Liebesfilm "Bright Star" Beseelte Briefe, keusche Küsse

John Keats gilt neben Byron und Shelley als einer der bedeutendsten englischen Lyriker des 19. Jahrhunderts. Nun wurde seine historische Liebesbeziehung zu einem Mädchen von nebenan von Jane Campion verfilmt - "Bright Star" ist eine dunkle Ode an die Sehnsucht.

Von Ilse Henckel


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Liebesfilm „Bright Star“: Dunkle Ode
England im Jahre 1818 - John Keats (Ben Wishaw), Jüngstgeborener der "Big Six", der sechs großen Dichter der englischen Romantik, ist 23, als er sich im Flecken Hampstead bei London einquartiert. Wand an Wand mit ihm wird bald die 18-jährige Fanny Brawne (Abbie Cornish) mit ihrer verwitweten Mutter und ihren beiden Geschwistern wohnen.

Die Begegnung der jungen Leute ist unausweichlich, fällt jedoch keineswegs liebreich aus: Fanny - ein Teenager mit Talent zur Schneiderin von extravagantem Stilgefühl - ist selbstbewusst und schlagfertig, Keats hält sie für eine flatterhafte Person, "ein keckes Mädchen". Und Fanny wird neugierig auf den schwierigen Poeten und sein Werk. Sie ist noch keine gebildete Leserin, eine Ausgabe seiner Gedichte aber wird sie sich besorgen.

Kampf um die innere und äußere Existenz

Dann verlieben Fanny und Keats sich ineinander - er, früh verwaist, stets getrieben vom Kampf um seine innere und äußere Existenz. Zur Seite steht ihm einzig sein Schriftstellerfreund und Mentor Charles Armitage Brown (Paul Schneider), in dessen Haus er lebt. Der mag Fanny nicht und wacht besitzergreifend darüber, dass sie seinen genialischen Schützling nicht beim Dichten stört.

Die neuseeländische Regisseurin und Drehbuchautorin Jane Campion ist berühmt geworden mit "Das Piano", ihrem sinnlichen, Oscar-gekrönten Vergangenheitsstück um die nicht salonfähige Passion einer eigenwilligen Frau und eines besonderen Mannes. Mit "Bright Star" hat sie jetzt die unerfüllte Romanze eines jungen, etwas weniger eigenwilligen Mädchens und eines sehr besonderen Träumers rekonstruiert - eine wehmutsvolle, dunklere Ode an die Sehnsucht, überschattet von Armut und Krankheit.

Dabei betört der Film durch elegant fotografierte Bilder von lichter Schönheit - durch blaue Wiesengründe voller Waldhyazinthen, biedermeierlich häusliche Szenen und natürlich durch die beiden innig Liebenden und Leidenden. Die sich - ihren persönlichen Umständen und der Zeit gemäß - im Warten aufeinander, in beseelten Briefen, meditativen Gedichten und nur selten in keuschen Küssen finden.

Mehr wäre damals wohl ebenso undenkbar gewesen wie eine Heirat, denn Keats, kreativ wie nie zuvor, begnadet aber mittellos, kann sich keine Familie leisten.

Als nach einer verregneten Kutschfahrt auch bei Keats die in seiner Familie grassierende Schwindsucht ausbricht, muss er die verzweifelte Fanny verlassen, um todkrank in das mildere Klima Italiens zu reisen.

Früh vollendet und spät gefeiert starb der Romantiker John Keats 1821 in Rom. Fanny Brawne lebte weitere 44 Jahre, heiratete und hatte drei Kinder. Erst sieben Jahre nach ihrem Tod erfuhr die literarische Welt, wer sie war, wer sie liebte.

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insgesamt 2 Beiträge
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Sleeper_in_Metropolis 24.12.2009
1. Gähn...
Juhu, eine weitere Nervschmonzette im Stile von "Sinn und Sinnlichkeit" oder "Stolz und Vorurteil", bei dem die Damen reihenweise dahinschmelzen und sich die zum mitgucken verurteilten männlichen Beziehungspartner in Scharen zu tode gähnen werden :D
tylerdurdenvolland 24.12.2009
2. ....
Zitat von Sleeper_in_MetropolisJuhu, eine weitere Nervschmonzette im Stile von "Sinn und Sinnlichkeit" oder "Stolz und Vorurteil", bei dem die Damen reihenweise dahinschmelzen und sich die zum mitgucken verurteilten männlichen Beziehungspartner in Scharen zu tode gähnen werden :D
Dies scheint sogar noch eine weitere Stufe des Lebens darunter zu stehen. Bei Ms Austen ist schon auch ein wenig wahres Leben mit dabei, dies scheint aber wirklich für die infantilen Dummerchen zu sein, die sich ihres Alters wegen nicht mehr mit der Bravo sehen lassen wollen. Wobei man berücksichtigen muss, dass wir hier von der "Spiegel" Kritik ausgehen, also einem Blatt das sich in letzter Zeit nicht gerade durch sonderlich intelligente Kritiken, bzw, bei der Auswahl der zu besprechenden Filme, hervorgetan hat. Aber was man hier liest scheint so eine Art "Heidi Klums Topmodel Mentalität" in historischen Kostümen zu sein. Männer lasst euch nicht verars...... Frauen sind keineswegs das bessere Geschlecht, sie d nur anders. Beide sind übrigens gleich schlecht.... :-)
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