Krisendrama "The Company Men" Mein Auto, mein Haus, mein Pappkarton

Aufsteiger ganz unten: Der Film "The Company Men" mit Ben Affleck und Tommy Lee Jones erzählt von Männern, die ihre Führungsposten verlieren. Ein schmerzliches Kinodrama über Downsizing und Demütigung, das am Ende allerdings ein allzu schlichtes Heilsversprechen präsentiert.

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Egal, was du im Laufe deiner Karriere an Besitzständen und Privilegien eingesammelt hast: Am Ende passt doch alles wieder in eine Pappschachtel. Die Ledercouch aus deinem Büro kannst du genauso wenig mitnehmen wie die persönliche Assistentin, den Schlüssel zum Klo der Chefetage muss du genauso abgeben wie sämtliche elektronische Datenträger.

Dann stehst du da in der Lobby deines einstigen Arbeitgebers, unterm Arm einen Schuhkarton mit Bleistiften und unbrauchbaren Briefbeschwerern. Und egal, wie teuer der schwarze Mantel war, den du trägst: Jeder weiß, dass du ein Nichts bist, auf den Bürgersteig ausgespuckt von jenem Unternehmen, das dich zuvor in ein Büro in luftigsten Höhen einquartiert hatte.

Die Sache mit der Schachtel, die größtmögliche Demütigung eines jeden Karrieristen, wiederholt sich in dem amerikanischen Krisendrama "The Company Men" etliche Male. Das Downsizing erfolgt in diesem Film in Etappen: Einer nach dem anderen wird hier aus dem alteingesessenen Bostoner Transportunternehmen GTX rausgeworfen, alle diese Männer tragen schöne schwarze Mäntel, ansonsten könnten sie unterschiedlicher nicht sein.

Parcours der Demütigungen

Da ist der junge Aufsteiger Bobby Walker (Ben Affleck), der in großen Schritten die Karriereleiter aufgestiegen ist und dem niemals in den Sinn gekommen wäre, dass es auch wieder nach unten gehen könnte. Da ist der knautschgesichtige Phil Woodward (Chris Cooper), der sich in mehr als 30 Berufsjahren von den Werftbecken hochgearbeitet hat in die Managerebene. Und da ist schließlich Gene McClary (Tommy Lee Jones), der zweite Mann der Firmenleitung, der das inzwischen börsennotierte Unternehmen mitaufgebaut hat und nicht einsehen will, dass inzwischen der Wille der Aktionäre wichtiger sein soll als das Wohl von Firma und Mitarbeitern. Schwupps, da wird auch er vor die Tür gesetzt.

Als Parcours der Demütigungen hat Regisseur John Wells, Produzent und Autor der TV-Serien "Emergency Room" und "West Wing", sein Abstiegsdrama aus Corporate-Amerika in Szene gesetzt. Was mit der Pappschachtel beginnt, setzt sich in einer Kette von Prüfungen fort, die das Selbstbild der einstigen Aufsteiger erschüttern. Der alte Woodward etwa wird von seiner Arbeitsvermittlerin dazu aufgefordert, sich doch bitte die grauen Haare zu färben, sonst hätte er bei Vorstellungsgesprächen sowieso keine Chance. Der arrogante Yuppie Walker muss nach und nach seine Statussymbole abgeben: erst den Mitgliedsausweis des Golfclubs, dann den Porsche, schließlich das schöne Haus am Stadtrand.

In der verzweifelten Hoffnung, doch noch was von seiner alten, geliebten Gewinner-Identität retten zu können, veranstaltet Walker auf der Garagenauffahrt einen Flohmarkt. Aber natürlich darf man nicht darauf hoffen, dass man mit den Einnahmen durch ein bisschen verkauften Trödel die Raten fürs 500.000-Dollar-Eigenheim getilgt bekommt.

Und trotzdem: Der garage sale wird auch in "The Company Man" zur ersten Station auf dem Weg zur Heilung. Denn so unterschiedlich die Dramen sind, die Hollywood in den letzten Monaten zum Thema Krise ins Kino gebracht hat, die Therapiemaßnahmen für das gebeutelte Amerika sehen sich hier ziemlich ähnlich: Dem Downsizing der Konzerne folgt ein Downsizing der Privatpersonen.

Raubtier-Kapitalismus und Streichelzoo

Mach dich frei von Besitz, dann wirst du frei! So lautet die Botschaft sowohl in der Arbeitslosen-Schnurre "Larry Crowne", die nicht zufällig zu großen Teilen auf einem Garagenflohmarkt spielt, als auch in der "Wall Street"-Fortsetzung vom vergangenen Jahr. Die böse Welt der Spekulationen und Renditesteigerungen wird einfach mit einem puscheligen Nachbarschafts- und Familienkosmos vertauscht, der Raubtier-Kapitalismus verwandelt sich so in einen Streichelzoo.

Auch "The Company Men" folgt streckenweise dieser Logik. Besonders drastisch wird es, wenn Großkotz Walker erst mal aus seiner vertrauten White-Collar-Welt in die fremde Blue-Collar-Welt wechseln muss. Im Schreinerbetrieb seines kernigen Schwagers (Kevin Costner) werden dem Schnösel als Aushilfe alle Luxusträume ausgetrieben, abends fällt er in einen gerechten Schlaf. Wer nicht mehr darüber nachdenken muss, sein Golf-Handicap zu verbessern, der braucht auch keinen teuren Golfclub. Schwielen an den Händen - ein Weg zurück in die Rechtschaffenheit und in das Berufsleben?

Ganz so naiv wird die Krise, die in "The Company Men" eine gleichermaßen moralische wie ökonomische ist, dann doch nicht aufgelöst. Einer wie Walker ist eben nur gut, wenn er organisieren und verkaufen kann; einer wie er braucht ein Unternehmen, das er mitmanagen kann. Ausgerechnet das Werftgelände seines ehemaligen Arbeitgebers GTX, das beim Umbau zur Aktiengesellschaft und auf der Jagd nach immer höheren Renditen aufgegeben wurde, scheint da das richtige Terrain.

Mit einem kleinen, ehrlichen Kredit und einer Truppe ehemaliger Arbeitsloser übernimmt Ex-Yuppie Walker die Leitung. Und so findet dieses schmerzliche Absteigerdrama doch noch ein hemdsärmelig optimistisches Ende: Amerika, auferstanden aus den Ruinen des Mittelstands.

insgesamt 12 Beiträge
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HappyLuckyStrike 06.07.2011
1. Breaks my heart - abhängig Beschäftigte respektiere
ich nicht besonders - aber das ist vielleicht bloß so, weil mir 5 Jahre als Company Man gereicht haben, den Wert der Autonomie zu erkennen : es war mir in meinem jugendlichen Leichtsinn unerträglich, mir von Halbintelligenten Vorschriften machen zu lassen. Heute weiß ich um den Wert auch der mittelmäßigen Intelligenz, irgendwer muß ja unsere Produkte kaufen. Schwarze Mäntel auch, Appletoys oder die Rolex, die innen drin längst aussieht wie ein improvisiertes Drittweltprodukt...
kurtwied, 06.07.2011
2. Das Problem bei dem Ende ...
... vergessen wird, dass "Downsizing" genau das ist, was ihm seinen Job gekostet hat :) Und wenn er am Ende nicht nur einer handvoll Arbeiter einen Job und die Möglichkeit geben, ihre Familie durchzubringen - sondern Hunderten? Was muss er dann machen? Richtig. Er muss sehr viel größere Summen investieren - da er die nicht einfach so von einer Bank bekommt, muss er an die Börse gehen und Anteile seines Unternehmens zum Verkauf anbieten. Erst jetzt kann er durch internationales Engagement die Menge an Aufträge reinholen, die Hunderten bzw. Tausenden einen Job geben.
Fabian G, 06.07.2011
3. hmmm
naja, was man immoment am "markt" erlebt, ist eben nicht das die leute ihren job verlieren weil das unternehmen miese macht. es geht immer nur darum, dass nicht GENUG profit gemacht wird. nach dem motto: "mist wir haben nur 9% gewinnsteigerung, wirf leute raus" "mist wir haben nur eine eigenkapitalrendite von 15% die shareholder wollen aber 20%". thats a problem. besser: THE problem
Jonny_C 06.07.2011
4. Warum....
...sollte man wenn man einen guten Job hat, alles auf Pump finanzieren und einen auf Großkotz machen ? Das ist doch wohl irgendwie "typisch amerikanisch", oder ? Aus Deutschland, von meinen Bossen kenne ich das nicht und ich war bereits nach 28 Berufsjahren in der glücklichen Lage mich zur Ruhe setzen zu können. (Ohne Hartz IV !) In kleinem Stil, sehr bescheiden, aber ohne finanzielle Probleme. Ging aber noch 8 Jahre weiter und danach habe ich mich selbstständig gemacht..... Sofort ohne Arbeit seinen Status zu verlieren "scheint in meinen Augen" (ich kann mich da irren) ein amerikanisches Problem zu sein ? Deswegen finde ich den Film nur mäßig interessant.
Celegorm 06.07.2011
5. ...
Zitat von Jonny_C...sollte man wenn man einen guten Job hat, alles auf Pump finanzieren und einen auf Großkotz machen ? Das ist doch wohl irgendwie "typisch amerikanisch", oder ? Aus Deutschland, von meinen Bossen kenne ich das nicht und ich war bereits nach 28 Berufsjahren in der glücklichen Lage mich zur Ruhe setzen zu können. (Ohne Hartz IV !) In kleinem Stil, sehr bescheiden, aber ohne finanzielle Probleme. Ging aber noch 8 Jahre weiter und danach habe ich mich selbstständig gemacht..... Sofort ohne Arbeit seinen Status zu verlieren "scheint in meinen Augen" (ich kann mich da irren) ein amerikanisches Problem zu sein ? Deswegen finde ich den Film nur mäßig interessant.
In den USA wird das Leben auf Pump natürlich speziell kultiviert und ist gerade beim Konsum weit normaler als hier. Allerdings hatte sich das auch in Europa in problematischer Weise ausgebreitet, wenn man mal Richtung Süden schaut, und das Prinzip ist letztlich sowieso überall übertragbar. Die wenigsten können oder wollen es sich erlauben, aus der finanziellen Defensive sichere Strukturen aufzubauen. Viele fahren da letztlich völlig am Limit, und da ist eine Einkommensreduktion natürlich fatal. Erst recht wenn Verpflichtungen vorhanden sind: Der Kauf eines Hauses, Gründung einer Familie, etc. basieren ja immer auf Annahmen über die finanzielle Zukunft. Erweisen sich diese als zu optimistisch kollabiert das Konstrukt halt..
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