Krimi "Who Killed Marilyn?" Madame Monroe musste leider sterben

Wie starb die Schöne? In dem französischen Krimi "Who Killed Marilyn?" sucht ein Autor den Mörder einer jungen Frau. Das Werbesternchen war wie die große Monroe - zu zerbrechlich, zu schön und zu liebesbedürftig. Ein Film voller Lakonie und Witz, als hätten die Coen-Brüder ihn gedreht.

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Einen Moment lang glaubt Martine, eine Tankstellenangestellte im vereisten französischen Nest Mouthe, es gäbe einen Streifen Hoffnung. Ein Fotograf kommt vorbei und sagt, er wolle Bilder von ihr machen. Sie sagt ja, skeptisch, aber es ist ihre letzte Chance, der Provinz zu entkommen. Die Fotos erscheinen, und ein örtlicher Käsehersteller macht sie zum Werbegesicht der Marke. Der Traum wird wahr.

Und dann ist er vorbei.

Denn für Martine (Sophie Quinton), die sich nun Candice Lecoeur nennt, gibt es keine Erlösung. Sie wird in Mouthe bleiben und für Käse werben, ein Kleinstadtsternchen, kein Star. Traurig, einsam, labil, und wenn sie einen Mann findet, dann ist es der falsche. Es ist wie bei Marilyn Monroe, ihrem Idol, nur in klein, und gerade das macht sie fertig. Und dann liegt sie tot im Schnee, eine Pillendose in der Hand. Keiner ermittelt, es muss Selbstmord gewesen sein, wie bei Marilyn. Nur der Schriftsteller David Rousseau (Jean-Paul Rouve), der zufällig in Mouthe weilt, glaubt an Mord. Aber eher, um sich aus seiner Schreibblockade zu retten.

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Kino: Geliehenes Leben
Vordergründig ist "Who Killed Marilyn?" vom französischen Regisseur Gérald Hustache-Mathieu eine klassische Detektivgeschichte. Der Film heftet sich an den leicht runtergerockten Rousseau, der eher ziellos als strukturiert durch das Örtchen wandelt und Hinweise aufzuschnappen hofft. Was weiß die Friseurin? Der Ex-Freund? Der Polizeichef? Was hatte der schöne Provinzpolitiker mit der Toten zu tun? Und vor allem natürlich: Wer hat's getan?

Zu zerbrechlich, zu schön

Aber im Herzen geht es in diesem Film um eine ganz andere Frage: Warum nur scheint jeder Schritt von Candice Lecoeur einer gewesen zu sein, den lange vorher schon Marilyn Monroe ging? In Rückblenden breitet "Who Killed Marilyn?" nach und nach das ganze kurze Leben einer Frau auf, die wohl nie eine Chance hatte. Zu zerbrechlich, zu schön, zu abhängig von der Zuwendung anderer. Die Geschichte einer traurigen jungen Frau, die sich das Leben einer anderen leiht, weil ihr das eigene zu bedeutungslos scheint.

Die Marilyn-Besessenheit der Candice Lecoeur wird ihr Untergang sein, und sie tut auch dem Film nicht immer gut. Je mehr Monroe-Parallelen aus noch den verstecktesten Ecken hervorgekramt werden, desto mehr nimmt der Film sich selbst und seiner Hauptfigur etwas von dem Mysterium, das beide überhaupt erst so anziehend macht. Aber letztlich ist es bei beiden - Film und Heldin - so wie bei allen wahren Schönheiten: Nichts entstellt sie wirklich.

Eine Tragödie eigentlich, aber erzählt mit viel lakonischem Witz und absurden Randgeschichten, wie beim berühmten Vorbild "Fargo" von den Coen-Brüdern, nur in klein. Und manchmal, wie hier, da reicht das auch.


"Who Killed Marilyn?" Start: 2. August. Regie: Gérald Hustache-Mathieu. Mit Jean-Paul Rouve, Sophie Quinton, Guillaume Gouix.

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