Kino- und TV-Star: Gisela Uhlen gestorben

Eine lange und bewegte Karriere: Gisela Uhlen war ein Star des NS-Erbauungskinos und drehte in den siebziger Jahren mit Fassbinder. Noch im hohen Alter glänzte sie in der TV-Serie "Forsthaus Falkenau". Nach langer Krankheit ist die Schauspielerin und Autorin im Alter von 87 Jahren gestorben.

Köln - Gisela Uhlen erlag heute in Köln einer längeren Krankheit, erfuhr die Nachrichtenagentur dpa aus dem Familienkreis der Künstlerin. Die 1919 als Gisela Friedlinde Schreck in Leipzig geborene Schauspielerin und Tänzerin stand 1936 zum ersten Mal auf der Bühne. Die Tochter eines Opernsängers beschloss mit 15 Jahren, Schauspielerin zu werden und wählte den Künstlernamen Uhlen.

Schauspielerin Uhlen: Bewegte Karriere
DPA

Schauspielerin Uhlen: Bewegte Karriere

Noch bevor sie am Theater reüssiert, macht sie Probeaufnahmen bei der Ufa und bekommt die Hauptrolle in der Romanze "Annemarie". Kurz darauf holt Heinrich George das aufstrebende Talent ans Staatstheater in Bochum, wo sie bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs bleibt.

Der laut dem Deutschen Filmportal nationalistisch gefärbte Film "Annemarie" wird 1945 mit einem Aufführungsverbot belegt. Uhlen dreht zwischen 1936 und 1945 noch zahlreiche weitere Unterhaltungsfilme, die von den Nationalsozialisten als Propaganda-Plattformen missbraucht wurden. In Erbauungsfilmen wie "Zwischen Himmel und Erde" und "Zwischen Hamburg und Haiti" spielt sie Soldatenbräute.

Doch ihre Rolle im NS-Kino übersteht Uhlen unbeschadet. Nach Kriegsende darf sie als offiziell "nicht betroffene" Schauspielerin wieder am Theater arbeiten und schreibt gemeinsam mit ihrem dritten Ehemann Hans Bertram das Drehbuch zu dem Generationen-Drama "Eine große Liebe" (1949), in dem sie auch die Hauptrolle spielt. Der Film floppt jedoch ebenso wie Bertrams nächste Regiearbeit "Türme des Schweigens" (1952), in dem sie ebenfalls mitwirkt.

Uhlen lässt sich scheiden und heiratet den Schauspieler Wolfgang Kieling. Im Sorgerechtsstreit mit Bertram um die gemeinsame Tochter Barbara, heute ebenfalls Schauspielerin, flieht Uhlen mit Kieling über die Schweiz in die DDR, wo sie Engagements am Deutschen Theater Ost-Berlin bekommt und zahlreiche Defa-Filme dreht. Doch schon 1958 kehrt sie in den Westen zurück, um am Berliner Schiller-Theater zu spielen.

Nach der Trennung von Kieling heiratet sie den Defa-Regisseur Herbert Ballmann, in dessen Filmen sie auch mitspielt. Mitte der Fünfziger beginnt Uhlen auch fürs Fernsehen zu arbeiten, eine Betätigung, die immer mehr in den Vordergrund rückt. Ab Mitte der siebziger Jahre ist sie kaum noch im Kino zu sehen, allerdings endet ihre Zelluloid-Karriere mit einem Deutschen Filmpreis in Gold, den sie für ihre Darstellung der Mutter in Rainer Werner Fassbinders "Die Ehe der Maria Braun" (1979) verliehen bekommt.

Hochbetagt machte Gisela Uhlen noch vor wenigen Jahren als Oma Inge in der Fernsehserie "Forsthaus Falkenau" von sich reden. In den letzten Jahren lebte sie jedoch zurückgezogen in Köln. Ihre jüngere Tochter Susanne - aus der Ehe mit Wolfgang Kieling, ist ebenfalls eine bekannte Schauspielerin. Die bewegte Geschichte ihres Lebens hat Gisela Uhlen in mehreren Büchern verarbeitet, darunter "Mein Glashaus" (1978) und "Meine Droge ist das Leben" (1993).

bor

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