Kriegsdrama "Das Massaker von Katyn" Die zähe Arbeit des Mordens

Mehr als 20.000 Polen ermordeten die Sowjets - und schoben den Nazis die Untat unter, die das Blutbad wiederum propagandistisch ausschlachteten. In seinem Film "Das Massaker von Katyn" zeigt der berühmte Regisseur Andrzej Wajda ein bitteres Kapitel polnischer Geschichte.

Von Ilse Henckel


Polen vor genau 70 Jahren, zerrieben zwischen zwei Invasoren: Vom Westen her greift Hitler an, um Polen zu vernichten und "Lebensraum" zu schaffen, entfesselt den Zweiten Weltkrieg. Im Osten beansprucht und besetzt Stalin das Land und leitet brutale Säuberungsaktionen ein, um mit der militärischen und intellektuellen Elite Polens mögliche Gegner zu beseitigen.

Andrzej Wajdas Weltkriegsdrama "Das Massaker von Katyn" beginnt mit einer symbolträchtigen Szene: Es ist Ende September 1939, Polen hat kapituliert. Auf einer Brücke prallen zwei Flüchtlingstrecks aufeinander - der eine flieht vor den Deutschen, der andere in die entgegensetzte Richtung vor der Roten Armee. Das Chaos ist groß, darin Anna (Maja Ostaszewska) mit ihrer kleinen Tochter. Sie ist von weither aus Krakau gekommen, um ihren Mann zu suchen, einen Hauptmann in der polnischen Armee. Sie findet ihn am nahen Bahnhof, wo er auf seine Deportation in ein sowjetisches Lager wartet.

Der Film umreißt im Folgenden das Schicksal der unglücklichen Frauen im erst von den Nazis und dann von den Sowjets besetzten Krakau; und das Leiden ihrer Männer, ob sie von Deutschen oder Russen gefangen genommen wurden. Er berichtet vom Nachkriegsleben unter kommunistischer Diktatur, von Kollaboration und dem riskanten Kampf um Wahrheit - eine komplexe Inszenierung, die mit wechselnden Perspektiven, verschiedenen Zeitebenen und dokumentarischen Szenen arbeitet und auf eine lineare Handlung und Leitfigur verzichtet. Wobei das episodenhafte, scheinbar unübersichtliche Geschehen erst dann richtig lesbar wird, wenn man die historischen Fakten kennt.

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Kriegsdrama "Das Massaker von Katyn": Tod und Lüge
Bis am Schluss die Bilder des Mordens kommen - da schockiert Regisseur Wajda mit einer langen Exekutionssequenz. Sachlich zeigt er Einheiten der sowjetischen Staatssicherheit, die in monströser, zäher Einzelarbeit systematisches Töten betreiben. Das geht direkt und heftig unter die Haut.

Im Frühjahr 1940 tötete und verscharrte Stalins Geheimdienst geschätzte 22.000 Polen. 1943 legte die Wehrmacht im Wald von Katyn nahe dem russischen Smolensk erste Massengräber mit Tausenden vermissten polnischen Offizieren frei. Nazi-Deutschland nutzte diese Entdeckung für antikommunistische Propaganda, während die Sowjetunion die Gräueltaten nach dem gewonnenen Krieg den "deutsch-faschistischen Aggressoren" anlastete und die Volksrepublik Polen bis 1990 zwang, nach dem Fall des Ostblocks, diese Lüge mitzutragen.

Andrzej Wajda, legendärer polnischer Regisseur, ("Asche und Diamant", "Der Kanal"), hat mit diesem ersten Spielfilm über das polnische Trauma ein großes Memento gedreht. Der Film ist seinem Vater gewidmet, einem der im sowjetischen Lager Charkow ermordeten Offiziere. Krzysztof Penderecki lieferte die sparsam eingesetzte, intensive Filmmusik; auch er hat Angehörige in Katyn verloren. Schon 2008 wurde das Drama für einen Auslands-Oscar nominiert, heute endlich kommt es in deutsche Kinos.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 73 Beiträge
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Seite 1
chrome_koran 17.09.2009
1.
Wie gut, dass endlich das Thema künstlerisch aufgegriffen wurde. Vielleicht ist es noch nicht zu spät, dass möglichst viele Menschen begreifen, was der Kommunismus in Wirklichkeit bedeutet.
ds77 17.09.2009
2. Gescichte ist wie ein verschimmletes Brötchen
Hoffentlich bringt er auch im zweiten Teil die Wahrheit über den polnisch-sowjetischen Krieg 1920 die Wahrheit ans Licht als Tausende sowjetisce Offiziere von Polen ermordet wurde und Gebiete besetzt wurden. Und im dritten Teil die Hintergründe, warum bis heute keine Juden nach Polen zurückgekommen sind. Und im Teil vier die Geschichte der Vertreibung der Deutschen. Geschichte ist wie ein verschimmeltes Brötchen und einige Machthaber versuchen die Rosinen für sich je nach politischer Lage rauszupicken.
Andree Barthel 17.09.2009
3. *
Zitat von chrome_koranWie gut, dass endlich das Thema künstlerisch aufgegriffen wurde. Vielleicht ist es noch nicht zu spät, dass möglichst viele Menschen begreifen, was der Kommunismus in Wirklichkeit bedeutet.
Katyn hat wohl weniger mit dem Kommunismus als vielmehr mit dem Personenkult, den Stalin betrieben hat, zu tun. In der Dokumentation über den Niedergang der SED, diese lief gestern, wurde deutlich, wie schwer sich die Führung tat, Honecker loszuwerden. Es ist schon erstaunlich, wie ein Gesellschaftssystem, dessen erklärtes Ziel darin besteht, alle Schranken niederzureißen, derart autoritäre Führungsstrukturen, die stark an den Feudalismus erinnern, herausbilden konnte. Es steht in den Sternen, ob jemals geklärt werden kann, ob solch ein System auch antiautoritär und basisdemokratisch funktioniert.
chrome_koran 17.09.2009
4.
Zitat von Andree BarthelKatyn hat wohl weniger mit dem Kommunismus als vielmehr mit dem Personenkult, den Stalin betrieben hat, zu tun. In der Dokumentation über den Niedergang der SED, diese lief gestern, wurde deutlich, wie schwer sich die Führung tat, Honecker loszuwerden. Es ist schon erstaunlich, wie ein Gesellschaftssystem, dessen erklärtes Ziel darin besteht, alle Schranken niederzureißen, derart autoritäre Führungsstrukturen, die stark an den Feudalismus erinnern, herausbilden konnte. Es steht in den Sternen, ob jemals geklärt werden kann, ob solch ein System auch antiautoritär und basisdemokratisch funktioniert.
Es ist nicht erstaunlich, sondern es ist ganz offensichtlich immanent. Denn egal in welchem Land, mit welchem kulturellen Hintergrund, auf welchem Kontinent (also auf jedem außer Australien) das kommunistische Experiment unternommen wurde: es endete immer im Personenkult, in Unterdrückung der Menschen, in Elend. Nach 90 Jahren Erfahrungen ist es ander Zeit, diese schreckliche Ideologie in den Giftschrank gleich neben dem Faschismus zu packen, Tür schließen, Schlüssel wegwerfen. In pace requiescat.
chrome_koran 17.09.2009
5. Auf Thema antworten
Zitat von ds77Hoffentlich bringt er auch im zweiten Teil die Wahrheit über den polnisch-sowjetischen Krieg 1920 die Wahrheit ans Licht als Tausende sowjetisce Offiziere von Polen ermordet wurde und Gebiete besetzt wurden. Und im dritten Teil die Hintergründe, warum bis heute keine Juden nach Polen zurückgekommen sind. Und im Teil vier die Geschichte der Vertreibung der Deutschen. Geschichte ist wie ein verschimmeltes Brötchen und einige Machthaber versuchen die Rosinen für sich je nach politischer Lage rauszupicken.
[QUOTE=ds77;4304709]Hoffentlich bringt er auch [etc., pp., gepflegte, unbegründete Vorurteile]/QUOTE] Bitte belegen Sie Ihre gewagten Thesen und Mutmaßungen mit entsprechenden Links, bevor Sie hier hetzen und sich als Unwissender outen. Sonst sind und bleiben es Aussagen ohne Inhalt. Zu einer These von Ihnen soviel: Geschichte ist durchaus eine Wissenschaft. Wer sich damit nicht auskennt, sieht halt nur Durcheinander und findet am Ende Halt in Pseudowissenschaften, also im Falle Geschichte: Verschwörungstheorien.
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