Leslie Nielsen: Schlimmer geht's immer

Von

Was Lieutenant Frank Drebin anpackte, endete im Desaster: Das Kinopublikum liebte den Trottel-Bullen aus "Die nackte Kanone" - vor allem seine Fähigkeit, in den absurdesten Situationen ernst zu bleiben. Der jetzt gestorbene Schauspieler Leslie Nielsen war einer der ganz Großen seiner Zunft.

Die Ermittler haben eine Spur, es ist eine Adresse. "Das ist im Rotlichtbezirk... ich frage mich, was Savage in so einer Gegend zu suchen hat?"

"Sex, Frank?"

Lieutenant Frank Drebin, weißes Haar, ernstes Gesicht, denkt kurz nach. Er scheint die These seines Kollegen auf ihre Stichhaltigkeit zu überprüfen. Dann antwortet er: "Nein... im Moment lieber nicht, Ed. Wir haben zu viel Arbeit."

Eine genretypische, alltägliche Situation. Dann: ein absurdes Missverständnis. Und darauf eine kindische Pointe, gesetzt, ohne mit der Wimper zu zucken.

Dieser Dialog aus der Krimi-Komödie "Die nackte Kanone 2 1/2" von 1992 kann als Zusammenfassung des komödiantischen Gesamtwerkes Leslie Nielsens verstanden werden - und das ist nicht respektlos gemeint. Je blöder der Witz, desto wichtiger ist es, ihn in voller Ernsthaftigkeit vorzutragen. Nicht viele Schauspieler beherrschen diese Kunst. Leslie Nielsen war darin perfekt.

Neben solchen Dialog-Scherzen war es vor allem das Spiel ohne Worte, das Nielsen zu einem der beliebtesten Hauptdarsteller lustiger Filme der achtziger und neunziger Jahre machte. Andere bleiben vielleicht einmal an einer Türklinke hängen. Bei Nielsen ist es stets ein großes Scheitern in epischer Ausführung: Wenn er hängen blieb, dann verhedderte er sich komplett, dann zerstörte er seine Kleidung, die Türe, das ganze Haus. Es kam schlimm und dann noch etwas schlimmer, und dann ging's erst richtig los.

Dabei behielt Nielsen stets einen stoischen Gesichtsausdruck. Kein Zucken, kein Wutausbruch, nur der verstockte Wille, ans Ziel zu kommen, egal, was um ihn geschieht, da mag alles zusammenbrechen. In Deutschland kennt man solch vollendeten Slapstick eigentlich nur von Loriot. Man denke etwa an seinen Sketch "Das Bild hängt schief", in dem er aus purem Willen zur Ordnung einen Salon verwüstet. Der Meister dieser Kunst war sicherlich Buster Keaton - der Mann, der niemals lachte.

Fotostrecke

9  Bilder
Leslie Nielsen: Kindisch ohne mit der Wimper zu zucken
Der Mann mit der unerschütterlichen Mimik

Leslie Nielsen gehörte also zu den Großen seiner Zunft, aber es dauerte ein halbes Leben, bis er zu ihr gefunden hatte. Geboren wurde Nielsen 1926 in der kanadischen Provinz Saskatchewan. Er studierte Schauspielerei in Toronto und New York. Im Alter von 22 Jahren trat er zum ersten Mal im Fernsehen auf, acht Jahre später dann auch in Kinofilmen. Nielsen spielte in Science-Fiction- und Romantik-Produktionen, aber keineswegs komische Rollen.

Er hatte sich bereits einen Ruf als ernsthafter Schauspieler erarbeitet, als es 1980 zu seiner denkwürdigen Beteiligung an der "Reise in einem verrückten Flugzeug" (Originaltitel: "Airplane!") kam.

Dieser Film, der zweite der Brüder David und Jerry Zucker mit ihrem langjährigen Partner Jim Abrahams, markierte den Durchbruch des komödiantischen Talents Nielsens. In dieser Parodie auf den herkömmlichen Flugreisen-Katastrophenfilm spielte Nielsen den obligatorischen zufällig mitreisenden Arzt. Als Dr. Alan Rumack kümmerte er sich um die plötzlich krank gewordenen Fluggäste, hier bereits mit unerschütterlicher Mimik und einem Hang zu Missverständnissen ausgestattet.

Es folgte die Fernsehserie "Die nackte Pistole", in der Nielsen erstmals als Frank Drebin auftrat, und schließlich die Filmtrilogie "Die nackte Kanone", ebenfalls eine Zucker/Zucker/Abrahams-Produktion. An Nielsens Seite waren Priscilla Presley und der später zu ganz anderer Berühmtheit gekommene O. J. Simpson zu sehen. Der unbestrittene Star war jedoch Leslie Nielsen alias Lieutenant Frank Drebin, der ernsthafteste Trottel-Bulle, den das Kinopublikum jemals gesehen hat.

Der dritte Teil der "Nackten Kanone" lief 1994, ein von den Zuckers geplanter vierter Teil wurde niemals realisiert. Mit seinen späteren Filmen konnte Nielsen zwar immer noch viele Zuschauer gewinnen, doch seine große Zeit war vorbei. Am Sonntag ist Leslie Nielsen im Alter von 84 Jahren an den Folgen einer Lungenentzündung gestorben.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 65 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Laßt euch impfen gegen Pneumokokken
der.letzte.dodo 29.11.2010
Dann passiert das mit der Lungenentzündung nicht
2. Zum Tode Leslie Nielsens
Montanabear 29.11.2010
Zitat von der.letzte.dodoDann passiert das mit der Lungenentzündung nicht
Das ist das Einzige, was Sie dazu zu sagen haben ? Naja..... Ich jedenfalls bedaure den Tod eines Menschen, der viel Freude und Humor in seinen mehr als 100 Filmen verbreitete. Er sah klassisch-vornehm aus und brachte es fertig, die dümmsten Situationen mit Würde zu überstehen. Farewell, ich hoffe, er kann auch dort, wo er jetzt sein wird, noch viel lachen. Und danke für die Erinnerungen.
3. unvergessen
Peter Freiburg 29.11.2010
Die Nackte Kanone - grosses Kino! Schade, dass es nicht mehr so Filme gibt...
4. Nielsen
greeper 29.11.2010
Vielen Dank an Lesley Nielsen für die schmerzhaftesten Lachkrämpfe in meinem Leben. Police Squad und The Naked Gun gehören zu den lustigsten Sachen, die jemals gefilmt wurden. "Was macht Nordberg in Detroit?"
5. Ruhe in Frieden, Frank Drebin
Beduine 29.11.2010
Unvergessen: "Schöner Pelz." - "Muss aber regelmäßig gebürstet werden."
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Kultur
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Kino
RSS
alles zum Thema Leslie Nielsen
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 65 Kommentare