Vergesst Gordon Gekko, der tausendmal smartere Haifischkapitalist unserer Tage heißt Ryan Bingham. Ganz zu Recht wird das Kinojahr 2010 in die Geschichtsbücher eingehen als das Jahr, in dem gegen Ende "Wall Street II" ganz schrecklich in die Grütze fuhr, zu dessen Anfang aber der Lächelautomat George Clooney sich von der bösesten Seite zeigen durfte. In "Up In The Air" ist der coole George ein eiskalter Henker: der Vielflieger Ryan Bingham. Der Mann jettet mehr als 300 Tage im Jahr durch die Gegend, von Firma zu Firma, um die Drecksarbeit zu erledigen. Bingham überbringt die schlechten Botschaften und tut das, wofür die Chefs der Firmen zu feige sind: Er schmeißt die Leute raus. Dazu drischt er die immer gleichen Phrasen und zeigt das immer gleiche Beileidsgesicht.
"Up in the Air" erzählt nun davon, wie zwei Frauen (gespielt von Vera Farmiga und Anna Kendrick) dem scheinbar supertoughen Bingham, der sein Leben eingerichtet hat wie eine nie benutzte Bulthaupküche, schön langsam die Hölle heiß machen. Die eine grabscht nach seinem Job, die andere schleift ihn am Nasenring durchs Bett. Der Regisseur Jason Reitman, der zuvor so komische Filme wie "Thank You For Smoking" und "Juno" gedreht hat, zeigt in diesem topmodernen Gesellschaftsdrama ein Gegenbild zum stumpfen Überwältigungskrawall des 3-D-Zeitalters: großes amerikanisches Kino mit dezentem Witz, voller Schwung und Eleganz - und ohne schmieriges Happy End. Wolfgang Höbel
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