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Kinohit "The Kids Are All Right": Lesben, Liebe, Lebensglück

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Mama, Mama, Tochter, Sohn - die Familienkomödie "The Kids Are All Right" erzählt von einem Lesbenpaar und ihren Kindern, die mit Samenspenden gezeugt wurden. Drei Hollywoodstars in bester Spiellaune machen aus dem Zeitgeist-Thema einen Kinospaß, der das Herz berührt.

"The Kids Are All Right": Die neue amerikanische Familie Fotos
Universal Studios

Was für ein Film soll das denn sein? Eine Familienkomödie? Ein Ehedrama? Soll dieses lesbische Pärchen die Normalität von gleichgeschlechtlichem Familienleben demonstrieren? Oder sollen die beiden miteinander verheirateten Mütter konservative Familienwerte im neuen Gewand verkaufen?

"The Kids Are All Right" gibt keine eindeutigen Antworten auf diese Fragen. Der Film bildet sich aber auch nichts auf die Zeitgeistigkeit seines Themas ein - sondern macht, was gute Filme nun mal machen: Er reißt sein Publikum mit.

Ab dem ersten Bild ist man mittendrin im Leben dieser Familie. Man lacht mit, schämt sich mit, sorgt sich mit, kurzum: Man lebt mit, und das überaus gern.

Seit über 20 Jahren sind Nic (Annette Bening) und Jules (Julianne Moore) ein Paar. Beide haben jeweils ein Kind von demselben anonymen Samenspender bekommen. Während Jules zu Hause geblieben ist, um die Kinder großzuziehen, hat sich Nic als Ärztin etabliert und das Geld für ein komfortables Leben in einem Vorort von Los Angeles verdient.

Jetzt steht der Familie der erste große Bruch bevor. Tochter Joni (Mia Wasikowska, "Alice im Wunderland") ist soeben volljährig geworden. Bald wird sie zum Studieren wegziehen.

Alles gerät in Bewegung

Viel mehr Unruhe als der bevorstehende Umzug stiftet aber ein ganz anderer Umstand. Als Volljährige hat Joni nun das Recht, Kontakt mit ihrem leiblichen Vater aufzunehmen. Joni selbst liegt wenig daran, doch ihr 15-jähriger Bruder Laser (Josh Hutcherson) drängelt. Gemeinsam treffen sie schließlich ihren Spender-Dad Paul (Mark Ruffalo), einen genussfreudigen Restaurantbesitzer, der gar nicht wusste, dass mit seinem Samen einst Kinder gezeugt wurden.

Die ersten Begegnungen verlaufen krampfig, doch mit jedem weiteren Treffen öffnet sich die Familie ein Stück mehr für Paul - und Paul sich der Familie. Der überzeugte Junggeselle ist selbst überrascht davon, wie schnell er sich für seine Kinder und ihr gemütliches Zuhause erwärmen kann.

Doch genau damit gefährdet er das, was er begehrt. Laser ist auf der Suche nach männlichen Vorbildern, Joni will sich von ihren Mütter emanzipieren, Jules möchte beruflich wieder Fuß fassen. Ihnen allen hilft Paul unbewusst dabei, ihre Rolle in der Familie neu zu definieren. Nur Nic bleibt außen vor. Sie will nicht, dass sich irgendetwas ändert. Und muss doch zuschauen, wie alles unaufhaltsam in Bewegung gerät.

Dürfen Lesben spießig sein?

Eine Familie an einem Wendepunkt, eine Ehe kurz vor dem Aus - Regisseurin Lisa Cholodenko ("High Art", "Laurel Canyon") schafft es, aus diesen scheinbar unglamourösen Themen schillernden Filmstoff zu machen. Dabei helfen die hochtourigen Dialoge, in denen die Pointen kaum abreißen, und auch einige schamlose Slapstick-Szenen. Vor allem aber hat Cholodenko ein wunderbares Schauspieler-Ensemble zusammengefügt.

Für Annette Bening markiert die Rolle der Matriarchin Nic einen Karrierehöhepunkt. Man spürt den subtilen Druck, den sie als Familienoberhaupt auf die anderen ausübt - und leidet doch mit ihr, als diese sich von ihr abwenden. Die Chemie zwischen Bening und Moore stimmt absolut, genauso wie letztere auch mit Mark Ruffalo harmoniert. Ruffalo ("Shutter Island", "Zodiac") spielt dabei das, was er am besten kann: den unbedingt liebenswerten Zausel.

Gemeinsam tragen die drei einen Film, der sich nur dem Namen nach um Kinder dreht. Tatsächlich stehen die Erwachsenen und ihre Lebensentwürfe im Mittelpunkt. Was will man von seinem Leben? Mit wem will man das? Und vor allem: Wie lange hält man das zusammen aus?

Seit fast einem Jahr hält der Siegeszug von "The Kids Are All Right" nun schon an. Erst wurde der Film zum Publikumsliebling beim Sundance-Festival, dann Wettbewerbsbeitrag bei der Berlinale, im Sommer schließlich ein kleiner Kassenhit in den USA. Jetzt kommt er endlich in Deutschland in die Kinos - und noch immer dauert die Diskussion an, welche Botschaft der Film eigentlich vermitteln will.

"The Kids Are All Right" legt nahe, dass das Glück in der Familie liegt. Das kann man reaktionär finden, egal, welche sexuelle Orientierung man hat. Es müssen ja nicht immer Eltern, Kinder, Eigenheim und Kombi sein. Aber dürfen Homosexuelle nicht auch spießig sein? Gerade wem an der Vielfalt von Lebensentwürfen gelegen ist, dürfte es schwerfallen, lesbischem Traditionalismus die Daseinsberechtigung abzusprechen. Und wer bislang Berührungsängste mit gleichgeschlechtlichen Elternpaaren hatte, findet hier einen niedrigschwelligen Zugang.

Wer jenseits der geschlechterpolitischen Gewissensfragen schaut, kriegt aber am meisten geboten: nämlich einen unwiderstehlich warmherzigen Film.

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insgesamt 16 Beiträge
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1.
rennix, 18.11.2010
Großartiger Film. Einer der Besten des Jahres. Nur zum Schluß etwas arg versöhnlich. Annette Bening ist hier wirklich unglaublich gut...
2. Scheint eine sehr gute......
Realo, 18.11.2010
....Komödie mit "Tiefgang" zu sein !!? Das ist selten.
3. ...
kimba2010 18.11.2010
Furchtbar, dieser Gender Mainstreaming, Patchwork Family und Homo Quark.
4. nicht gut
Matha-1 18.11.2010
mir hat er nicht gefallen...zu viele Länge, Klisches und am Ende sind alle wieder lieb zu einander und der "böse Eindringlig" ist wieder weg...
5. nein
tiescher12 18.11.2010
Zitat von kimba2010Furchtbar, dieser Gender Mainstreaming, Patchwork Family und Homo Quark.
toll ist dieser ganz normale wunderbar erzählte unaufgeregte Film. Danke endlich mal wieder ein guten film.
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