Kirsten Dunst "Frauen brauchen so einen feministischen Film"

Kaum ein Hollywood-Star wählt seine Rollen so sorgfältig aus wie Kirsten Dunst. Nach dem Erfolg von "Fargo" ist sie nun im SciFi-Thriller "Midnight Special" zu sehen. Ihr größtes Herzensprojekt steht aber noch an.

Ein Interview von

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Zur Person
Kirsten Dunst, Jahrgang 1982, spielte ihre erste Kinorolle im Alter von sieben Jahren. Für "Interview mit einem Vampir" wurde sie 1994 für ihren ersten Golden Globe nominiert. Es folgten so unterschiedliche Filme wie der Arthouse-Hit "The Virgin Suicides" oder der Blockbuster "Spider-Man". Nachdem sie zuletzt für ihren Auftritt in der zweiten Staffel von "Fargo" gefeiert wurde, ist Kirsten Dunst jetzt wieder im Kino zu sehen: "Midnight Special" von Jeff Nichols (Kinostart 18.2.) feierte soeben seine Weltpremiere auf der Berlinale.
SPIEGEL ONLINE: Frau Dunst, im Mittelpunkt von"Midnight Special" steht ein kleiner Junge, der in eine andere Welt sehen kann. Diese Welt sieht man im Film erst spät, und sie ist als Spezialeffekt nachträglich eingefügt. Wie hat Ihnen Regisseur Jeff Nichols erklärt, was er da zeigen will? Im Drehbuch kann das nicht gestanden haben.

Dunst: Ich kannte Jeffs andere Filme und mochte sie sehr. Ich habe mir keine Sorgen gemacht, dass er nicht weiß, was er da tut. Tatsächlich gab es aber viel praktische Hilfe: An einer Stelle im Film bin ich von einem Ring aus Licht umgeben. Dafür haben sie lauter in schwarz gekleidete Frauen um mich herum aufgestellt, die Scheinwerfer auf mich gerichtet haben. So wusste ich konkret, wohin ich gucken musste, und die Special-Effects-Leute wussten, wo sie die Effekte einbauen mussten. Jeff hat sich immer bemüht, möglichst vieles praktisch umzusetzen. Er hat mir auch einige Inspirationen für diese andere Welt gezeigt. Aber letztlich ist es meine Aufgabe als Schauspielerin, meine Fantasie zu gebrauchen und mir Dinge selber vorzustellen.

SPIEGEL ONLINE: Das ist Ihre erste Rolle, in der Mutterschaft die Figur bestimmt. Was hat Sie daran gereizt?

Dunst: Stimmt, ich habe zwar schon Mütter gespielt, aber ich habe noch nicht spielen müssen, um mein Kind zu weinen. Die Rolle habe ich aber vor allem angenommen, weil ich Jeffs Filme so liebe, "Take Shelter" finde ich zum Beispiel sehr gut. Den Film habe ich übrigens ein Jahr vor "Fargo" gedreht, da gibt es also keinen Zusammenhang, wann ich welche Rolle annehme.

SPIEGEL ONLINE: Eine Mutter zu spielen kann man auch als Übergangsritual verstehen. Öffnen Sie sich damit für ältere Rollen?

Dunst: Bei "Midnight Special" habe ich mir erst eingeredet, dass ich ja eine junge Mutter spiele. Dann ist mir aufgefallen, dass mein Filmsohn dafür schon ganz schön alt ist. Tatsächlich hat sich meine Perspektive etwas geändert, seit ich Patentante bin. Kinder beschäftigen mich nun mehr. Meiner Patentochter gegenüber empfinde ich zum Beispiel eine Art Schutzinstinkt. Auf diese Gefühle konnte ich für die Rolle zurückgreifen. Das heißt nicht, dass ich komplett nachvollziehen kann, wie sich eine Mutter fühlt. Aber dafür ist die Beziehung zwischen Mutter und Sohn im Film auch eine besondere: Sie haben sich zwei Jahre lang nicht gesehen und sind sich deshalb ziemlich fremd. Das macht die Rolle noch mal eigenwilliger.

Kurzkritik "Midnight Special"
  • Warner Bros.
    Die Entführung des 8-jährigen Altons setzt eine seltsame Verfolgungsjagd in Gange: Warum sind FBI und NSA so hinter dem Jungen her, dass sie das ganze Land in Aufruhr versetzen? Mit "Midnight Special" gelingt Regisseur und Autor Jeff Nichols ("Mud", "Take Shelter") ein Science-Fiction-Film der besonderen Art: Halb Paranoia-Thriller, halb Hommage an Genreklassiker wie "Starman" erzählt der Film eindrücklich von einem Kind, das scheinbar nicht für diese Welt bestimmt ist. Ein erstklassiges Ensemble (u.a. Michael Shannon, Adam Driver, Jaeden Lieberher und Joel Edgerton) sorgt für emotionale Tiefe ohne Pathos. Seit 18. Februar in den Kinos
SPIEGEL ONLINE: "Midnight Special" scheint eine Ausnahme für Sie zu sein. In Ihren berühmtesten Rollen - in "Fargo" oder "Melancholia" - spielen Sie Frauen, die nicht so sehr durch ihre Lebensumstände geprägt sind, wie durch ihren Intellekt und ihr Gefühlsleben.

Dunst: Glauben Sie mir, ich wünschte, solche Rollen gäbe es viel öfter!

SPIEGEL ONLINE: Ich wollte gerade fragen, wie groß die Auswahl dabei ist.

Dunst: Das ist wirklich ein Problem. So lange du nicht berühmt bist und jede Rolle angeboten bekommst, musst du warten oder dich selbst auf die Suche machen. Mit meinen Freundinnen Kate und Laura Mulleavy, den Designerinnen vom Modelabel Rodarte. habe ich dieses Jahr einen Film gemacht, "Woodshock" heißt er. Sie haben Regie geführt, und ich habe die Hauptrolle gespielt. Ich bin in so gut wie jeder Szene zu sehen. Das war das anstrengendste, was ich je gemacht habe.

Video zu Berlinale-Film "Midnight Special":

Warner Bros
SPIEGEL ONLINE: Warum war der Dreh so anstrengend?

Dunst: Weil mir der Film so viel bedeutet. Außerdem macht meine Figur emotional wahnsinnig viel durch, was mich sehr verletzlich gemacht hat. Und ich war auch noch ausführende Produzentin. Nach Ende des Drehs war ich so erschöpft, wie ich es noch nie zuvor in meinem Leben war.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie sich schon davon erholt? Jetzt sind Sie ja schon wieder auf PR-Tour für "Midnight Special".

Dunst: Direkt nach dem Drehschluss von "Woodshock" habe ich tatsächlich erst einmal PR für "Fargo" machen müssen. Deshalb habe ich mich letztlich noch nicht wirklich vom dem Stress erholt. Ich habe allerdings überhaupt kein Problem damit, den ganzen Tag im Bett zu liegen und Fernsehen zu schauen. Das kann ich wirklich sehr gut!

SPIEGEL ONLINE: Wenn gute Rollen so schwer zu bekommen sind: Wäre es eine Option für Sie, mehr selbst zu produzieren?

Dunst: Ich setze mich einfach nicht gern hin und arbeite mich durch Drehbücher durch. Das ist an sich schon mühsam genug. Produzieren ist für mich nur eine Option, wenn mir wirklich was an dem Projekt liegt. An "Woodshock" haben wir letztlich sechs Jahre gearbeitet. So ein Arbeitspensum strebe ich nicht an. Als Schauspielerin sind zwei Filme im Jahr das Maximum, was ich jemals machen will. Für mich ist das schon viel.

SPIEGEL ONLINE: Und damit haben Ihr Agent oder die Produktionsfirmen, die gern mit Ihnen arbeiten wollen, kein Problem?

Dunst: Ich arbeite schon sehr lange mit denselben Leuten zusammen. Die wissen, dass ich meine Karriere nicht nach dem finanziellen Ertrag ausrichte. Denn wenn es so wäre, würde ich jetzt eine NBC-Serie machen und so richtig abkassieren! (lacht)

SPIEGEL ONLINE: Gibt es schon einen Erscheinungstermin für "Woodshock"?

Dunst: Ja, im Herbst. Das wird ein echt ernsthaftes Ding!

SPIEGEL ONLINE: Warum?

Dunst: Weil man dabei Frauen beim Denken zusieht - das gibt es so selten! Ich glaube, der kommt genau zur rechten Zeit. Frauen brauchen so einen feministischen Film wie diesen gerade.

Im Video: Der Trailer von "Midnight Special"

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insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
fratan666 20.02.2016
1. Spoiler
Warum muß jetzt schon bei einem Interview gespoilert werden? Möglicherweise möchten nicht alle Menschen wissen wann etwas in einem Film passiert.
colephelps1247 20.02.2016
2. Ich weiss
echt nicht welche Rolle sie in Fargo gehabt haben soll. Ich hab den Film bestimmt 15x gesehen. Aber in einer Rolle fand ich sie fantastisch: Justine in "Melancholia". Herausragend.
Frida_Gold 20.02.2016
3.
Zitat von colephelps1247echt nicht welche Rolle sie in Fargo gehabt haben soll. Ich hab den Film bestimmt 15x gesehen. Aber in einer Rolle fand ich sie fantastisch: Justine in "Melancholia". Herausragend.
Da es um die zweite Staffel geht, ist sehr offensichtlich die gleichnamige Serie gemeint und nicht der Film... der ist auch ein wenig älter. Übrigens SPON: "SPIEGEL ONLINE: Gibt es schon einen Erscheinungstermin für "Woodstock"?" WoodSHOCK. Schreiben Sie doch selbst diverse Male richtig. Muss doch beim Durchlesen auffallen!
bhang 20.02.2016
4. Sie spielt in der Serie
...
murksdoc 20.02.2016
5.
In "Fargo" (dem Film), gedreht 1996, hat Kirsten Dunst nicht mitgespielt. Mitgespielt hat sie in "Fargo" (der Serie), gedreht 2012, die auf dem Film basiert (und die hier keiner kennt). Bleibt nur noch eine Frage offen: Sind die oben genannten Filme "Woodshock" und "Woodstock", einer davon "feministisch", zwei verschiedene Filme oder handelt es sich um einen Schreibfehler?
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