Komödie "Kleine Verbrechen" Die Nackten und der Tod

In "Kleine Verbrechen" hat ein Polizist auf einer verschlafenen Insel wenig mehr zu tun, als ein paar Nudisten zu verwarnen - bis eine Leiche auftaucht. Fast jeder Inselbewohner hat eine absurde Erklärung für den Todesfall. Und der Zuschauer? Hat Spaß.

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Einen glücklicheren Starttermin hätte es für diesen Film kaum geben können: Umzingelt von Tiefdruckgebieten, trauern die Deutschen dem Frühsommer hinterher, alle wünschen sich ein bisschen Sonne, aber die ist weit und breit nicht in Sicht. Außer im Kino: in "Kleine Verbrechen".


Was der kleine, liebenswerte griechische Film den Zuschauern bietet, kommt einem anderthalbstündigen Kurzurlaub gleich: Spaß, Meer, etwas Abenteuer, lichtdurchflutete Landschaften, nette Menschen. Und weil sich in den Ferien nur die wenigsten für Tiefgang und die großen gesellschaftlichen Zusammenhänge interessieren, gibt es davon auch in "Kleine Verbrechen" nicht viel. Der zweite Spielfilm des in London aufgewachsenen Zyprers Christos Georgiou hat die Sonne im Herzen, und ein Blick aus dem Fenster reicht, um zu sagen: Danke!

Im Zentrum des Geschehens steht der junge Polizist Leonidas (Aris Servetalis) - wobei es erstmal recht wenig Geschehen gibt, denn Leonidas langweilt sich zu Tode auf seiner verschlafenen Insel, auf der es höchstens mal einen Rotfahrer zu mahnen oder ein paar Nudisten zu verwarnen gilt. Nach Athen wünscht er sich, doch dahin kommt man nur mit Beziehungen. Und weil er die nicht hat, nervt er eben die Inselbewohner mit seinem steten Hang zum Überkorrekten, wofür sie ihn zwar nicht besonders ernst nehmen, aber doch irgendwie liebhaben.

Und dann findet sich plötzlich doch eine Leiche: Der alte Zacharias ist vom Felsen gefallen. Oder wurde er etwa gestoßen? Leonidas schafft den Toten zur Konservierung in eine Eistruhe und stürzt sich sofort in die Ermittlungen. Die Einwohner schütteln den Kopf, aber für den Insel-Cop ist jeder verdächtig. Hat die Nachbarin Zacharias mit der Wasserpistole in den Abgrund gepustet, weil er gegen ihre Hauswand gepinkelt hat? Hat die Bürgermeisterin ihre Finger im Spiel? Oder seine frühere Geliebte? Oder gar der amerikanische Geheimdienst?

Die kurzen, absurden Szenen, in denen Leonidas sich vorstellt, was wirklich passiert sein könnte, gehören zu den besten in "Kleine Verbrechen". Etwas schwerfälliger wird der Film nur dann, wenn er ernsthaft versucht, eine Liebesgeschichte zwischen dem Helden und der hübschen Inseltochter und Fernsehmoderatorin Angeliki (Viki Papadopoulou) zu konstruieren. Doch meistens regieren unbeschwerter Frohsinn, milder Slapstick und eine unaufgesetzte Herzlichkeit, die man sich häufiger im Kino wünscht.

"Kleine Verbrechen" ist nicht das große Meisterwerk, das den Oscar für den besten ausländischen Film gewinnen könnte. Aber der perfekte Film für den Sommer, das ist er.

Besonders, wenn es regnet.



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