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Kinokomödie "Wenn Liebe so einfach wäre": Die Meryl-Show

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In Nancy Meyers' Film "Wenn Liebe so einfach wäre" beginnt ein Ex-Ehepaar eine heimliche Affäre. Glaubwürdig geht es dabei nicht gerade zu. Aber was soll's: In der Hauptrolle glänzt die derzeit erfolgreichste Schauspielerin der Welt.

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Superstar Streep: Sie kann's auch ohne ABBA
Die romantische Komödie - das war mal eine angesehene Kunstform in Hollywood. Howard Hawks' "Leoparden küsst man nicht" mit Katharine Hepburn und Cary Grant ist 1938 erschienen, und auch über 70 Jahre später kann man sich noch darüber kaputt lachen. Regielegenden wie Billy Wilder ("Das verflixte 7. Jahr") oder Alfred Hitchcock ("Über den Dächern von Nizza") haben das Genre bereichert, und sie haben sich nicht dafür geschämt.

Heute dagegen haben romantische Komödien einen so schlechten Ruf, dass der Begriff "RomCom" fast schon eine Beleidigung geworden ist. Man suche die Schuld bei all den hysterischen, einfallslosen und streng nach Formel gestrickten Wegwerfprodukten, die mit erschütternder Regelmäßigkeit die Kinos heimsuchen: "Bride Wars - Beste Feindinnen", "Verliebt in die Braut" oder "27 Dresses". Es sind so viele.

Nackt im Cyberchat

So kann man sich nur freuen, wenn ein Film wie "Wenn Liebe so einfach wäre" von Nancy Meyers ("Was das Herz begehrt") des Weges kommt. Kein künftiger Klassiker, aber entspannt, amüsant und mit Charakteren, denen man sogar ein paar intelligente Gedanken zutraut. Heldin ist die in die Jahre gekommene Edelbäckerei-Besitzerin Jane ( Mery Streep), die Jahre nach ihrer Scheidung alleine in ihrem absurd prunkvollen Haus in Südkalifornien sitzt und sich nach ein bisschen Zuneigung sehnt. Dabei gerät sie im Alkoholrausch an ihren Ex-Mann Jake ( Alec Baldwin), der einst mit einer Jüngeren durchgebrannt ist, diese aber auch nicht mehr so toll findet, seit er sie geheiratet hat. Er will unbedingt eine Affäre mit seiner Ex, und sie lässt sich widerwillig, aber mit einer gewissen Genugtuung darauf ein, jedenfalls so lange die gemeinsamen Kinder nichts davon mitbekommen. Zeitgleich taucht auch noch ein netter Architekt ( Steve Martin) auf, der Jane umgarnt und für weitere Verwicklungen sorgt.

Das alles ist in etwa so glaubwürdig wie ein Koalitionsvertrag. Aber was macht das schon, wenn Meryl Streep die Hauptrolle spielt? Die variiert als leicht nervöse und zu Kicheranfällen neigende Super-Alleinstehende ihre Rolle aus "Mamma Mia!" eigentlich nur insofern, dass sie nicht ständig ABBA-Lieder schmettert. Und sie ist dabei trotzdem wieder so charmant und liebenswert und voller Energie, dass es einen nicht wundern muss, dass eine 60-Jährige gerade die erfolgreichste Schauspielerin der Welt ist.

"Wenn Liebe so einfach wäre" behandelt seine Figuren wie Erwachsene, die tatsächlich auch mal reflektieren, ob eine Idee und Entscheidung wirklich gut ist, statt sie gedankenlos von einer Wird-schon-irgendwie-lustig-sein-Katastrophe in die nächste zu steuern. Für ein paar etwas derbere Schenkelklopfer - Streep und Steve Martin auf Marihuana, Alec Baldwin nackt im Cyberchat - ist sich der Film aber auch nicht zu schade. Zum Glück nicht.

Das alles macht zwar noch keinen Film für die Ewigkeit wie "Leoparden küsst man nicht". Aber Hoffnung, die macht es.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 12 Beiträge
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1. x
mmueller60 21.01.2010
Seit wann ist Meryl Streep die "erfolreichste Schauspielerin der Welt" und wer verleiht diesen Titel eigentlich?
2. Mittelmäßig
Wallenstein, 21.01.2010
Zitat von sysopIn Nancy Meyers' Film "Wenn Liebe so einfach wäre" beginnt ein Ex-Ehepaar eine heimliche Affäre. Glaubwürdig geht es dabei nicht gerade zu. Aber was soll's: In der Hauptrolle glänzt die derzeit erfolgreichste Schauspielerin der Welt. http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,673037,00.html
Der Film hat stellenweise Längen, bei dem Mann manchmal einschlafen könnte. Wenn die Frauenrunde um Jane (Meryl Streep) dann über eine Vagina diskutiert, die mangels Sex angeblich zusammengewachsen ist, und das weibliche Publikum derart lacht, dass man es mehr als ein Gackern wahrnimmt, dann weiß Mann, dass Mann einen Frauenfilm vor sich hat. Die Synchronstimmen von Steve Martin und Alec Baldwin sind irgendwie seltsam.
3. Oscars
scorba 21.01.2010
Zitat von mmueller60Seit wann ist Meryl Streep die "erfolreichste Schauspielerin der Welt" und wer verleiht diesen Titel eigentlich?
15 Oscar-Nominierungen und den Preis zweimal gewonnen sprechen schon irgendwie dafür, dass sie eine erfolgreiche, vielleicht sogar die erfolgreichste Schauspielerin der Welt zur Zeit ist...
4. .
shangri-la 21.01.2010
Zitat von mmueller60Seit wann ist Meryl Streep die "erfolreichste Schauspielerin der Welt" und wer verleiht diesen Titel eigentlich?
Das dürfte bei ihr mit den Nominierungen und Auszeichnungen zusammen hängen. Und dies doch ziemlich konstant, seit über 30 Jahren. http://de.wikipedia.org/wiki/Meryl_Streep#Auszeichnungen Da kann man schon sagen, dass sie einer der 'erfolgreichsten Schauspielerinnen' ist.
5. erfolgreich ?
Hugh Theo 21.01.2010
Zitat von mmueller60Seit wann ist Meryl Streep die "erfolreichste Schauspielerin der Welt" und wer verleiht diesen Titel eigentlich?
Gute Frage. Vielleicht hat Frau Streep von allen aktiven Schauspielerinnen die meisten Auszeichnungen bekommen, Golden Globes, Oscars und dergleichen (wenn man von den Verstorbenen absieht, da Katherine Hepburn mit ihren 4 Oscars einsam über allen anderen thront). Vielleicht macht sie zur Zeit die allermeiste Patte, vielleicht ist sie die mit Filmarbeiten derzeit am meisten beschäftigte Frau. Vielleicht aber nur ein sehr subjektives Urteil des Autoren Daniel Sander. Meryl Streeps allerbester Film war "Sophie's Choice". Unvergesslich die Szene, in der sie ihre Tochter in die Gaskammern gehen lassen muss, nur um ihren Sohn zu retten. Und Alec Baldwin? Der ist dann am besten, wenn er kleine, miese Ärsche spielen kann, wie z.B. in “Glengarry Glenn Ross”, “Notting Hill”, "Talk Radio" oder “Fun with Dick and Jane”. Bestimmt gibt es noch andere Produktionen, in denen er als durchtriebener Miesling glänzt. Was er in seinem neuesten Film wohl nicht sein wird.
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