Action-Star Liam Neeson: "Gott lacht über Pläne"

Der alte Mann und die Muskeln: Kurz vor seinem 60. Geburtstag ist Liam Neeson gleichzeitig in vier Actionfilmen zu sehen. Im Interview spricht er über seinen Job als "Battleship"-Admiral im Kampf gegen Aliens, eiskalte Drehs im Schnee - und seine zweite Karriere als neuer Charles Bronson.

Liam Neeson: Zwischen Action und Arthouse Fotos
Getty Images

SPIEGEL ONLINE: Mister Neeson, wie wäre Ihre Reaktion ausgefallen, wenn man Ihnen vor zehn Jahren erzählt hätte, dass Sie im Frühjahr 2012 gleich in vier großen Actionfilmen zu sehen sind?

Neeson: Ich hätte die Person zum Arzt geschickt wegen Wahnvorstellungen, denn das klingt sogar heute noch unglaubwürdig. Schon seltsam, wie das Leben spielt. Ich hatte als Schauspieler früher nicht das geringste Bedürfnis, mit einer Waffe herumzurennen - doch gestern musste ich bei Dreharbeiten schon wieder einen Bösewicht erschießen. Aber sagen Sie mal: Welche vier Filme meinen Sie?

SPIEGEL ONLINE: Die Neustarts "The Grey - Unter Wölfen","Battleship" und "Zorn der Titanen" - sowie die 3D-Wiederaufführung von "Star Wars: Episode I".

Neeson: Ach ja, "Star Wars". Davon erfuhr ich auch erst aus der Zeitung, mitgearbeitet habe ich an der Neufassung nicht. Ich frage mich gerade, ob dafür noch mal eine Gage fällig wird...

SPIEGEL ONLINE: Wie wichtig ist Ihnen die Gage eigentlich bei einem Blockbuster wie "Battleship", in dem Sie als Admiral eine Alien-Attacke bekämpfen?

Neeson: Ich stand schon umsonst vor der Kamera, in anderen Fällen bin ich überbezahlt worden. Doch letztlich ist Geld nicht entscheidend. Ich denke auch nicht lange darüber nach, ob ein Projekt in meine Karriere passt, oder wie die Fachwelt reagieren mag. Bei "Battleship" rief mich mein alter Freund Peter Berg an, der Regie führte und produzierte. Ich kenne ihn als Schauspieler noch aus den Achtzigern - 48 Stunden später steckte ich auf Hawaii in der Uniform.

SPIEGEL ONLINE: Wie albern fühlt es sich an, Außerirdischen den Krieg zu erklären, wenn man vorher Filmgeschichte geschrieben hat mit "Schindlers Liste" oder "Rob Roy"?

Neeson: Das ist Hollywood! Mal berührt es uns mit ergreifenden Wahrheiten, dann unterhält es uns mit aufregendem Quatsch. Als Schauspieler versuche ich, meinen Platz zu finden und jedes Material ernst zu nehmen. Als ich für "Battleship" vor 500 Kadetten stand, um eine Rede zu halten, war ich nicht weniger fokussiert als in der Zusammenarbeit mit Steven Spielberg für "Schindlers Liste". Es geht immer um die Momente zwischen "Action" und "Cut", das ist meine Zeit. Anders als im Theater hast du jedoch nur 30 Sekunden für die Miniatur eines Dramas.

SPIEGEL ONLINE: Verändert das Fehlen des Publikums die Schauspielerei?

Neeson: Tatsächlich besitzt man auf der Bühne viel mehr Kontrolle als vor der Kamera. Der Vorhang öffnet sich achtmal in der Woche, man interagiert mit einem wechselnden Publikum und schafft zusammen an jedem Abend etwas Neues. Bei einem Klassiker wie Arthur Millers "Hexenjagd" hat schon das Vortragen des vertrauten Textes etwas Religiöses, und die Reaktion der Zuschauer gehört ebenso zum Stück wie meine Rolle.

SPIEGEL ONLINE: Wo droht Ihnen bei Kinorollen Kontrollverlust?

Neeson: Überall. Der Zeitplan, das Wetter, Skriptänderungen, Budgetfragen - an Filmsets ist der Schauspieler meistens nur ein Rädchen im Getriebe. "Battleship" war eine gigantische Produktion mit viel Technik, während wir "The Grey - Unter Wölfen" in eisigen Schneestürmen drehten. Pünktlich wie am Broadway war da keine Szene. Doch ich habe mit den Jahren gelernt, meine Energie zu konservieren für den richtigen Moment: eben diese 30 Sekunden, mehr Zeit hast du nicht.

SPIEGEL ONLINE: Sie untertreiben. Für Spielbergs Film über Abraham Lincoln recherchierten Sie Jahre - bevor das Projekt dann doch mit Daniel Day-Lewis besetzt wurde.

Neeson: Der im Übrigen der Beste ist, den ich mir in der Rolle vorstellen kann. Warum es mit mir nichts wurde? Steven ist ein vielbeschäftigter Mann und ich war irgendwann zu alt für die Rolle. Kein Problem. Gott lacht über Pläne.

SPIEGEL ONLINE: Immerhin haben Sie Einfluss durch die Auswahl der Skripts. Wie erklären Sie sich Ihre Beliebtheit in Genrefilmen und beim jungen Publikum?

Neeson: Die Planeten müssen in einer sehr sonderbaren Konstellation zusammen gestanden haben, als Luc Besson auf die Idee kam, mich für den Rachethriller "96 Stunden" zu besetzen. Den Erfolg konnte niemand erahnen, nun surfe ich auf einer kurzen Welle. Meine lädierten Knie lassen diese anstrengende Arbeit bald ohnehin nicht mehr zu.

SPIEGEL ONLINE: Sie könnten kaum vitaler wirken. In "The Grey - Unter Wölfen" retten Sie die Überlebenden eines Flugzeugabsturzes vor Wolfsattacken. Haben Sie einen Hang zum Alphamann?

Neeson: Das Leittier war Regisseur Joe Carnahan, der eine Truppe verschworener Schauspieler um sich sammelte und in eine Schlacht mit der Natur führte. Ich habe noch nie so extreme Dreharbeiten erlebt und war hauptsächlich damit beschäftigt, Schutz vor der Kälte zu finden. Verwechseln Sie mich nicht mit meinen Rollen. Ich sitze nicht gern mit dem Gewehr im Schnee. Ein guter Rotwein und ein Buch zu Hause sind mir lieber.

SPIEGEL ONLINE: Dennoch drehen Sie in Paris gerade die Fortsetzung von "96 Stunden" und fördern Ihr Image als neuer Charles Bronson.

Neeson: Ich musste selbst lachen, als der Vorschlag für eine Fortsetzung kam. 'Wollt ihr seine Tochter etwa schon wieder entführen?', fragte ich Besson. Doch er hatte eine sehr überzeugende Idee, um die Geschichte weiter zu erzählen. Aber ich sehe keinen dieser Männer als Rächer oder als Macho. Sie sind im Grunde einfach und verletzlich. Und es ist spannend das auszuspielen, was passiert, wenn man sie ihrer Sicherheitsnetze beraubt.

Das Interview führte Roland Huschke

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1.
Demokrator2007 22.04.2012
Es ist erschreckend was für einen inhaltlichen Schrott Hollywood inzw. produziert: Battleship, Avengers... ansonsten 3D Murks, Sequels und Remakes. Wer soll dafür noch ins Kino gehen? Sowas zieht man sich ein paar Tage nach Kinostart aus dem Netz auch wenn mal ein "KimDotCom" oder ein "Kino-to" kassiert wird, aufzuhalten ist der Niedergang des Kinos so nicht. Ein Kinobesuch ist für den Normalverdiener sowieso kaum noch bezahlbar. 10-15 Euro pro Kinokarte, dazu 8 Euro für Kinoknabberei Getränk und noch ein paar Euro für den Parkplatz. Für soviel Geld kann man schon vernünftig Essen gehen und muß sich nicht mit fader Kinokost herumärgern. Und ob ein Liam Neeson nun als Chef einer Materialschlacht vorn an steht oder irgendein Noname interessiert im Grunde auch niemanden, Neeson&Co. soll nur die hohen Produktionskosten rechtfertigen und ich kann es gut verstehen, wenn Top-Schauspieler wie Alan Rickmann oder Kevin Spacey sagen, das sie mit den hohen Gagen beim Film ihre Bühnenauftritte oder Independent-Rollen finanzieren. Ich hoffe nur das sowohl Neeson, als auch Johansson, oder Jackson den Job nur wg. des Geldes machten, auch wenn sie bei der Promotionshow was anderes sagen, schließlich sind sie hervorragende Schauspieler und die können sowas glaubwürdig rüber bringen. Ciao DerDemokrator Ansonsten kann
2. ...
team_frusciante 22.04.2012
Zitat von Demokrator2007Es ist erschreckend was für einen inhaltlichen Schrott Hollywood inzw. produziert: Battleship, Avengers... ansonsten 3D Murks, Sequels und Remakes. Wer soll dafür noch ins Kino gehen? Sowas zieht man sich ein paar Tage nach Kinostart aus dem Netz auch wenn mal ein "KimDotCom" oder ein "Kino-to" kassiert wird, aufzuhalten ist der Niedergang des Kinos so nicht. Ein Kinobesuch ist für den Normalverdiener sowieso kaum noch bezahlbar. 10-15 Euro pro Kinokarte, dazu 8 Euro für Kinoknabberei Getränk und noch ein paar Euro für den Parkplatz. Für soviel Geld kann man schon vernünftig Essen gehen und muß sich nicht mit fader Kinokost herumärgern. Und ob ein Liam Neeson nun als Chef einer Materialschlacht vorn an steht oder irgendein Noname interessiert im Grunde auch niemanden, Neeson&Co. soll nur die hohen Produktionskosten rechtfertigen und ich kann es gut verstehen, wenn Top-Schauspieler wie Alan Rickmann oder Kevin Spacey sagen, das sie mit den hohen Gagen beim Film ihre Bühnenauftritte oder Independent-Rollen finanzieren. Ich hoffe nur das sowohl Neeson, als auch Johansson, oder Jackson den Job nur wg. des Geldes machten, auch wenn sie bei der Promotionshow was anderes sagen, schließlich sind sie hervorragende Schauspieler und die können sowas glaubwürdig rüber bringen. Ciao DerDemokrator Ansonsten kann
Ich kann nicht anders als die beiden Absätze in Zusammenhang bringen. Wer sich 3D Murks, Sequels und Remakes antut, zahlt wohl wirklich 10 bis 15 (naja, 15?!) Euro für eine Kinokarte. Am Rande, die Knabbereien müssen ja wohl nicht sein, von Getränken muss man nur aufs Klo, und was das Kino dafür kann, dass Sie sich nur mit dem Auto fortbewegen können, erschließt sich mir auch nicht. Sie könnten jagleich noch 5 Euro für Benzin in die Rechnung einbauen (plus Knabbereien von der Tankstelle) um dann auf 100 Euro für den Kinobesuch zu kommen. Tatsache ist, dass man auch für um die 7 Euro gute Filme in kleinen Kinos schauen kann. Da fährt man mit dem Fahrrad hin und gönnt sich noch ein Glas Wein für 3 Euro. Die rechnen wir jetzt aber nicht mit der Kinokarte zusammen. Dass Cineplexanlagen in Industriegebieten neuerdings für "Kino" gehalten werden ist die einzige Bedrohung für das Kino.
3.
priest 22.04.2012
Zitat von Demokrator2007Es ist erschreckend was für einen inhaltlichen Schrott Hollywood inzw. produziert: Battleship, Avengers... ansonsten 3D Murks, Sequels und Remakes. Wer soll dafür noch ins Kino gehen? Sowas zieht man sich ein paar Tage nach Kinostart aus dem Netz auch wenn mal ein "KimDotCom" oder ein "Kino-to" kassiert wird, aufzuhalten ist der Niedergang des Kinos so nicht. Ein Kinobesuch ist für den Normalverdiener sowieso kaum noch bezahlbar. 10-15 Euro pro Kinokarte, dazu 8 Euro für Kinoknabberei Getränk und noch ein paar Euro für den Parkplatz. Für soviel Geld kann man schon vernünftig Essen gehen und muß sich nicht mit fader Kinokost herumärgern. Und ob ein Liam Neeson nun als Chef einer Materialschlacht vorn an steht oder irgendein Noname interessiert im Grunde auch niemanden, Neeson&Co. soll nur die hohen Produktionskosten rechtfertigen und ich kann es gut verstehen, wenn Top-Schauspieler wie Alan Rickmann oder Kevin Spacey sagen, das sie mit den hohen Gagen beim Film ihre Bühnenauftritte oder Independent-Rollen finanzieren. Ich hoffe nur das sowohl Neeson, als auch Johansson, oder Jackson den Job nur wg. des Geldes machten, auch wenn sie bei der Promotionshow was anderes sagen, schließlich sind sie hervorragende Schauspieler und die können sowas glaubwürdig rüber bringen. Ciao DerDemokrator Ansonsten kann
Wie kann man sich nur idependent Filme antun? Nur weil man es künstlerisch ansprusvoll nennt bleiben die Filme dennoch langweiliger und pseudointellektueller Mist. /ironie off Es ist Geschmackssache und darüber zu streiten ist verschwendete Zeit. Schlimm sind aus meiner Sicht lediglich Filme die versuchen mehr zu sein als sie sind. Battleship und Avengers nehmen gar nicht in Anspruch künstlerisch oder tiefgründig zu sein, anders als "The Grey" ebenfalls mit Liam Nielsen. Da versuchte man Tiefgründigkeit in einen Abenteurfilm zu bringen und machte sich dadurch nur lächerlich. Man muss nur wissen mit welchen Erwartungen man in einen Film geht und gleichzeitig sollten Filme bzw. dessen Trailer keine fakschen Erwartungen wecken.
4. .
c_c 22.04.2012
"Und es ist spannend das auszuspielen, was passiert, wenn man sie ihrer Sicherheitsnetze beraubt." Könnte vom Joker stammen, der Satz... Oh ja...
5.
DJ Doena 22.04.2012
Zitat von Demokrator2007Es ist erschreckend was für einen inhaltlichen Schrott Hollywood inzw. produziert: Battleship, Avengers... ansonsten 3D Murks, Sequels und Remakes. Wer soll dafür noch ins Kino gehen? Sowas zieht man sich ein paar Tage nach Kinostart aus dem Netz auch wenn mal ein "KimDotCom" oder ein "Kino-to" kassiert wird, aufzuhalten ist der Niedergang des Kinos so nicht. Ein Kinobesuch ist für den Normalverdiener sowieso kaum noch bezahlbar. 10-15 Euro pro Kinokarte, dazu 8 Euro für Kinoknabberei Getränk und noch ein paar Euro für den Parkplatz. Für soviel Geld kann man schon vernünftig Essen gehen und muß sich nicht mit fader Kinokost herumärgern. Und ob ein Liam Neeson nun als Chef einer Materialschlacht vorn an steht oder irgendein Noname interessiert im Grunde auch niemanden, Neeson&Co. soll nur die hohen Produktionskosten rechtfertigen und ich kann es gut verstehen, wenn Top-Schauspieler wie Alan Rickmann oder Kevin Spacey sagen, das sie mit den hohen Gagen beim Film ihre Bühnenauftritte oder Independent-Rollen finanzieren. Ich hoffe nur das sowohl Neeson, als auch Johansson, oder Jackson den Job nur wg. des Geldes machten, auch wenn sie bei der Promotionshow was anderes sagen, schließlich sind sie hervorragende Schauspieler und die können sowas glaubwürdig rüber bringen. Ciao DerDemokrator Ansonsten kann
Na wenn, dann gehe ich nur für solche Augen & Ohren Blaster ins Kino. Battleship mag zwar inhaltlich der größte Blödsinn sein, aber ich habe zwei Stunden sicherlich schon gelangweilter verbracht und dafür mehr als 5,50€ am Kinodienstag bezahlt. Ist im Prinzip auch nichts anderes als sich 20 Minuten in der Schlange anzustehen, um dann 1,5 Minuten auf der Achterbahn Spaß zu haben. Einen Film wie Eat, Pray, Love wiederum kann ich mir auch für 7,99€ beim Media Markt mitnehmen und dann gemütlich auf der Wohnzimmercouch gucken. Warum man sich Filme wie Battleship auf dem Computermonitor angucken sollte, verstehe ich wiederum gar nicht, dann kann man es nämlich auch gleich bleiben lassen. Zum Thema 3D: Das kann mir persönlich gestohlen bleiben, ob nun im Kino oder zu Hause. Ich war schon nach 30min bei Avatar gelangweilt und fand es optisch (im Sinne von: meine Augen) zu anstrengend.
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Zur Person
Liam Neeson, 1952 in Nordirland geboren, begann seine Karriere als Schauspieler 1976 beim Lyric Players' Theatre in Belfast - avancierte aber schnell zum international gefragten Filmstar. Wichtige Werke: "Excalibur" (1981), "Die Bounty" (1984), "Das Todesspiel" (1988), "Schindlers Liste" (1993), "Rob Roy" (1994), "Kinsey" (2004), "Chloe" (2009). Momentan ist Neeson mit gleich drei neuen Action-Filmen im Kino vertreten: "Battleship", "The Grey" und "Zorn der Titanen".