Kultfigur Kerkeling will Horst Schlämmer den Garaus machen

Hape Kerkeling war in Deutschland schon populär, bevor er zu Horst Schlämmer wurde. Doch die Erfindung der Kunstfigur gilt als Geniestreich des Komikers. Im Gespräch mit dem SPIEGEL deutet er an, dass die Tage seines Alter Ego gezählt sind.

DPA

Hamburg - Der Unterhaltungsstar Hape Kerkeling, 44, will nicht länger Horst Schlämmer sein. "Vielleicht kommt er gar nicht mehr zurück", sagte Kerkeling dem SPIEGEL in einem Gespräch über seine populäre Kunstfigur. "Vielleicht lasse ich ihn wirklich jetzt sterben." Es ist zugleich das erste Mal seit dem erfolgreichen Kinostart seiner Polit-Satire "Horst Schlämmer - Isch kandidiere!", dass sich der Entertainer wieder als Kerkeling befragen ließ.

"Der Film war eine Art Crescendo", kurz vorm Overkill, so Kerkeling, der selbst während der Reklame für den Film oft sechs, sieben Stunden täglich in die Rolle des schmierigen Grevenbroicher Lokaljournalisten schlüpfen musste. "Vielleicht habe ich auch übertrieben", sagte Kerkeling selbstkritisch. Das Filmprojekt sei ohnehin "ein Ritt über den Bodensee" gewesen.

Die Idee dazu sei ihm erst im Februar gekommen: "Wir haben im April schon gedreht, als die letzten Seiten des Buches noch gar nicht geschrieben waren." Mittlerweile haben 1,3 Millionen Zuschauer den Streifen gesehen.

"Man ist auch ein bisschen Trittbrettfahrer mit so einem Film", in dem auch etliche echte Polit-Größen wie NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers und Grünen-Chefin Claudia Roth auftraten.

Er und sein Team, so Kerkeling, hätten aber darüber hinaus "mit viel mehr Politikern Interviews geführt, als wir am Ende zeigen wollten". Grund: Die aufgezeichneten "Peinlichkeiten reichten von thematischer Total-Ahnungslosigkeit bis an den Rand der Volksverhetzung". Es sei ihm "unmöglich gewesen, das als Beispiel deutscher Politik zu zeigen".

Auf die Frage, was es über eine Nation verrate, die einen Kotzbrocken wie sein Alter Ego Horst Schlämmer liebe, sagte Kerkeling: "Dass sie Humor hat. Und Schlämmers Erfolg zeigt wohl auch, dass eben jeder so eine Type kennt. Ich glaube, dass Deutschland auch ein bisschen Schlämmer ist. Ist aber auch nicht schlimm."

Zugleich bekräftigte er, in fünf, sechs Jahren aus dem Fernsehen verschwinden zu wollen: "Mit 50 ist Schluss. Ohne jede Wehmut. Ich will mir nicht dabei zusehen, wie ich vor der Kamera altere." Er wolle danach nur noch schreiben. "Schreiben ist Ganz-bei-sich-sein."

Bis Ende 2010 will Kerkeling sein nächstes Buch fertigstellen, das er zurzeit aus zwei ursprünglich getrennten Buchprojekten zusammenführe.

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