Komödie "Grossstadtklein" Kino HalliGalli

Ob Joko geholfen hätte? In "Grossstadtklein" gibt TV-Moderator Klaas Heufer-Umlauf sein Schauspieldebüt ohne seinen ewigen Sidekick. Das ist aber auch schon das Originellste an einer Kinokomödie, die kein Klischee vom sympathischen Dorftrottel bis zum arroganten Großstadt-Hipster auslässt.

Warner Bros.

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Oh, diese Idylle. Ole liebt sein Dorfleben im Nirgendwo von Mecklenburg-Vorpommern: Wiesen und Wälder, Seen und die See, Menschen, die sich noch Guten Tag sagen. Er ist mit der Schule fertig und ein talentierter Zeichner. Er müsste sich mal Gedanken um die Zukunft machen, aber Cross-Moped-Rennen mit seinen beiden Sandkastenfreunden bringen mehr Spaß. Warum kann das nicht die Zukunft sein?

Nur dass sich seine Mutter einen finsteren Plan ausgedacht hat, um den Jungen endlich aus dem Haus zu kriegen. Sie hat ihm einen Praktikumsplatz bei einem Kalender-Verlag besorgt, im gruseligsten und gefährlichsten aller möglichen Orte: in Berlin. Der Horror. Wohnen soll er bei seinem Cousin Rokko, den er seit Jahren nicht gesehen hat. Ein Alptraum. Ole macht trotzdem mit, auch weil ihm sein geliebter Opa gut zuredet, vor allem aber, weil es dem Drehbuch von Tobias Wiemanns Spielfilmdebüt "Grossstadtklein" total egal ist, ob irgendetwas wirklich Sinn ergibt oder wenigstens ein bisschen glaubwürdig ist - wichtig ist hier nur, dass überhaupt etwas passiert.

Und das tut es dann auch: Der sympathische Dorftrottel Ole (Jacob Matschenz) und der arrogante Großstadt-Hipster Rokko (TV-Moderator Klaas Heufer-Umlauf nun auch als Schauspieler) müssen sich im Laufe des Films zusammenraufen und lernen, dass Familie das Wichtigste auf der Welt ist. Das werden sie dann auch ihren jeweiligen Vätern beibringen, die seit Jahren kein Wort miteinander geredet haben, weil einer dem anderen mal die Frau ausgespannt hat.

Bloß niemanden überfordern

Nebenbei will Ole die totaaal flippige Fritzi (Jytte-Merle Böhrnsen) klarmachen, die gern nackt durch die Wohnung rennt und Bier trinkt, sich tief im Herzen aber nur nach Liebe sehnt. Im Job schließlich muss sich der tapfere Ole gegen die Avancen und späteren Intrigen des schwulen Sohns des Chefs behaupten. Und dann ist da noch diese irre lustige Sache mit seinen beiden Freunden aus der Heimat. Und mit der Beerdigung, voll traurig. Und dieser Schlägerei, echt krass.

Immerhin scheint "Grossstadtklein" eine Strategie zu haben: In dem Bestreben, unbedingt witzig, unterhaltsam und rührend sein zu wollen, erzählt der Film einfach jede Menge Geschichten auf einmal, in der Hoffnung, dass irgendetwas hängenbleiben möge. Damit die Zuschauer dabei nicht durcheinandergeraten, sind der Ausgang jeder dieser Geschichten so erwartbar, jede Figur so eindimensional und jeder Witz so simpel wie möglich gehalten. Dazu ein paar sentimentale Popsongs und genau die Postkarten-Bilder von Berlin, die jeder schon mal irgendwo gesehen hat, vor allem in deutschen Komödien. Niemand darf überfordert werden! Keine bösen Überraschungen! Umarme das Klischee!

Wie gut diese Herangehensweise zumindest kommerziell funktionieren kann, zeigt der Erfolg von Til Schweiger, der bei "Grossstadtklein" Produzent war und womöglich hier und da ein paar Vorschläge gemacht hat. Aber nicht mal Schweiger selbst hält sich so sklavisch an das Schweiger-Prinzip wie dieser Film. "Grossstadtklein" will alles richtig machen und wirkt dabei in jeder Hinsicht falsch und kalkuliert. Klick, klick, klick macht die Drehbuchmaschine. Und am Ende ist da nur Leere.


Grossstadtklein. Start: 15.8. Regie: Tobias Wiemann. Mit Jacob Matschenz, Klaas Heufer-Umlauf, Tobias Moretti.



insgesamt 5 Beiträge
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UbuRoy 15.08.2013
1. Was soll man auch sonst erwarten,
wenn Kasper wie dieser versuchen, sich als Schauspieler zu etablieren. Dagegen waren Heinz Erhard Filme ganz großes Kino mit Anspruch.
lector65, 15.08.2013
2. Deutscher
keine anderen erwartungen an diesen; öde, hölzern, langweilig... eben DEUTSCH. Noch schlimmer: TV-Filme ! Amateurfilm-liga.Ganz ganz wenige mit internationalem anspruch.
anomie 15.08.2013
3.
Zitat von UbuRoywenn Kasper wie dieser versuchen, sich als Schauspieler zu etablieren. Dagegen waren Heinz Erhard Filme ganz großes Kino mit Anspruch.
Na, vielleicht müssen Sie sich auch einfach der Tatsache stellen, dass Sie zu alt sind und der "Kasper" eben mehr junge Menschen interessiert als Ihre verkrustete Meinung.
elisabeth.modauer 15.08.2013
4. Mich wundert es, ....
dass dieser Film überhaupt in Spiegel erwähnt wird. Wenn der Film Herrn Daniel Sander schon so gar nicht gefällt, warum wird er in so einem renommierten Blatt überhaupt erwähnt? Und die ersten zwei Kommentsare sind überflüssig wie ein Kropf. Der erste ist gegen Klaas Heufer-Umlauf, der zweite nur einfach gegen Deutschen Film. Schwachsinn! Anomie sagt es noch am besten. Und ich selbst schaue mir den Film auf jeden Fall an, auch wenn er nicht der erwarteten Intelligenz der Schreiber entspricht. Was ich in Spiegel vermisst habe, war eine Kritik vom Film "Wochenende".
tokker 19.08.2013
5. nicht jeder der jung ist, ist auch hipp
@anomie: Darf man fragen, wie alt Sie sind? Wenn Sie etwas Durchblick hätten, dann würden Sie das nicht so pauschalisieren! Die jungen Menschen, die sich für Komödien im Schwaiger-Stil interessieren, sind uncooler, bürgerlicher und wohl verkrusteter, als so mancher Rentner. Spiessigkeit ist leider keine Sache des Alters, sonst wär ein solch banaler Klamauk an der Kinokasse ein Flopp!
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