Zombiekomödie "Juan of the Dead" Wir töten Ihre Liebsten!

In Alejandro Brugués' Horrorparodie "Juan of the Dead" muss Kuba mit einer ganz neuen Art von Dissidenten fertig werden: Zombies. Strategie: Erst mal weitermachen wie immer.

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Über 50 Jahre lang wartet Kuba nun darauf, dass der imperialistische Feind einfallen könnte, kein Wunder, dass da anfangs niemand ein paar versprengte Staatsgegner ernst nimmt. Auch wenn die neuen Revolutionsgegner ein bisschen anders drauf sind als sonst: außergewöhnlich ungepflegt, stark nach Verwesung riechend und ohne klare politische Forderungen. Aber sie haben die Angewohnheit, die Menschen in ihrer näheren Umgebung zu fressen, und wenn das nicht staatszersetzend sein soll, was dann?

Wie der Rest macht sich aber auch Juan (Alexis Díaz de Villegas) erst mal keine Sorgen, als er beim Fischen aus Versehen einen dieser Unruhestifter harpuniert. Aber er ist ohnehin nicht so der besorgte Typ. Mit Anfang vierzig lebt er in Havanna in den Tag hinein, macht bei Gelegenheit hier und da zweifelhafte Geschäfte, schläft mit der verheirateten Nachbarin von gegenüber und hängt sonst mit seinem besten Freund Lázaro (Jorge Molina) rum. Seine Frau ist ihm längst weggelaufen, und seine Tochter ist in Miami. Nicht, dass er dort auch hinwollte, denn "da müsste man ja arbeiten".

Geld verdienen müsste gehen

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Zombiekomödie "Juan of the Dead": Wir töten Ihre Liebsten!
Aber Juan ist nun einmal der Held in Alejandro Brugués' Horrorkomödie "Juan of the Dead", und das bedeutet, dass er sich irgendwann doch aufrafft, der zunehmenden Untotenplage Herr zu werden. Nicht, weil sie ihm im sowieso verfallenden Havanna überhaupt groß aufgefallen wäre ("sieht doch aus wie immer hier") oder weil das Staatsfernsehen zu Demonstrationen gegen die "offensichtlich von den USA gesteuerten Dissidenten" aufrufen würde. Aber Geld damit verdienen, das müsste doch gehen. Denn kaum jemand bringt es übers Herz, seinen nächsten Verwandten die Köpfe abzuschlagen, nur weil die sich in blutrünstige Menschenfresser verwandelt haben. Also schnappt sich Juan ein paar Paddel und Macheten und gründet mit seinen Freunden ein Kleinunternehmen. Der Slogan ist schnell gefunden: "Juan of the Dead - Wir töten ihre Liebsten".

Tja, und das tun sie dann auch. Möglichst brutal natürlich, denn Regisseur Brugués weiß, dass für jeden Zombiefilm ein gewisses Mindestmaß an Blut und Gedärmen nötig ist, um die Fanbasis bei Laune zu halten. Aber wie bei so vielen Untotenfilmen der letzten Jahre geht es hier weniger um Angst und Schrecken als um puren Spaß. Und was den betrifft, nimmt Brugués jede Gelegenheit wahr, die sich bietet - von nahezu feinsinnig parodistischer Systemkritik, über absurden Splatter, bis zu den üblich derben Sprüchen wird alles aufgefahren, was irgendwie Witz haben könnte. Ein Transvestiten-Untoten-Tango - warum nicht? Eine Autorampe aus Zombiekörpern - her damit! Mörderische Opis - geht immer. Nicht jeder Gag sitzt, aber in "Juan of the Dead" gibt es so viele davon, dass die Trefferdichte am Ende ziemlich hoch ausfällt. Und mehr braucht es ja eigentlich nicht.

Einiges kommt einem vielleicht ein bisschen bekannt vor, besonders wenn man Edgar Wrights Zombie-Spaß "Shaun of the Dead" aus dem Jahr 2004 kennt, der nicht nur bei der Titelgebung Vorbild gewesen sein dürfte. Aber das macht ja nichts, solange es immer was zu lachen gibt.


Juan of the Dead. Start: 12.4. Regie: Alejandro Brugués. Mit Alexis Díaz de Villegas, Jorge Molina, Andrea Duro.

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skeptiker81 12.04.2012
1.
Zitat von sysopPandastorm PicturesIn Alejandro Brugués' Horrorparodie "Juan of the Dead" muss Kuba mit einer ganz neuen Art von Dissidenten fertig werden: Zombies. Strategie: Erst mal weitermachen wie immer. http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,826934,00.html
Oder aber die Macher haben sich wie "Shaun of the Dead" bei dem Film "Dawn of the Dead" bedient, der 1978 erschien...
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