. Und da ich, wie Pat Solitano, italienisch-irischer Abstammung bin, musste ich mir nicht einmal seinen Akzent beibringen. Je mehr Szenen wir drehten, desto mehr nahm ich sogar seinen vom Drehbuch vorgesehenen Sprachrhythmus an - und desto mehr formulierte sich Pats Charakter in mir aus.

SPIEGEL ONLINE: Gerüchteweise haben Sie ursprünglich eine viel düsterere Version des Films hergestellt. Warum bekommen wir die nicht zu sehen?

Cooper: Wir haben manche Szenen in vier oder fünf verschiedenen Varianten gedreht, und eine Version des Films ist tatsächlich härter, viel extremer als die Kino-Fassung. Da gibt es zum Beispiel die Szene am Anfang, als Pat in der Praxis seines Psychiaters wütend das Zeitschriftenregal umstößt. Wir hatten eine Version, in der er das komplette Wartezimmer verwüstet. Aber man muss sich genau überlegen, mit wie viel Verrücktheit man die Zuschauer bombardiert, damit nicht die eigentlich heftigste Szene, nämlich die, in der Pat auf seine Mutter losgeht, plötzlich erwartbar wirkt, nach dem Motto: Na klar, der Typ ist ja crazy! Natürlich tut der so etwas! Das Publikum darf nicht abstumpfen.

SPIEGEL ONLINE: Also ging es nicht darum, auf den Massengeschmack Rücksicht zu nehmen?

Cooper: Wir wussten von Anfang an, dass "Silver Linings" kein Mainstream-Film wird. Und eine düstere Version hätte ja keine andere Geschichte erzählt. Wir zeigen Pats Krankheit in all ihren extremen Erscheinungen, und am Ende ist ja beileibe nicht alles rosig. Wir sind nicht zurückgeschreckt.

SPIEGEL ONLINE: Im Film nehmen Sie zusammen mit Jennifer Lawrence an einem Tanzwettbewerb teil. Angeblich gab es dafür keine Doubles. Mussten Sie lange trainieren oder sind Sie ein Tanztalent?

Cooper: Oh, das war nicht leicht! Aber der meiste Respekt gebührt Jennifer, die den Löwenanteil bestreiten musste, sie hat jede freie Minute trainiert. Ich war die meiste Zeit am Set und konnte gar nicht so viel üben, wie ich wollte. Wir spielen zwar Tanzamateure, aber wir mussten ja so gut werden, um beim Wettbewerb nicht wie totale Loser zu wirken. Zum Glück war ich als Teenager in Philadelphia in der Breakdance-Szene unterwegs. So konnte ich zumindest auf mein Rhythmus-Gefühl bauen.

SPIEGEL ONLINE: Sieht so aus, als würden Sie sich jetzt ernsthafteren Stoffen zuwenden. Dennoch werden Sie dieses Jahr im dritten Teil der "Hangover"-Reihe zu sehen sein. Passt das noch?

Cooper: Wir haben "Hangover 3" sogar schon abgedreht. Und es war ein großer Spaß.

SPIEGEL ONLINE: Und? Sind Sie dennoch froh, dass es damit vorbei ist?

Cooper: Einerseits, andererseits. Faszinierend ist ja nicht nur, dass wir drei Filme über diese Typen gemacht haben: drei! Total irre! Was mich umgehauen hat, ist, dass Leute gedacht haben, ich sei auch im wirklichen Leben so wie Phil aus "Hangover". Hallo!? Der ist komplett anders als ich! Insofern könnte man wohl locker noch einen vierten oder fünften Teil drehen, und wahrscheinlich wäre ich sogar dabei... Aber nee: Das war's. Aus und vorbei!

Das Interview führte Andreas Borcholte

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pauschaltourist 04.01.2013
"Ohne Limit" gefiel mir von all seinen Filmen bislang am Besten.
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Zur Person
Bradley Cooper, 1975 in Philadelphia, US-Bundesstaat Pennsylvania geboren, gehört spätestens seit den "Hangover"-Filmen zu Hollywoods größten Hoffnungsträgern. Seine Karriere startete Cooper Ende der Neunziger mit einer kleinen Rolle in der TV-Serie "Sex And The City", seitdem machte er sich vor allem in leichten Komödien einen Namen (u.a. in "Wet Hot American Summer", 2001, und "The Wedding Crashers", 2007). Als sympathische Hauptfigur Phil Wenneck in den beiden Teilen der Junggesellenabschieds-Sause "The Hangover" (2009 und 2011) wurde er so populär, dass ihn das Magazin "People" Ende 2011 zum "Sexiest Man Alive" kürte. Für seine Darstellung eines psychisch Kranken in David O'Russells romantischer Komödie "Silver Linings" erhielt Cooper im vergangenen Dezember eine Golden-Globe-Nominierung.