Kinokomödie mit Kirsten Dunst: Böse Mädchen, ein Leben lang
Erst etwas Koks, dann die Braut fertigmachen: Die derbe Kinokomödie "Die Hochzeit unserer dicksten Freundin" zeigt drei besonders böse Brautjungfern. Mit Kirsten Dunst und Rebel Wilson bietet der Film sogar Stars. Doch seine Stärke ist nicht der Humor, sondern sein gnadenloser Blick.
"I'm a 90s bitch", singt das schwedische Elektro-Duo Icona Pop in seinem aktuellen Hit "I Love It", und so könnte auch die Selbstbezeichnung von Regan, Katie und Gena lauten. 1999 haben die drei zusammen die Highschool abgeschlossen und sich seitdem kaum verändert. Die Verachtung für ihre dicke Freundin Becky ist geblieben, die Essstörungen und die Beziehungsunfähigkeit auch. Nur der Drogenkonsum hat sich vielleicht etwas gesteigert.
Doch dann vermeldet ausgerechnet Becky, dass sie als erste aus der Clique heiraten wird - und die Missgunst und Rücksichtslosigkeit der drei Brautjungfern führen in eine chaotische Nacht, in deren Verlauf Blut, Sperma und Erbrochenes nicht nur auf dem Brautkleid landen.
Eine Chaostruppe von Frauen in einer deftigen Hochzeitskomödie? Was nach einer Kopie des Überraschungshits "Brautalarm" klingt, ist in Wahrheit die Verfilmung des Theaterstücks "Bachelorette", das bereits 2010 in den USA lief. Die Autorin Leslye Headland hat nun ihr eigenes Werk fürs Kino adaptiert und mit dem Film gleichzeitig ihr Regiedebüt abgeliefert.
Umso überraschender ist es, was für ein hochkarätiges Ensemble ihr zur Verfügung gestanden hat: Kirsten Dunst (Regan) ist in ihrem ersten Film seit dem Karrierehöhepunkt "Melancholia" zu sehen, Isla Fisher (Katie) hat mit ihrer Hauptrolle in "Shopaholic" für Aufsehen gesorgt, Lizzy Caplan (Gena) steht nach kleineren Rollen in "New Girl" und "Party Down" vor dem Durchbruch, und von Rebel Wilson (Becky) wollte man nach ihrem Auftritt als unmögliche Mitbewohnerin in "Brautalarm" sofort mehr sehen.
Der Stripper sprengt den Abend
In den USA reichte diese Mischung aus, um dem Film zu einem besonderen Rekord zu verhelfen: "Die Hochzeit unserer dicksten Freundin" war der erste Film, der vor seinem Kinostart auf iTunes lief und dabei gleich auf Platz eins der Download-Charts kletterte. Für die Produktionsfirmen und den Verleih haben die neuen Verwertungsmodelle den Vorteil, dass sie nicht mehr die große Werbetrommel anschmeißen müssen, derer es für einen landesweiten Kinostart bedarf. Und die Zuschauer haben die freie Wahl, ob sie das Fernsehsofa verlassen oder lieber zu Hause bleiben wollen.
Im Fall von "Die Hochzeit unserer dicksten Freundin" empfiehlt es sich in jedem Fall, zu Hause zu bleiben - egal, ob man den iTunes-Store besucht oder nicht. Denn der Film weiß erstaunlich wenig mit seinem Material und seinen Schauspielerinnen anzufangen.
Mit einer überaus bösen Szene beginnt die Nacht vor Beckys Hochzeit. Gena hat für den Junggesellinnenabschied einen Stripper bestellt. Doch als der die Braut inmitten seiner umjubelten Nummer plötzlich bei ihrem Highschool-Schimpfnamen "Pigface" nennt, ist der Spaß schon vorbei. Woher er den Namen kennt, ist klar: von den ziemlich schlechtesten Freundinnen, die man sich vorstellen kann. Warum das aber nicht zum endgültigen Zerwürfnis führt, ist unklar. Und warum die Brautjungfern noch mehr Lust auf Ärger haben und sich zu zweit in das Kleid der üppigen Becky zwängen, das daraufhin reißt, ist noch unklarer.
Hätte sich "Die Hochzeit unserer dicksten Freundin" an die "Hangover"-Formel gehalten und wäre einfach durch eine wilde Nacht gehetzt, wäre der Film wohl unterhaltsamer geworden. Doch Regisseurin und Autorin Headland will noch etwas über Männer und Frauen, Freunde und Freundinnen erzählen. Deshalb sind zwischen die zum Teil zotigen Gags gewichtige Dialoge gestreut - zum Beispiel ein klärendes Gespräch zwischen Gena und ihrem Ex-Freund Clyde (Adam Scott) darüber, warum er sie zu Highschool-Zeiten nicht zu einer Abtreibung begleitet hat. Weil die Charaktere zu grob gezeichnet sind und Headland zu oft den Tonfall wechselt - auch innerhalb einer Figur - überzeugen die ernsthafteren Momente kaum.
Interessanter, weil gnadenloser, ist der Film hingegen als beiläufig gezeichnetes Generationenporträt: Ihre Thirtysomethings haben sich emotional nie von ihrer Jugend lösen können. Die Popkultur ihrer Schulzeit ist ihr innerer Kompass, nicht die danach angehäufte Lebenserfahrung. Wenn etwa Genas Typologisierung von Männern auf der Neunziger-Jahre-Teenie-Serie "My So-Called Life" (auf deutsch "Willkommen im Leben") basiert, wirkt das vor allem erbarmungswürdig und nicht smart. Nur leider haben genau diese Konstellation Jason Reitman und Diablo Cody in "Young Adult" schon viel ergiebiger behandelt.
So fühlt sich "Die Hochzeit unserer dickesten Freundin" dann doch wie eine mittelmäßige Kopie an - auch und besonders am Ende, wo sich eine überraschende Parallele auftut. Zu "I'm Gonna Be (500 Miles)" von den Proclaimers sind in Ken Loachs "Angels' Share" eben noch vier kleinkriminelle Schotten durch die Highlands gestapft. Hier untermalt der Song nun die romantischen (!) Highlights. Wer einwenden will, die Single wäre doch bereits in den Achtzigern erschienen - in den USA kam sie 1993 heraus. 90s bitches eben.
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- Freitag, 26.10.2012 – 18:48 Uhr
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Originaltitel: Bachelorette
USA 2012
Buch und Regie: Leslye Headland
Mit: Kirsten Dunst, Rebel Wilson, Isla Fisher, Lizzy Kaplan, Andrew Rannells, James Marsden, Adam Scott
Produktion: Gary Sanchez Productions, BCDF Pictures
Verleih: StudioCanal
Länge: 87 Minuten
Start: 25. Oktober 2012
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