Von Daniel Sander
Der letzte Film des belgischen Regisseurs Felix Van Groeningen war eine laute Prollsatire über eine außergewöhnlich verpfuschte Kindheit. Er trug den Titel "Die Beschissenheit der Dinge". In seinem neuen Film "The Broken Circle" geht es deutlich leiser und überhaupt nicht prollig zu. Gleichwohl liegen die Dinge hier noch viel, viel beschissener.
Gleich zu Beginn werden der etwas zottelige Musiker Didier (Johan Heldenbergh) und seine vieltätowierte Frau Elise (Veerle Baetens) in einen der schlimmsten aller vorstellbaren Alpträume gezogen: Ihre kleine Tochter Maybelle (Nell Cattrysse) hat Krebs. Es folgt ein Höllengang aus Chemotherapie, Bestrahlung, später sogar Stammzellentherapie. Was nicht folgt, ist die wundersame Heilung. Und auch nicht die Erkenntnis, dass Zeit und Liebe alle Wunden heilen könnten.
Was "The Broken Circle" an Tragödien für Didier, Elise und Maybelle bereit hält, geht an und über die Grenzen des menschlich Erträglichen. Und auch über das, was normalerweise einem Kinopublikum zugemutet wird.
Und immer wieder die Musik: sanfte, melancholische Country-Weisen, die Hoffnung in dunklen Tagen fordern; die einen auch dann noch an das Leben glauben lassen, wenn es so scheint, als müsse man gegen das Leben kämpfen - und nicht dafür.
"The Broken Circle" hat auf der diesjährigen Berlinale den Panorama-Publikumspreis gewonnen. Und das, obwohl es wahrscheinlich während des ganzen Festivals keinen traurigeren Beitrag zu sehen gab. Aber eben auch kaum einen, der einen so mitreißen kann. Nicht, dass alles perfekt wäre: Die konsequent nicht-lineare Erzählstruktur gerät in der zweiten Hälfte etwas aus dem Takt. Und die gelegentlichen Ausflüge in die Ethik-Diskussion um die Stammzellenforschung wirken weder natürlich noch glaubwürdig. Aber das sind Probleme, die sich hier ziemlich einfach wegheulen lassen.
Die meisten werden auch gar keine Wahl haben, denn man muss schon extrem abgebrüht sein, um mit trockenen Augen durch diesen Film zu kommen. Am besten, man versucht es erst gar nicht. "The Broken Circle" braucht kein Happy End, um sein Publikum glücklich zu machen.
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