Lars von Trier Pressekonferenzen? Nie wieder!

Tötet die Politcal Correctness die Kunstfreiheit? Lars von Trier macht sich Gedanken um den Zustand des Filmbetriebs - und verkündet, dass er nach dem Eklat in Cannes nie wieder eine Pressekonferenz geben wird. Kaum anzunehmen, dass sich der dänische Regisseur an sein Schweigegelübde halten wird.

Regisseur Trier: Nie wieder Pressekonferenzen? Wer's glaubt...
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Regisseur Trier: Nie wieder Pressekonferenzen? Wer's glaubt...


Hamburg/Paris - Er verursachte einen der größten Eklats in der Geschichte der Filmfestspiele von Cannes. Nun zieht Dänemarks Radikalfilmer Lars von Trier die Konsequenzen aus dem Vorfall: "Ich werde keine Pressekonferenzen mehr geben. Damit ist jetzt Schluss", sagte er der französischen Tageszeitung "Libération" in einem Interview.

Im Mai hatte der Regisseur nach einer Präsentation seines neuen Filmes "Melancholia" in Cannes vor der versammelten internationalen Presse Sätze gesagt wie "Ich bin ein Nazi" oder "Ich verstehe Hitler. Ich glaube, dass er ein paar schlechte Dinge gemacht hat, klar, aber ich kann ihn mir in seinem Bunker vorstellen, am Ende". Das rief heftige Reaktionen in den internationalen Medien hervor und einen Ausschluss vom Festival als "Persona non grata".

Jetzt erklärte Trier dem französischen Blatt, er habe sich von Festivalchef Gilles Jacob zu der Pressekonferenz überreden lassen und sich völlig unvorbereitet vor 200 Journalisten vorgefunden. "Ich habe idiotische Sachen gesagt und kann mir bis heute nicht verzeihen, dass ich damit Leute verletzt habe", so der Regisseur. Zugleich zeigte er sich erstaunt darüber, dass nahezu jeder seine Provokationen für bare Münze genommen hat: "Wenn ich sage, dass ich ein Nazi bin, bin ich schockiert darüber, dass die Leute mir das glauben", so der 55-Jährige.

Die Strafmaßnahmen der Cannes-Leitung hatte Trier in Cannes bereitwillig angenommen und sich gleich mehrmals entschuldigt. Was ihn jedoch beunruhige, sei die Political Correctness, die dabei sei, die Welt zu töten: "Wenn man in diese Falle gerät, wird unser Denken arm", meinte er gegenüber der "Libération". Es dürfe einfach keine verbotenen Themen geben.

Kaum anzunehmen, dass sich der für seine Stimmungsumschwünge bekannte Künstler in Zukunft also mit der Meinungsäußerung zurückhält. Man darf davon ausgehen, dass er schon auf dem nächsten internationalen Filmfestival wieder vor die Presse tritt. Sein Geschwätz von gestern hat den Dänen schließlich selten interessiert. Unvergessen ist, wie er Ende der Neunziger mit einer Reihe anderer Regisseure ein striktes ästhetisches "Dogma" für das Filmemachen formulierte - das er dann als erstes wieder brach.

cbu/dpa



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insgesamt 2 Beiträge
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caecilia_metella 10.08.2011
1. Es gibt doch auch genug Menschen, die etwas zu erzählen haben
Mich z.B. Manchmal bin ich froh, dass ich mir nicht alles ansehen muss.
myspace 11.08.2011
2. .
Zitat von caecilia_metellaMich z.B. Manchmal bin ich froh, dass ich mir nicht alles ansehen muss.
OK, aber Lars von Trier ist einer der intelligentesten davon, zumindest im Film-Business.
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