Von Lisa Goldmann
Glamour, Verruchtheit und der ganz tiefe Fall - Las Vegas als Schauplatz ist beliebt in Hollywood. Es sind dort ja auch wunderbare Filme entstanden, ein großes Drama wie "Casino" zum Beispiel oder die fröhlichen Gauner-Stücke der "Ocean's"-Reihe. Auch "Lady Vegas", der neue Film von Stephen Frears, spielt im Zocker-Milieu - mit einem großen Unterschied. Bisher waren die Vegas-Filme fast alle männerdominiert, den Frauen blieb die Nebenrolle als Kellnerin oder Hure. In "Lady Vegas" steht nun eine Frau im Mittelpunkt, die junge Beth.
Beth (gespielt von Rebecca Hall, der Vicky aus "Vicky Cristina Barcelona") fängt noch in ihrer Heimat Florida als Stripperin an und geht nach Las Vegas, um dort als Kellnerin zu arbeiten. Doch dazu kommt es nicht, denn sie heuert im Wettbüro von Dink (Bruce Willis) an. Noch größer als ihr Serviertalent scheint nämlich ihr Rechentalent. Beth ist schnell und kann sich viele Zahlen auf einmal merken. So sitzt sie bald zwischen den Jungs in Dinks Büro und schließt große Wetten ab auf alles, das mit Gewinnen und Verlieren zu tun hat - inklusive Buchstabierwettbewerbe.
Der Film basiert auf den Memoiren von Beth Raymer, die 2010 in den USA unter dem Titel "Lay the Favorite" veröffentlicht wurden. Nach ihren Erlebnissen in Stripper-, Wett- und Amateurboxerkreisen (das Boxen kommt im Film nicht vor), ging Raymer auf die Columbia University, forschte über Wettsysteme in Mittelamerika und schrieb schließlich das Buch.
Traumlandschaft mit Flachbildschirmen
Die Beth im Film ist eine liebe und naive Frau, die jedoch keine Hemmungen hat, sich zu nehmen, was sie will - hauptsächlich Geld und Männer. Zuerst hält sie mit ihrem verheirateten Boss Händchen, was dessen eifersüchtiger Ehefrau Tulip (Catherine Zeta-Jones) gar nicht gefällt. Später spricht Beth in einem Casino beiläufig Jeremy (Joshua Jackson) an, die eigentliche Anmache überlässt sie dann ihm. Zu Jeremy, der in New York wohnt, flüchtet Beth auch, als es ihr in Las Vegas zu ungemütlich wird. Mit dem Wetten geht es da erst so richtig los - dummerweise ist das in New York illegal, und Beth landet am Ende fast im Gefängnis.
In diesem Spiel um Sein und Schein findet der Film leider nie die richtige Balance. Das Drehbuch von D.V. DeVincentis, der auch die Adaption zu Frears' Film "High Fidelity" schrieb, hetzt die Figuren von Station zu Station, ohne ihnen Luft zu lassen. Rebecca Hall als Beth ist dabei so naiv und süß, dass alle darunter liegenden Charakterschichten zugekleistert werden. In fast jeder Szene spielt sie verträumt mit einer ihrer Haarlocken und blickt rehäugig nach oben.
Große Gefühle? Große Behauptung!
Es gibt sogar einen Moment im Film, in dem Hall die Mädchen-Masche so überstrapaziert, dass der Zuschauer plötzlich überzeugt ist, auch Beth spiele nur eine Rolle, verfolge einen größeren Plan. Womöglich ist sie sogar vom FBI und recherchiert undercover? Diese Hoffnung aber wird schnell zerstört, und Beth dreht weiter verlegen an ihren Löckchen.
Auch die Nebenfiguren wirken etwas unausgeglichen, Dinks Ehefrau Tulip bleibt irgendwo hängen zwischen der Karikatur einer verwöhnten Hausfrau und der solidarischen Mitkämpferin, in die sie sich verwandeln soll. Die großen Gefühle, die es immer noch zu geben scheint zwischen ihr und Dink, bleiben Behauptung.
Das ist schade, denn Regisseur Stephen Frears hat schon oft bewiesen, dass er Schauspieler führen kann und so ziemlich jedes Genre beherrscht: das Gaunerstück mit "Grifters", den Liebesfilm mit "High Fidelity" und die Ensemble-Komödie mit "Immer Drama um Tamara". In "Lady Vegas" schmeißt er alles zusammen und kann es doch nicht schlüssig verbinden. Wie das Wetten funktioniert, wie Beth die Quote beeinflusst und so mehr Geld macht - das erfährt der Zuschauer nie und kann so Beths Freude am Wetten auch nicht teilen.
Der echten Beth Raymer ist das alles wirklich passiert. "Lady Vegas" macht aus ihrem Leben aber eine so oberflächliche Story, dass man sich nicht einmal mehr vorstellen kann, dass es jemanden wie Beth Raymer wirklich gibt.
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