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Kinobranche: Deutsche Filme sorgen für Euphorie und Umsatz

Flaute überwunden: Die deutsche Kinobranche jubelt über das vergangene Filmjahr. Deutsche Produktionen wie "(T)Raumschiff Surprise" und "Der Untergang" lockten ein Millionenpublikum, Hollywood-Blockbuster wie "Shrek 2" und "Spider-Man 2" sorgten für ein Besucherplus von zwölf Prozent gegenüber 2003.

Bully-Erfolg "(T)Raumschiff Surprise": Erfolgreichster Film des Jahres
Constantin Film

Bully-Erfolg "(T)Raumschiff Surprise": Erfolgreichster Film des Jahres

Berlin - Nach einem verlustreichen 2003 hat sich das zu Ende gehende Kinojahr mehr als erfreulich entwickelt - auch dank des Erfolges deutscher Produktionen. Es sei "eines der besten Jahre der letzten Jahrzehnte", freut sich der Geschäftsführer des Verbandes der Filmverleiher, Johannes Klingsporn.

In den ersten neun Monaten kamen mit über 115 Millionen Zuschauern rund 12,7 Millionen mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres in die Kinos. Für das Gesamtjahr rechnet Klingsporn mit 160 bis 165 Millionen Besuchern nach 149 Millionen im Jahr 2003. Bis etwa Anfang Dezember erreichte die Filmwirtschaft seinen Angaben zufolge ein Plus bei den Besuchern von knapp zwölf Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Beim Umsatz schnitt 2004 um zehn Prozent besser ab als das Vorjahr.

Auch der Vorstand der Filmförderungsanstalt (FFA), Peter Dinges, ist geradezu euphorisch: "Was die Qualität des deutschen Films angeht, so wird 2004 womöglich das beste Jahr des letzten Jahrzehnts werden. Was die wirtschaftliche Situation betrifft, darf die Flaute der vergangenen Jahre wohl als endgültig überwunden gelten."

Szene aus "Der Untergang" (mit Bruno Ganz): Hitler-Drama lockte über 4,2 Millionen Zuschauer
Constantin Film

Szene aus "Der Untergang" (mit Bruno Ganz): Hitler-Drama lockte über 4,2 Millionen Zuschauer

Zwar ist die FFA mit einer Gesamteinschätzung zurückhaltend. Aber sowohl Besucher als auch Umsatz werden Dinges zufolge deutlich über denen des vergangenen Jahres liegen. In etwa würden die Zahlen von 2002 erreicht, und das sei - nach dem Boomjahr 2001 - das zweitbeste Kinojahr nach der Wende gewesen.

Der deutsche Film sei so stark wie lange nicht mehr gewesen, betont Klingsporn, der aber auch insgesamt für 2004 eine "unheimlich gute Filmversorgung" ausmacht. Der erfolgreichste deutsche Film war mit 9,2 Millionen Besuchern die Bully-Komödie "(T)Raumschiff Surprise - Periode 1". Mehr Zuschauer lockte in Deutschland nur der dritte "Herr der Ringe"-Film "Die Rückkehr des Königs", der jedoch mehr als 4 Millionen seiner insgesamt 10,4 Millionen Besucher bereits im Dezember 2003 beeindruckt hatte.

Darstellerin Sibel Kekilli in "Gegen die Wand": Preise für den deutschen Film
Wüste Film

Darstellerin Sibel Kekilli in "Gegen die Wand": Preise für den deutschen Film

Der Otto-Filmspaß "7 Zwerge - Männer allein im Wald" kam auf etwa 6,2 Millionen Zuschauer, Oliver Hirschbiegels Hitler-Drama "Der Untergang" zog mehr als 4,2 Millionen Besucher in die Kinos. Die Edgar-Wallace-Parodie "Der Wixxer" brachte es immerhin auf 1,8 Millionen Zuschauer.

Die deutschen Produktionen hatten aber auch bei der ganz jungen Zielgruppe Erfolg: "Lauras Stern", "Bibi Blocksberg und das Geheimnis der blauen Eule" und "Das Sams in Gefahr" schafften es jeweils über die Millionen-Marke.

Weingartner-Film "Die fetten Jahre sind vorbei" (mit Daniel Brühl und Julia Jentsch): Einladung nach Cannes
Delphi Filmverleih / Dirk Plamböck

Weingartner-Film "Die fetten Jahre sind vorbei" (mit Daniel Brühl und Julia Jentsch): Einladung nach Cannes

In den ersten neun Monaten des Jahres sahen sich nach FFA-Angaben 23,5 Millionen Filmfans eine deutsche Produktion im Kino an. Das entspricht einem Marktanteil von 20,7 Prozent. Das sei das beste Ergebnis für den deutschen Film seit Beginn der FFA-Datenerfassung 1995.

Abseits der starken Umsätze räumte der in Hamburg lebende Deutsch-Türke Fatih Akin, 31, mit seinem Immigrantendrama "Gegen die Wand" einen Preis nach dem anderen ab. Der Goldene Bär der Berlinale war nur der Auftakt, mit dem Deutschen und dem Europäischen Filmpreis machte Akin den Hattrick komplett. Auch auf Festival-Teilnahmen können deutsche Filmemacher wieder hoffen, nachdem der Österreicher Hans Weingartner mit "Die fetten Jahre sind vorbei" nach Cannes eingeladen wurde.

"Die neue Generation der deutschen Filmemacher hat einen eigenen Blick auf die deutsche Geschichte ebenso wie auf die Geschichten des neuen deutschen Alltags gefunden - und den ebenso genial wie unterhaltsam umgesetzt", erklärt der FFA-Vorstand den Erfolg des einheimischen Kinos. Auch bei den Komödien habe sich gezeigt, dass der "Schuh des Manitu" kein Zufall gewesen sei: Man könne nun "Kult in Serie" produzieren, meinte Dinges.

Hollywood-Blockbuster "Shrek 2": Kassenträchtiges Sequel
REUTERS

Hollywood-Blockbuster "Shrek 2": Kassenträchtiges Sequel

Doch natürlich machen die großen Hollywood-Produktionen noch immer den Löwenanteil der deutschen Kino-Umsätze aus. Immerhin: Auch dort mischten die Deutschen in diesem Jahr kräftig mit. Wolfgang Petersen und Roland Emmerich festigten mit dem Historienepos "Troja" und der Umwelt-Apokalypse "The Day After Tomorrow" ihren Ruf als zuverlässige Blockbuster-Regisseure. Ansonsten lieferte die Traumfabrik jedoch nur wenig frische Ideen und setzt auf bewährte Erfolgsformeln. Kein Wunder also, dass gleich drei Sequels - "Harry Potter 3", "Shrek 2" und "Spider Man 2" - die Hitliste der weltweit erfolgreichsten Filme 2004 anführen.

Vorhersagen lasse sich in der Filmbranche zwar fast nichts, sagt Peter Dinges, dennoch gibt sich der FFA-Chef mit Blick auf das kommende Jahr optimistisch: "Ich bin aber zuversichtlich, dass der Schwung des Jahres 2004 auch ins nächste Jahr trägt." Mit "Star Wars - Episode 3" (Deutschlandstart im Mai) wartet immerhin schon ein potenzieller Hollywood-Kassenknüller auf seine Auswertung.

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