Kubanischer Kult-Regisseur Humberto Solás gestorben

Das "Arme Kino", die Rolle der Frau und die Zwänge in der kubanischen Gesellschaft waren die Themen des Regisseurs und Drehbuchautors Humberto Solás. Jetzt starb der Filmemacher im Alter von 66 Jahren.


Havanna - Er galt als einer der größten Persönlichkeiten des lateinamerikanischen Kinos: Der kubanische Filmregisseur, Drehbuchautor und Produzent Humberto Solás.

Regisseur Solás: "Kritischer und selbstkritischer" Filmemacher
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Regisseur Solás: "Kritischer und selbstkritischer" Filmemacher

Jetzt starb der Regisseur im Alter von 66 Jahren, wie das kubanische Filminstitut ICAIC am Mittwoch in Havanna mitteilte.

Solás war 1970 mit "Lucia", einem Klassiker des kubanischen Films, weit über die Grenzen seiner Heimat bekannt geworden. Der Regisseur gilt als einer der prominentesten Vertreter des Autorenkinos in Kuba.

In seinen Werken befasste sich Solás, der 1941 in Havanna geboren wurde, ausführlich mit der Rolle der Frau in der Gesellschaft. Nach dem Ende der kubanischen Revolution 1959 erregte er etwa mit "Manuela" (1966) und "Amada - Junge Frau aus Havanna" (1983) Aufsehen. Später folgten Filme, wie "Ein Tag im November" (1974) und "La Cantata de Chile" (1976).

Solás, der schon im Alter von 18 Jahren erste Filme drehte, geriet mehrfach mit der Parteibürokratie aneinander - etwa mit "Cecilia" (1981), seiner unkonventionellen Verfilmung der Geschichte der Mulattin Cecilia Valdéz. Der Film gilt als eine Art Nationalepos in Kuba.

Auch sein letztes Werk "Barrio Cuba" (2005) befasste sich kritisch mit der "sozialistischen Moral" in Kuba, das nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion Anfang der neunziger Jahre in eine tiefe Wirtschaftskrise geriet.

2003 gründete Solás das jährlich in der kubanischen Kleinstadt Gibara stattfindende Internationale Festival des "Armen Kinos" ("Festival del Cine Pobre"). Mit dem Festival wollte der Regisseur auf die negativen Folgen der Globalisierung aufmerksam machen. Das "Festival del Cine Pobre" sollte nicht "arm" an Ideen und künstlerischer Qualität sein, jedoch ein Bewusstsein für die eingeschränkten wirtschaftlichen Möglichkeiten der Filmschaffenden evozieren. Solás hatte das Festival gegründet, nachdem er 2001 selbst mit sehr bescheidenen finanziellen Mitteln seinen Film "Miel para Ochún" gedreht hatte.

Solás, der 1977 und 1997 Jurymitglied der Berlinale war, verstand sich selbst als "kritischer und selbstkritischer" Filmemacher. 2005 wurde er in seiner Heimat mit dem nationalen Filmpreis ausgezeichnet.

ber/afp



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