Kinokomödie "Das Schmuckstück" Gattin probt den Arbeitskampf

Boulevardkomödie? Gesellschaftsatire? Siebziger-Jahre-Farce? Der Film "Das Schmuckstück" über eine Unternehmergattin, die unfreiwillig zur Firmenretterin aufsteigt, ist all das - aber vor allem eine herrliche Hommage an seine Hauptdarstellerin Catherine Deneuve.

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Concorde Filmverleih

Ach, Catherine Deneuve. So richtig schlecht kann ein Film nicht sein, wenn sie darin auftaucht. Oder kaum einer. Vielleicht ist sie der letzte wirkliche große Kinostar auf der Welt, eine lebende Legende, die den Namen auch verdient. Deneuve hat noch diese Aura der Unerreichbaren, eines mysteriösen Wesens, das gewöhnliche Sterbliche nur aus der Ferne bewundern dürfen, weil man vom strahlenden Glanz pulverisiert würde, wenn man ihm zu nahe käme. Sie ist mittlerweile 67 Jahre alt und schöner als jedes blonde Hollywood-Sternchen Mitte 20. Talentierter sowieso. Große Gesten hat sie nicht nötig, denn sie hat diese Augen, die in Großaufnahme eine Leinwand füllen und mehr sagen können als jeder Dialog. Ach!

In etwa so wird auch der französische Regisseur François Ozon von ihr denken, denn in seinem neuen Film "Das Schmuckstück" inszeniert er die große Schauspielikone Frankreichs nach dem ersten gemeinsamen Erfolg "8 Frauen" schon zum zweiten Mal als Überfrau in den besten Jahren. Eine, die ihr Leben an einen Ehemann zu verschwenden scheint, und Geheimnisse hütet, die niemand ihr jemals zugetraut hätte.

Doch Deneuves Gaby aus "8 Frauen" war auch kühl und intrigant. Ihre Suzanne Pujol in "Das Schmuckstück" ist eher das, was Deneuve für den Durchschnittscineasten ohnehin schon ist: eine Heilige.

Doch am Anfang ist sie noch ganz die brave Ehefrau. Als in die Jahre gekommene Gattin eines unfreundlichen Regenschirmfabrikanten (Fabrice Luchini) verbringt sie ihren Alltag im Jahr 1977 am liebsten damit, im roten Jogginganzug durch den Wald zu laufen und sich an der Tierwelt zu erfreuen. Sonst gibt es nicht viel zu tun, als gelangweilt in der Villa zu sitzen und ihrem schlecht gelaunten Mann zuzuhören, wenn er mal nicht auf seiner Sekretärin liegt. Sein größtes Problem sind die wütenden Angestellten, die gerechtere Bezahlung und Behandlung fordern, die er aber nur für nichtsnutzige Krawallmacher hält. Suzanne denkt darüber anders, wird aber belehrt, dass sie bitte die Meinung ihres Mannes teilen solle, wenn sie unbedingt eine äußern müsse. Suzanne wird klar, dass sie nichts ist als ein dekoratives Anhängsel, ein Schmuckstück, schön aber stumm.

Ähnlichkeiten mit Sarkozy sind beabsichtigt

Doch sie bekommt ihre Chance. Im Arbeitskampf erleidet ihr Mann einen Herzanfall und wird zwecks Kur auf eine Kreuzfahrt verbannt. Sie ist nun die Chefin der Fabrik und holt sich Rat beim kommunistischen Bürgermeister (souverän: Gérard Depardieu), mit dem sie zufällig mal eine Affäre hatte. Sie überrascht die Belegschaft mit Verständnis, aber auch mit unternehmerischem Geist. Sie holt ihren Sohn (Jérémie Renier) als ähnlich denkenden Verbündeten und als Schirm-Designer ins Boot und gibt auch der Tochter (Judith Godrèche) einen Job, obwohl die eher auf Linie des Vaters ist. Unternehmertum mit Herz heißt Suzannes Schlüssel, und natürlich ist es der Schlüssel zum Erfolg. Doch ihr Mann wird wiederkommen, und er wird nicht glücklich sein.

Man kann "Das Schmuckstück" als böse Gesellschaftssatire verstehen, wenn man will, denn die Ähnlichkeit zwischen dem fiesen Unternehmer im Film und Nicolas Sarkozy in der Realität kostet Regisseur Ozon so lustvoll aus, dass er der Filmversion sogar einen Wahlkampfslogan des Originals in den Mund legt: "Wer mehr Geld will, muss mehr arbeiten!". Auch das Madame Pujol irgendwann politische Ambitionen bekommt und dabei Ähnlichkeiten zu Ségolène Royal entwickelt, Sarkozys sozialistischer Gegenkandidatin bei der letzten Präsidentschaftswahl, ist nicht wirklich zufällig.

Doch wie schon "8 Frauen" basiert der Film auf einem Boulevard-Theaterstück, weswegen es manchmal ein bisschen betulich und bühnenhaft zugeht, und man nicht alles allzu ernst nehmen sollte. In erster Linie geht es auch um etwas ganz anderes. Denn sowohl die leichte, munter dahin tanzende Komödie, als die "Das Schmuckstück" funktioniert, wie auch die elegante Farce, sind in erster Linie Vorwand für ein leidenschaftliches Denkmal der Catherine Deneuve.

Dem Ansatz ist schon aus Prinzip zuzujubeln. Dass nebenbei ein schöner, spaßiger Film für den beginnenden Frühling herausgekommen ist - umso besser.

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insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
fallobst24 23.03.2011
1. hmm
Der Plot hört sich ja geradezu lächerlich naiv und ekelhaft kitschig an. Ein bisschen Ego, ein bisschen Mund aufmachen und gut sein und auf einmal ist alles Friede Freude Eierkuchen. Ja klar, bei Shows für Senioren und Hausfrauen vielleicht... Vielleicht glauben ja deshalb viele unserer Politiker, dass wir eine Frauenquote bitter nötig hätten. Am besten eben für Frauchen mit Herz und Jogginganzug. Die Qualifikation ist da schließlich Nebensache.
README.TXT 23.03.2011
2. Nennt mir einen guten Film mit dieser Frau
Die letzten drei die ich gesehen habe: Die letze Metro Ekel Belle de Jour M.M. kann sie nicht schauspielern und ist völlig überbewertet.
beutzemann 23.03.2011
3. .
Zitat von README.TXTDie letzten drei die ich gesehen habe: Die letze Metro Ekel Belle de Jour M.M. kann sie nicht schauspielern und ist völlig überbewertet.
*Sie* und *Fallobst24* können eine Frau nicht von einer "käuflichen" unterscheiden. Eine Kritik steht Ihnen Beiden nicht zu. Liebe Grüße, Beutz.
caligerman 23.03.2011
4. *kicher*
Zitat von fallobst24Der Plot hört sich ja geradezu lächerlich naiv und ekelhaft kitschig an. Ein bisschen Ego, ein bisschen Mund aufmachen und gut sein und auf einmal ist alles Friede Freude Eierkuchen. Ja klar, bei Shows für Senioren und Hausfrauen vielleicht... Vielleicht glauben ja deshalb viele unserer Politiker, dass wir eine Frauenquote bitter nötig hätten. Am besten eben für Frauchen mit Herz und Jogginganzug. Die Qualifikation ist da schließlich Nebensache.
Es sind doch eigentlich nur die fragilsten Männerpusteblumen, die zartesten Seelchen, die schon bei der geringsten Erwähnung der Frauenquote hier hysterisch werden, und eigentlich fast besessen davon sind. Ein richtiger Mann kommt damit locker klar. Ein Küsschen an alle gelassenen Männer hier!
gemamundi 23.03.2011
5. Der PLOT beruht auf einem älteren und bewährten Theaterstück
Zitat von fallobst24Der Plot hört sich ja geradezu lächerlich naiv und ekelhaft kitschig an. Ein bisschen Ego, ein bisschen Mund aufmachen und gut sein und auf einmal ist alles Friede Freude Eierkuchen. Ja klar, bei Shows für Senioren und Hausfrauen vielleicht... Vielleicht glauben ja deshalb viele unserer Politiker, dass wir eine Frauenquote bitter nötig hätten. Am besten eben für Frauchen mit Herz und Jogginganzug. Die Qualifikation ist da schließlich Nebensache.
Offenbar nicht gesehen - plus Unkenntnis über die gute Bühnenvorlage. Gut,daran hätte auch mal die Rezension denken können. Wahrlich kein Filmchen eine intelligente klassische Boulevardkomödie =(das hat nix mit Milli Willowitsch oder so zu tun,eher Feydeau) in aktuellem politisch-kritischen Gewand - bezieht Stellung gegen SAKOTZI und Konsorten - na,nun interessanter - ein bißchen wenigstens bitte...?!? Mich beschleicht doch immer der Verdacht,das Menschen,die die Kraft und Schauspielkunst einer DENEUVE nicht spüren,andererseits Darstellerinnen und vorgeblich-vergebliche Schauspielerinnen wie die drei deutschen Betroffenheitsmaschinen Ferres/Frustwängler/Neubauer aber goutieren... Hmm.
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