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Kinoromanze "Lachsfischen im Jemen": Ein Mann beißt an

Von Jörg Schöning

Wie angle ich mir einen Briten? Die Filmromanze "Lachsfischen im Jemen" erzählt von einem Wissenschaftler, der in der Wüste Lachse ansiedeln soll - und die große Liebe findet. Die Story ist lauwarm, aber Stars wie Ewan McGregor und Emily Blunt überzeugen mit viel Charme.

"Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom" - der Slogan war als Aufkleber mal sehr beliebt, bevorzugt zierte er die Türen von Studenten-WGs. Es hat also schon eine gewisse Ironie, wenn dieser Wahlspruch einer dissidenten Lebensführung nun ausgerechnet einem Mainstream-Film als moralisches Motto dient.

Der Lachs-Experte Dr. Alfred Jones (Ewan McGregor) ist schon an seiner Strickjacke zu erkennen. Das schluffige Teil zeugt auch davon, dass dem Mann so ziemlich alle Felle davongeschwommen sind. Den Zumutungen seines Vorgesetzten begegnet der introvertierte Wissenschaftler mit resigniertem Achselzucken - und reagiert sich an ihm ab, indem er sein Konterfei zur Zielscheibe von Angelwürfen macht.

Gelingt es ihm einmal, die eigene Ehefrau ins Bett zu ködern, wenn sie zwischen Business-Trips zu Hause einen Zwischenstopp einlegt, ist beim Sex mit der Karrierefrau der Frust programmiert. Und es ist ein arges Bild des Jammers, wie Dr. Jones postkoital einem Koi im Gartenteich sein Leid klagt.

Auch reicht seine Phantasie bei weitem nicht aus, in dem Projekt einer smarten Investment-Agentin eine mögliche Lösung all seiner Probleme zu sehen. Als Harriet Chetwode-Talbot (Emily Blunt) bei ihm im Auftrag eines angelbegeisterten Emirs anfragt, ob es machbar sei, in seiner jemenitischen Heimat eine Lachszucht aufzubauen, verneint Dr. Jones das mit all seiner fachmännischen Kompetenz.

Gegenentwurf zur Araber-Karikatur

Doch dann gerät er in die Fangnetze der Politik. Die PR-Beraterin des britischen Premiers (Kristin Scott Thomas) ist auf der dringenden Suche nach einer "anglo-arabischen Geschichte, bei der mal was nicht explodiert", und setzt Dr. Jones' Vorgesetzten massiv unter Druck. So muss er sich aus dem Gartenteich seines seichten Bürodaseins auswildern lassen. Und je besser er im Jemen den Emir und dessen attraktive Agentin kennenlernt, um so begeisterter beißt er an.

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"Lachsfischen im Jemen": So romantisch kann Angeln sein
Der schwedische Regisseur Lasse Hallström gilt seit seiner zuckrigen Filmpraline "Chocolat" als Süßstoff-Konfektionär. Auch "Lachfischen im Jemen" ist das Produkt einer eher reizarmen Aqua-Kultur. Und doch entwickelt die Lovestory am Rande der künstlichen Pools in der Wüste einigen Charme. Die Romanvorlage des jungen Autors Paul Torday steht in der Tradition britischer Spötter wie Evelyn Waugh, der Drehbuchautor Simon Beaufoy ("Slumdog Millionär") hat sie in spritzige Dialoge gegossen.

Natürlich ist "Lachsfischen im Jemen" eine konventionelle Romanze, aber doch auf der Höhe der Zeit. Dafür sorgen in erster Linie die Nebenfiguren: Harriets Freund, ein junger britischer Captain (Tom Mison), der für die Handlung fristgerecht in Afghanistan als vermisst gemeldet wird, vor allem aber der jemenitische Emir. Der aufgeklärte orientalische Herrscher (gespielt von dem aus Soderberghs "Syriana" bekannten ägyptischen Star Amr Waked) ist ein Gegenentwurf zu den im aktuellen Kino dominierenden Dunkelmännern und Karikaturen aus dem arabischen Raum.

Ein männliches Mauerblümchen

Krummdolch gegen Kalaschnikow: Auf der einen Seite steht der traditionsbewusste Potentat, der mit seinem Bewässerungsplan den Aufbau einer industriellen Landwirtschaft zum Wohle seiner Untertanen vorantreiben will. Auf der anderen aber stehen schwerbewaffnete Attentäter, denen der eigens errichtete Staudamm prompt zum Opfer fällt. Dem britischen Bürger und Bürokraten Dr. Jones bleibt es vorbehalten, mit Common Sense und zoologischem Wissen dem Fortschritt voran zu helfen.

"Lachsfischen im Jemen" darf man zu Lasse Hallströms gelungensten Filmen zählen - seit "Gottes Werk und Teufels Beitrag" (1999) und den "Schiffsmeldungen" (2001). Auch weil hier vorzügliche Schauspieler an Bord sind. Kristin Scott Thomas brilliert als mit allen politischen Wassern gewaschene PR-Sprecherin, Ewan McGregor beweist in seiner ersten "Altersrolle", dass er - im Gegensatz zu Hugh Grant beispielsweise, der auf ähnliche männliche Mauerblümchen abonniert ist, zu den seriöseren Schauspielern des Vereinigten Königreichs zählt. Und Emily Blunt ist ja ohnehin ein Mädchen zum Fische stehlen.

Die Wahl, die ihre Harriet Chetwode-Talbot am Ende zwischen dem jungen Kriegshelden und dem im Jemen zum Leben erweckten Lachs-Experten trifft, lässt übrigens vermuten, dass der Spruch mit den toten Fischen auch mal an ihrer Zimmertür hing.

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insgesamt 7 Beiträge
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1. Müssen diese Spoiler eigentlich sein?
.void 16.05.2012
Zum Glück habe ich diesen bezaubernden Film schon in einer Preview sehen dürfen, sonst hätte ich mich jetzt wieder mal rasant geärgert, dass da steht, was am Ende passiert. Muss das sein?
2. Der Titel und der Ort sind so ziemlich daneben
doytom 16.05.2012
Zitat von sysopConcorde Filmverleih GmbHWie angel ich mir einen Briten? Die Film-Romanze "Lachsfischen im Jemen" erzählt von einem Wissenschaftler, der in der Wüste Lachse ansiedeln soll - und die große Liebe findet. Die Story ist lauwarm, aber Stars wie Ewan McGregor und Emily Blunt überzeugen mit viel Charme. http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,833203,00.html
Lachsfischen im Yemen. Der Titel alleine schon strotzt vor Dummheit und man ahnt schon was für ein strohdumme Produktion dabei herauskommt die von einem ignoranten Produzenten und genauso ignoranten Schauspielern hervorgebracht wurde? Schon vergessen was in den letzten Monaten im Yemen passiert ist? Massendemonstrationen gegen die Regierung, bürgerkriegsähnliche Strassenkämpfe, neue aufstrebende Al Quaida Hochburg laut Pentagon. Das müssen genau die Idealbedingungen für eine britische Schmonzette sein? Hier ein paar weitere Titel und Vorlagen für zukünftige Schmonzetten: `Ziegenzüchten im Irak` -Ein US-Oberst auf der vergeblichen Suche nach Saddams Massenvernichtungswaffen findet dort die Liebe seines Lebens, eine Ziegenzüchterin die ihre Tiere zwecks Minenräumen an die US-Armee verhökert oder `Mohnblumenanbau in Afghanistan` -Ein US-Navy Seal auf der Jagd nach Osama bin Laden trifft zufällig auf eine seiner vier Frauen auf einem Mohnblumenfeld und verliebt sich unsterblich in sie und zweifelt am Sinn seiner Mission
3. ...
Usambaras 16.05.2012
Zitat von doytomLachsfischen im Yemen. Der Titel alleine schon strotzt vor Dummheit und man ahnt schon was für ein strohdumme Produktion dabei herauskommt die von einem ignoranten Produzenten und genauso ignoranten Schauspielern hervorgebracht wurde? Schon vergessen was in den letzten Monaten im Yemen passiert ist? Massendemonstrationen gegen die Regierung, bürgerkriegsähnliche Strassenkämpfe, neue aufstrebende Al Quaida Hochburg laut Pentagon. Das müssen genau die Idealbedingungen für eine britische Schmonzette sein? Hier ein paar weitere Titel und Vorlagen für zukünftige Schmonzetten: `Ziegenzüchten im Irak` -Ein US-Oberst auf der vergeblichen Suche nach Saddams Massenvernichtungswaffen findet dort die Liebe seines Lebens, eine Ziegenzüchterin die ihre Tiere zwecks Minenräumen an die US-Armee verhökert oder `Mohnblumenanbau in Afghanistan` -Ein US-Navy Seal auf der Jagd nach Osama bin Laden trifft zufällig auf eine seiner vier Frauen auf einem Mohnblumenfeld und verliebt sich unsterblich in sie und zweifelt am Sinn seiner Mission
Sie haben den Film also schon gesehen ? Tendenziell wohl eher nicht... ;-) Der Film basiert auf einer ganz wunderbaren Romanvorlage, die bereits mehrere Jahre alt ist. Auch der Film dürfte nicht eben letzte Woche gedreht worden sein. Und überhaupt spielt "der" Jemen als konkretes Land an und für sich keine direkte Rolle. Vielmehr könnte der Film ebenso gut in Jordanien oder Marokko spielen, wo er neben Plätzen in Schottland ja auch gedreht wurde. Obwohl. Stimmt so auch nicht so ganz, weil Al Qaida und Co. ja durchaus eine gewisse Rolle im Film spielen. Aber dazu müssten sie "Lachsfischen im Jemen" ja erstmal gesehen haben...und als Schmonzette ist der Film auch nur bedingt zu bezeichnen, auch wenn die politisch-humanistischen Aspekte im Film weniger gut als im Buch rüberkommen. P.S. Kritik Nr.1 schließe ich mich vorbehaltlos an. Das ist wirklich sehr schade. Bitte beim nächsten Mal etwas vorsichtiger sein.
4. Lesen Sie mal das Buch...
JuttaCampbell 16.05.2012
Zitat von doytomLachsfischen im Yemen. Der Titel alleine schon strotzt vor Dummheit und man ahnt schon was für ein strohdumme Produktion dabei herauskommt die von einem ignoranten Produzenten und genauso ignoranten Schauspielern hervorgebracht wurde? Schon vergessen was in den letzten Monaten im Yemen passiert ist? Massendemonstrationen gegen die Regierung, bürgerkriegsähnliche Strassenkämpfe, neue aufstrebende Al Quaida Hochburg laut Pentagon. Das müssen genau die Idealbedingungen für eine britische Schmonzette sein? Hier ein paar weitere Titel und Vorlagen für zukünftige Schmonzetten: `Ziegenzüchten im Irak` -Ein US-Oberst auf der vergeblichen Suche nach Saddams Massenvernichtungswaffen findet dort die Liebe seines Lebens, eine Ziegenzüchterin die ihre Tiere zwecks Minenräumen an die US-Armee verhökert oder `Mohnblumenanbau in Afghanistan` -Ein US-Navy Seal auf der Jagd nach Osama bin Laden trifft zufällig auf eine seiner vier Frauen auf einem Mohnblumenfeld und verliebt sich unsterblich in sie und zweifelt am Sinn seiner Mission
... bevor Sie so poltern... Das Buch zum Film erschien bereits 2007 und wurde als recht gelungene Persiflage auf "New Labour" gefeiert. Dass bei der Verfilmung die eine oder andere Pointe verloren geht, passiert wohl bei allen Filmen...
5. Entäuschung
markyku7 17.05.2012
Auch wenn die Kritiken überwiegend positiv ausfallen, uns hat der Film nicht gefallen. Die Story ist oft vorhersehbar, der Titel machte Lust auf Absurdes und Groteskes, stattdessen: Biedere Schmonzette mit Sitcom-mäßigem Witz. Das zudem noch ein kritisch-satirischer Seitenhieb auf die Mechanismen der Realpolitik reingepackt wird, überfrachtet den Film nicht nur, den Seitenhieb habe ich im immerhin 15 Jahre alten "Wag the dog" schon wesentlich gelungener gesehen. (Möchte aber keinem den Spaß verderben.)
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