Klage gegen Borat Staranwälte vertreten Dorfbewohner

Jetzt soll es den Machern des Erfolgsfilms "Borat" richtig an den Kragen gehen: Mit Hilfe von zwei Staranwälten verklagen Bewohner des rumänischen Dorfes Glod die Produktionsfirma Twentieth Century Fox und deren Partner auf 30 Millionen Dollar Schadensersatz.


Bukarest – Die Bewohner des rumänischen Dorfes Glod wohnen in Holzhütten, es gibt keinen Wasseranschluss und keine Kanalisation – eine kräftige Finanzspritze wäre bitter nötig.

Filmfigur Borat: Die Statisten aus dem Dorf Glod fühlen sich hintergangen
20th Century Fox

Filmfigur Borat: Die Statisten aus dem Dorf Glod fühlen sich hintergangen

Ein berühmtes Anwaltsduo will dafür sorgen, dass der Traum vom großen Geld Realität wird: Michael Witti aus München und Ed Fagan aus New York vertreten jetzt zwei der Einwohner vor Gericht und wollen, so sie Recht bekommen, 30 Millionen Dollar Schadensersatz für ihre Mandanten erstreiten. Dass sie das nicht ganz uneigennützig tun, liegt auf der Hand, denn aufsehenerregende Prozesse, bei denen es um sehr viel Geld geht, sind ihre Spezialität: Sie waren oder sind an so lukrativen Prozessen wie dem Verfahren um die Entschädigungsfonds für NS-Zwangsarbeiter, die Patientenklage gegen Lipobay oder bei der Nazi-Gold-Klage gegen deutsche Großbanken beteiligt. Auch die Opfer des Seilbahn-Unglücks von Kaprun vertreten sie vor dem Europäischen Gerichtshof.

Die Anwälte werfen den Produzenten der Filmsatire "Borat" Diskriminierung der Roma sowie Irreführung und Betrug vor. In dem Film wird das Dorf, in dem mehrheitlich Roma wohnen, als kasachischer Heimatort des fiktiven Reporters vorgestellt.

Die Kläger sind Spriridon Ciorobea, der im Film als "Schweißer und Abtreibungsgynäkologe" vorgestellt wird und Nicolae Todorache, der als "Dorfvergewaltiger" bezeichnet wird. Beide Männer hatten als Statisten mitgewirkt und klagen nun darüber, nicht ausreichend über den Inhalt des Filmes informiert worden zu sein. Die Produktionsfirma hätte ihnen erklärt, sie würden einen Dokumentarfilm drehen, der ihr Dorf vorstelle – dass sie in einem Spielfilm mitwirken, sei ihnen nicht bekannt gewesen.

Im Film werden sie als die Bewohner des kasachischen Heimatortes von Borat als "Dummköpfe, Diebe, Vergewaltiger und Rassisten" dargestellt. Der Vorwurf: Die Filmemacher hätten den niedrigen Bildungsstand und die Gutgläubigkeit der Menschen in Glod ausgenutzt.

Ciorobea ist im Film nur kurz zu sehen. Todorache, dem eine Hand fehlt, hatte Borat eine Gummifaust von seiner Reise in die USA mitgebracht. Der Dorfbewohner sagt, er habe erst später erfahren, dass es in Wahrheit ein Riesen-Dildo war, der ihm an den Stumpf seines Armes montiert wurde und mit dem er in der Schlusssequenz des Films umherwedelt.

Am 4. Dezember soll der Prozess vor dem Bundesgericht in New York eröffnet werden. Insgesamt sechzehn Parteien müssen sich dort verantworten - neben Twentieth Century Fox, Produktionsfirmen, Produzenten und Drehbuchschreiber. Es soll aber nicht nur um Schadensersatz gehen, sondern darum, dass sich die Filmproduzenten bei allen Roma entschuldigen.

amg/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.