Komödie "Unter Strom" Feuer frei für den Kalauer

Polizistin im Liebeswahn: Zoltan Pauls Komödie "Unter Strom" strotzt vor Gags, ist aber leider nicht witzig. Die Dialoge schwanken zwischen Boulevardtheater und Tarantino-Coolness - was nicht wirklich zusammen passt. Immerhin: Die Besetzung ist hochkarätig.

NextFilm Produktion

Von


Gar nicht schlecht, was Regisseur Zoltan Paul für seinen neuen Film "Unter Strom" für ein Ensemble versammelt hat, trotz offensichtlich sehr begrenzten Budgets: Harald Krassnitzer und Catrin Striebeck spielen ein sich leidenschaftlich hassendes, frisch geschiedenes Paar, als hätte sie einst der Teufel persönlich vermählt. Robert Stadlober gibt den fanatischen Kinofreak, der seine Krimi-Kenntnisse gern mal im wahren Leben umsetzen möchte. Sunnyi Melles ist entzückend als unglücklich verliebte Kommissarin, die sich irgendwann die Hauptrolle in ihrem eigenen imaginären Liebesroman gegeben hat. Und Hauptdarsteller Hanno Kofler ("Sommersturm"), sonst meist in Nebenrollen zu sehen, gibt als planloser Geiselnehmer souverän das Zentrum des Geschehens.

Dazu gesellen sich ein schwuler Wirtschaftsminister, dessen Liebhaber, die junge Ehefrau des Verurteilten und der Viagra-begeisterte Lover der geschiedenen Frau. Ziemlich viele Leute für 78 Minuten Film, gerade wenn jeder seinen Raum zur komödiantischen Entfaltung beansprucht - denn nebenbei muss noch eine ganze Menge Handlung untergebracht werden: Ein Kleinkrimineller wird unschuldig wegen Mordes verurteilt, entführt in seiner Verzweiflung das Scheidungspaar aus dem Gerichtssaal nebenan, schnappt sich während der Flucht auch noch den zufällig vorbei kommenden Minister und verbarrikadiert sich in einer schmucken Villa im Wald. Da trudeln nach und nach auch alle anderen Protagonisten ein und sorgen für absurde und lustige Verwicklungen ohne Ende. Politiker-Outing, Verrat am besten Freund, Polizistin im Liebeswahn, wüste Schießereien. Jeder Nebenstrang will verknüpft sein, koste es, was es wolle - Hauptsache, es geht immer noch ein bisschen abgedrehter zu, noch witziger.

Kalaueroffensive mit manchem Rohrkrepierer

Das Ergebnis jedoch ist oft nicht richtig witzig, eher anstrengend. Nach der Methode "Viel hilft viel" feuern Buch und Regie so viele Gags ab, dass die vielen Rohrkrepierer darunter besonders auffallen. Die Dialoge wechseln zwischen Boulevardtheater-Schwank und bemühter Tarantino-Coolness, was nicht besonders gut zusammen passen will, gerade weil dem Film für entsprechend coole Bilder dann doch die finanziellen Mittel fehlen. Die Darsteller versuchen das mit vollem Einsatz auszugleichen - manchmal mit der Folge, dass jeder in seinem eigenen Film mitzuspielen scheint, ohne groß darauf einzugehen, was die anderen gerade tun. Der Humor soll sich zum Großteil aus dem dauernden Herumgezanke der Anwesenden generieren. Doch wenn sich alle ständig gegenseitig auf die Nerven gehen müssen, ist es kein Wunder, dass sich irgendwann auch die Zuschauer von dem überdrehten Gekeife genervt fühlen.

In der zweiten Hälfte findet der Film etwas mehr zu sich und das Ensemble besser zueinander, die Kalaueroffensive wird heruntergefahren und die Trefferquote leicht erhöht. Wohl dem, der in dem Durcheinander bis dahin nicht die Geduld verloren hat. Am Ende zeigt "Unter Strom" Ansätze einer richtigen, boshaften Farce - und tröstet ein wenig über das hinweg, was vorher kam.



insgesamt 1 Beitrag
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Drunken Masta 10.12.2009
1. .
Dann hat der Trailer wohl den richtigen Eindruck bei mir hinterlassen. Hab in 30km Umkreis sowieso kein Kino gefunden, in dem er gezeigt wird...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.