Kino-Komödie "Einfach zu haben" Durchbruch dank heiliger Jungfrau

Ein großer Spaß für Teenies und Kritiker, Hipster und Kirchengänger: In der Komödie "Einfach zu haben" wird ein Mädchen durch ihre vermeintliche Freizügigkeit erst zum gefeierten Star, dann zur berüchtigten Schlampe. Der Film selbst dürfte Hauptdarstellerin Emma Stone zum Star machen.

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ddp images / Sony Pictures

Das Verhältnis von amerikanischen Highschool-Komödien und Kinokritik ist ein angespanntes, nicht zuletzt weil sich die Highschool-Filme eben eher an ein Highschool-Publikum richten und weniger an graugesichtige Filmkritiker, die sich an ihre Jugend wahrscheinlich nicht einmal mehr erinnern können. Alles eine Frage der Perspektive.

Die Werke vom Genrespezialisten John Hughes aus den achtziger Jahren etwa, wie "Der Frühstücksclub", "Pretty in Pink" oder "Ferris macht blau", wurden vom damaligen Feuilleton ebenfalls meist belächelt, heute gelten sie als Klassiker. Auch der übellaunige Rezensent um die 40 von heute war einst wahrscheinlich in Molly Ringwald verliebt.

Alle paar Jahre aber sind sich Teenager und Kritiker gleichzeitig einig. "Clueless" mit Alicia Silverstone war 1995 so ein Fall, "Mean Girls" mit Lindsay Lohan von 2004, noch viel mehr Ellen Pages Durchbruch "Juno" aus dem Jahr 2008. Intelligente Filme mit viel Wortwitz, die ihre jugendlichen Helden und deren Pubertätsprobleme ernst genommen und aus ihren Hauptdarstellerinnen Stars gemacht haben. Das gelingt nicht oft. Aber jetzt wieder: in Will Glucks neuem Film "Einfach zu haben".

Leicht und einfach

Man nehme: eine junge und hübsche Hauptdarstellerin, von der schon lange alle sagen, aus der werde mal was, hier Emma Stone ("Zombieland", "Superbad"). Eine nicht zu originelle, aber auch nicht zu abgeschmackte Handlung, die an einen Klassiker der Weltliteratur angelehnt ist, hier "Der scharlachrote Buchstabe" (in "Clueless" war es Jane Austens "Emma"). Eine eher am Rande laufende Liebesgeschichte mit aufstrebendem Schönling, hier Penn Badgley aus "Gossip Girl". Dazu Dialoge, wie man sie eher von Mitte-20-Jährigen erwarten würde, Witze zur aktuellen Popkultur, ein bisschen albernen Slapstick und zum Spaß eine große Musicalnummer. Kräftig mischen und fertig.

Das schöne an "Einfach zu haben" ist, dass es tatsächlich so leicht und einfach aussieht, auch ohne besonders plausible Handlung. Weil sie vor ihrer besten Freundin nicht zugeben will, dass sie das Wochenende allein zu Hause verbracht hat, erfindet die schöne, aber angeblich total unauffällige Olive (Stone) eine Liebesnacht mit einem Studenten. Das bekommt Religionsfanatikern Marianne (Amanda Bynes) mit, die das Gerücht von Olives verlorener Unschuld sofort in Umlauf bringt und aus dem Mauerblümchen einen verruchten Star macht. Olive genießt die Aufmerksamkeit, bis sie ihr schwuler Kumpel Brandon (Dan Byrd) bittet, auch verbreiten zu dürfen, dass er mit ihr geschlafen habe, damit ihn dass Football-Team nicht weiter quäle. Und danach jeder, der sich vom angeblichen Sex mit Olive eine bessere soziale Stellung in der Schulhierarchie verspricht. Worauf sich Olives neues cooles Freigeist-Image schnell zu dem der zügellosen Schlampe wandelt.

Nichts davon ist sonderlich glaubwürdig, aber wer braucht glaubwürdig, wenn die Witze gut sind und die Schauspieler charmant. "Leicht zu haben" verkauft seine leicht altmodische Pro-Abstinenz-Botschaft mit genug Verve und latentem Sex, um dem Hipster zu gefallen und ohne Kirchgänger zu verprellen. Emma Stone bringt die ideale Mischung aus sanfter Verruchtheit und liebenswerter bester Freundin mit, und die Musicalnummer ist zwar wenig sinnvoll, aber umso mitreißender.

Ein großer Spaß alles in allem. Auch für Graugesichter.


Einfach zu haben. Von Will Gluck. Mit Emma Stone, Amanda Bynes, Stanley Tucci. Start: 11.11.

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insgesamt 13 Beiträge
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Seite 1
Das Grauen 11.11.2010
1. "Auch für Graugesichter"
Na, dann schau ich den latürnich auf jeden Fall an! Schön, daß der Spiegel diese Kino-Zielgruppe entdeckt hat. Allerdings frage ich mich, ob sich tatsächlich viele als Graugesicht outen werden. Hmm, wenn der Kritiker auch eins ist, sind wir schon zu zweit... :D
avollmer 11.11.2010
2. Trailer und Ausschnitte lassen Schlimmes befürchten
Hier wird wieder aus den USA eine perfide Botschaft nett verpackt unter die Leute gebracht, dass Hedonimus nur ein Mythos wäre und Promiskuität nur eine Legende. Auf trickreiche Weise, und wie man am Rezensenten merkt sogar erfolgreich, wird hier eines der Prinzipien der Moral Majority (dt. religiöse Minderheit) unter die Leute gebracht und versucht es zu verankern und zum Bestandteil der Sozialisation Heranwachsender zu machen. Manipulation par Excellence. Man sollte diesen Film auf die Liste der jugendgefährdenden Medien setzen, den er ist geeignet, die Entwicklung von Kindern oder Jugendlichen oder ihre Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit zu gefährden. Die Voraussetzungen des Jugendschutzgesetzes für eine Sperre sind damit gegeben. Als Vater würde ich meinen Kindern verbieten diesen Film zu besuchen und diesen Unsinn in ihre Köpfe zu lassen. Meine Kinder sollen nicht auf den Gedanken kommen, man könne sich um die notwendigen Erfahrungen und Lernprozesse beim Sex herummogeln. Dieser Film glorifiziert das Cheating, das Täuschen beim vorehelichen Sex. Die Leidtragenden sind dann die späteren Partner, die sich dann in einer Situation der Unerfahrenheit und mangelnden Erfahrung vorfinden, einer existentiellen Bedrohung für Zweierbeziehungen. Wer wünscht so etwas seinen Kindern? Da kann man sie gleich mit 15 zwangsverheiraten. Erbärmlich eine derartige Denkweise. Dieser Film ist gefährlich. Kinder und Jugendliche sollten ihn nicht ohne elterliche und kundige Kommentierung sehen. Am Besten meiden sie diesen Film ganz, sie werden zur Tea Party eingeladen ohne es zu wissen. Wertung: 0 von 5 Sternen
ToastedByLaw 11.11.2010
3. grrrrr
Zitat von sysopEin großer Spaß für Teenies und Kritiker, Hipster und Kirchengänger: In der Komödie "Einfach zu haben" wird ein Mädchen durch ihre vermeintliche Freizügigkeit*erst zum gefeierten Star, dann zur berüchtigten Schlampe. Der Film selbst dürfte*Hauptdarstellerin Emma Stone zum Star machen. http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,728377,00.html
He sie Rüpel! Heutzutage ist der gepflegte Mann um die 40 wohldurchblutet, sportive, jovial und innerlich nach wie vor in der Highscool. Graugesichtig! Ich höre wohl nicht recht... ;-) Ansonsten: Ich bin mal gespannt, wie der Film wird.
ToastedByLaw 11.11.2010
4. Hoppla
Ich kann Ihnen insoweit zustimmen, dass verpackte Botschaften in Filmen immer mit Vorsicht zu geniessen sind. Allerdings halte ich die latente "Message" (um bei Ihrem Fachgermisch zu bleiben) der heilsbringenden amerikanischen Armee, Atombombe und Militärhirarchie, die aus jedem frechen Jungen einen aufrechten amerikanischen Helden machen kann, um das 1000 fach mehr als die subtile Verpackung gesellschaftlicher "Moral". Botschaften und moralische Zeigefinger gibt es in allen Filmen und von allen Gruppen. Von der Tea Party bis zum geriatrischen Kaffekränzchen. Es gibt ebenso viele Filme, die das Thema Sex, Drogen und Rock'n Roll so verherrlichen, dass unsere Jugendlichen nicht weniger unter Druck und Stress geraten. Mich regt es genauso auf, wenn den Jugendlichen permanent vorgegauckelt wird, dass die Protagonisten in den Filmen scheinbar schon mit 13 alles erlebt haben müssen. Ich habe Kinder in der Zielgruppe. Ich mache ihnen keine Vorschriften, welche (altersgerechten) Filme sie anzusehen haben und welche nicht. Natürlich versuche ich meinen Einfluß und meine Sichtweise dabei mit einfliessen zu lassen. PS: Wenn man wegen anfänglicher Sexprobleme ("mangels Erfahrung") gleich die Beziehung in die Ecke wirft, war es sowieso nix.
faustjucken_de 11.11.2010
5. ...
Was geilen sich die Amis immer nur an dem Thema Sex vor der Ehe so auf? Ist ein totaler Fetisch von denen.
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