Von Maren Keller
Oft genug wurde der Mensch davor gewarnt, Gott zu spielen - dabei wäre es offenbar viel dringender gewesen, davor zu warnen, Jesus spielen zu wollen. Dann wäre es wenigstens nicht zu dem Film "Jesus liebt mich" gekommen, der heute anläuft. Der Film basiert auf einem Roman, den der Drehbuchautor David Safier vor einigen Jahren geschrieben hat, und der sich so gut verkauft hat, dass man wohl davon ausgehen kann, dass nicht wenige Leute mit der Geschichte vertraut sind.
Für alle anderen hier eine Zusammenfassung: Marie ist sehr verzweifelt auf Männersuche, nachdem ihre Hochzeit mit Sven geplatzt ist. Gott sei Dank trifft sie Jeshua. Jeshua hat lange Haare, und er leuchtet wie ein Heiliger. Marie und Jeshua bandeln an und gehen auf ein Date in eine Pizzeria, wo Jeshua für ganz schönen Tumult sorgt, als er einem Obdachlosen die Füße wäscht. Es sieht also alles sehr vielversprechend aus, bis Marie den (offensichtlichen) Haken an der ganzen Sache entdeckt: Jeshua ist nämlich Jesus, und Jesus ist zur Maries Enttäuschung nicht etwa auf die Erde gekommen, um Pizza zu essen, sondern um sich vor der sehr bald anstehenden Apokalypse noch mal umzugucken. Denn wie sich herausstellt, gibt es tatsächlich etwas, das in noch desolaterem Zustand ist als Maries Liebesleben: die Welt.
Charakterliche Schlagseite
Marie und Jeshua leiden, wie alle anderen Figuren des Films, am Problem charakterlicher Schlagseite: Der Teufel stinkt. Der Ex-Engel Gabriel säuft. Denn er liebt ausgerechnet Maries Mutter, die auf einem Selbsterfahrungstrip ist und deswegen sehr viel indischen Schmuck trägt. Maries Vater hat eine blutjunge russische Geliebte. Maries Ex Sven ist ein Muttersöhnchen. Und Gott hat einen langen weißen Bart. Was sonst. "Jesus liebt mich" ist so unangenehm seicht - wäre der Film ein Teich, wir alle könnten ihn überqueren und sähen dabei aus wie Jesus.
Dabei ist Fitz doch eigentlich ein sympathischer Schauspieler. Und Safier ein Mann der lustigen Einfälle. Mit Henry Hübchen als Gabriel und Hannelore Elsner als Maries Mutter sind auch ein paar der verlässlichsten deutschen Darsteller dabei. Geholfen hat es alles nichts. "Jesus liebt mich" ist ein Film für diejenigen, denen "Keinohrhasen" zu arthouse-mäßig war. Alle anderen, denen kurz vor Weihnachten nach romantischer Komödie ist, sollten sich lieber die 100. Wiederholung von "Love Actually" angucken. Oder auch "Keinohrhasen". Oder irgendeinen anderen Film. Nur besser nicht diesen.
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